Video mit Gaza-Aktivisten

Israels Polizeiminister löst diplomatische Kontroverse aus

20. Mai 2026, 22:31 Uhr · Quelle: dpa
Israels Polizeiminister Ben-Gvir in der Altstadt von Jerusalem
Foto: Jamal Awad/dpa
Der israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir provozierte schon öfter. (Archivbild)
Israels rechtsextremer Polizeiminister Ben-Gvir scheut nicht vor Provokationen zurück. Ein Video sorgt nun für Empörung in Außenministerien - und auch Kritik aus den eigenen Reihen.

Tel Aviv/Rom/London/Brüssel (dpa) - Ein Video des israelischen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir, das Gaza-Aktivisten in demütigender Weise zeigt, hat für große Empörung in mehreren europäischen Außenministerien gesorgt. Auch der israelische Chefdiplomat Gideon Saar sowie Regierungschef Benjamin Netanjahu reagierten mit deutlichen Worten auf den Videopost Ben-Gvirs auf der Plattform X. Die Bundesregierung kritisierte das Verhalten des Ministers ebenfalls scharf. Diverse Staaten protestierten angesichts des Videos, mehrere Länder bestellten die israelischen Botschafter ein.

Außenminister Johann Wadephul sagte der dpa, das Verhalten Ben-Gvirs sei «vollkommen inakzeptabel». «Es widerspricht den Werten, für die Deutschland mit Israel gemeinsam stehen will, fundamental», so der CDU-Politiker. Er sei seinem israelischen Amtskollegen Saar dankbar «für die klaren Worte, die er für dieses unsägliche Verhalten gefunden hat». Zuvor hatte der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, ähnliche Worte der Kritik gefunden. 

Das Video zeigt den Minister mit einer Gruppe Anhängern und eine israelische Flagge schwenkend zwischen gefesselten und knienden Aktivisten der internationalen Gaza-Hilfsflotte in der israelischen Hafenstadt Aschdod. «Willkommen in Israel, wir sind hier die Hausherren», ruft er auf dem Video, auf dem er die Aktivisten auch verspottet. An der Flotte hatten sich etwa 430 Aktivisten beteiligt, die von Israel festgehalten werden.

Kabinettskollege Saar spricht von «beschämenden Auftritt»

Israels Außenminister Gideon Saar distanzierte sich auf X mit deutlichen Worten von seinem rechtsextremen Kabinettskollegen, der zu den umstrittensten Mitgliedern der Regierung Netanjahus gehört. Er habe «unserem Staat mit diesem beschämenden Auftritt wissentlich Schaden zugefügt – und das nicht zum ersten Mal», schrieb Saar. Ben-Gvir sei «nicht das Gesicht von Israel». Wenig später postete das israelische Außenministerium unter der Überschrift «Dies sind unsere Werte» Bilder von israelischen Polizisten, die Wasser an die festgehaltenen Aktivisten austeilen und mit ihnen sprechen.

Netanjahu schrieb, Ben-Gvirs Umgang mit den Aktivisten entspreche nicht den Werten und Normen Israels. Gleichzeitig betonte er, Israel habe das Recht, «Flotillen von Hamas-Unterstützern am Eindringen in unsere Hoheitsgewässer und am Erreichen des Gazastreifens zu hindern.» Er habe die zuständigen Behörden angewiesen, die Aktivisten so schnell wie möglich auszuweisen.

Israelische Botschafter einbestellt

Die Chefdiplomaten mehrerer Staaten reagierten empört auf das Video und bestellten den jeweiligen israelischen Botschafter ins Außenministerium ein. «Das Video von Minister Ben-Gvir ist absolut inakzeptabel und verstößt gegen jeden elementaren Schutz der Menschenwürde», schrieb Italiens Außenminister Antonio Tajani auf X. Regierungschefin Giorgia Meloni schrieb, Italien fordere darüber hinaus eine Entschuldigung für die Behandlung der Aktivisten.

Der französische Außenminister Jean-Noel Barrot kündigte auf X die Einbestellung des israelischen Botschafters an, um die Entrüstung Frankreichs mitzuteilen. Ben-Gvirs Verhalten sei nicht akzeptabel. Französische Teilnehmer der Gaza-Hilfsflotte müssten mit Respekt behandelt und so schnell wie möglich freigelassen werden, schrieb Barrot.

Minister fordern Freilassung der Aktivisten

«Ich habe ein monströses, unmenschliches und unwürdiges Video gesehen, in dem Mitglieder der Flottille, darunter Spanier und Spanierinnen, von einem israelischen Minister und der Polizei ungerecht und auf demütigende Weise behandelt wurden. Das halte ich für äußerst alarmierend», sagte der spanische Außenminister José Manuel Albares am Rande eines Besuchs in Berlin. Er habe deshalb die Geschäftsträgerin Israels in Madrid dringend einbestellt. Alabares forderte die sofortige Freilassung der Aktivisten und eine öffentliche Entschuldigung Israels. Auch Portugal bestellte den israelischen Botschafter ein.

«Ich bin zutiefst entsetzt über das Video, das der israelische Kabinettsminister Ben-Gvir veröffentlicht hat und in dem er die Teilnehmer der Globalen Sumud-Flottille verhöhnt», schrieb die britische Außenministerin Yvette Cooper. «Dies verstößt gegen die grundlegendsten Standards von Respekt und Würde im Umgang mit Menschen.» Ihre irische Amtskollegin Helen McEntee schrieb, sie sei entsetzt und schockiert über das Video.

Der niederländische Außenminister Tom Berendsen schrieb, er habe sich mit Saar wegen des Videos in Verbindung gesetzt. Zugleich begrüßte er, dass Saar und Netanjahu sich klar von Ben-Gvir distanziert hätten. Belgiens Außenminister Maxime Prevot sprach von zutiefst verstörenden Bildern. «Menschen werden gefangen gehalten, gefesselt und mit dem Gesicht nach unten gezwungen, während ein Regierungsmitglied ihre Demütigung in den sozialen Medien öffentlich zur Schau stellt.»

Israel / Diplomatie / Nahostkonflikt / Gaza Flottille / Itamar Ben-Gvir / Gideon Saar / Benjamin Netanjahu
20.05.2026 · 22:31 Uhr
[7 Kommentare]
Zwei Busse stoßen in Oberbayern zusammen - mehrere Verletzte
Hebertshausen (dpa) - Beim Zusammenstoß von zwei Bussen in Oberbayern sind laut Polizei drei Menschen schwerstverletzt worden. Viele weitere seien leicht verletzt, sagte eine Polizeisprecherin vor Ort. Zunächst hatte die Polizei nach dem Unfall in Hebertshausen (Landkreis Dachau) von einer zweistelligen Zahl an Verletzten und mehreren verletzten Kindern […] (01)
vor 3 Minuten
Jennifer Lawrence
(BANG) - Jennifer Lawrence war der geheimnisvolle "Bravo-Superfan", der dabei half, den Verantwortlichen hinter dem geleakten Audio der Reality-TV-Serie 'Summer House' zu identifizieren. Der US-amerikanische Sender Bravo, bekannt für seine Trash-TV-Formate, leitete eine Untersuchung ein, nachdem vor einigen Monaten Audiomaterial vom Wiedersehens-Special […] (00)
vor 3 Stunden
Bericht: iPhone-Produktion im 1. Quartal um 20 Prozent gestiegen
Laut einem aktuellen Bericht der Marktforscher von TrendForce legte die iPhone-Produktion im ersten Quartal 2026 um beachtliche 20 Prozent zu. Damit konnte Apple dem allgemeinen Abwärtstrend auf dem weltweiten Smartphone-Markt erfolgreich entgegenwirken. iPhone-Produktion stark gewachsen […] (00)
vor 56 Minuten
Xbox ändert plötzlich die Richtung: Werden Exklusivspiele wieder wichtig?
Xbox hat in den letzten Jahren viel Vertrauen verspielt. Nicht unbedingt wegen einzelner Spiele, sondern wegen einer Strategie, die für viele Fans schwer greifbar wurde. Mal klang Microsoft wie ein klassischer Konsolenhersteller. Dann wieder wie ein Publisher, der seine größten Marken möglichst überall verkaufen will. Jetzt deutet sich offenbar ein […] (00)
vor 8 Minuten
BBC baut «Doctor Who» um
Die Zukunft der Kultserie soll über ein Ausschreibungsverfahren gesichert werden. Das bereits angekündigte Weihnachtsspecial wird dagegen nicht produziert. Die Zukunft von Doctor Who bleibt vorerst offen. Die BBC hat am Mittwoch angekündigt, die Serie im Laufe dieses Jahres im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens neu auszuschreiben. Damit soll die nächste Entwicklungsphase der langlebigen […] (00)
vor 5 Stunden
Tennis: ATP-Tour - Stuttgart
Stuttgart (dpa) - Tennisspieler Yannick Hanfmann hat das Viertelfinale beim Rasenturnier in Stuttgart und einen Meilenstein seiner Karriere verpasst. In einem über zwei Sätze ausgeglichenen Achtelfinale unterlag der Karlsruher dem quirligen und mutig aufspielenden Italiener Mattia Bellucci 5: 7, 7: 6 (7: 4), 2: 6. Mit einem Erfolg hätte der 34-Jährige […] (00)
vor 2 Stunden
Kostenschätzung überschreitet ursprüngliche Pläne Die geplante Verbesserung der Bahnverbindung zwischen Chemnitz und Leipzig steht vor erheblichen Herausforderungen. Aktuellen Informationen des sächsischen Ministeriums für Infrastruktur zufolge könnte der Ausbau in einem viel geringeren Umfang realisiert werden als ursprünglich angedacht. Die DB […] (00)
vor 1 Stunde
„Die USA haben sich mit der WM verzockt“
Hannover, 10.06.2026 (lifePR) - Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft sollte den USA Millionen zusätzliche Besucher bringen und das Land als weltoffenes, modernes Reiseland präsentieren. Doch die Realität sieht bislang anders aus. Überzogene Preissteigerungen, sinkende Buchungszahlen und enttäuschte Erwartungen sorgen dafür, dass die Vereinigten Staaten […] (00)
vor 1 Stunde
 
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU)
Erfurt (dpa) - Betroffenheit, Trauer, Zuversicht - Thüringens Ministerpräsident Mario […] (06)
Nach dem Koalitionsausschuss
Berlin (dpa) - Es ist die bisher schwierigste und wichtigste Bewährungsprobe für die […] (09)
Marius Borg Høiby
Oslo (dpa) - Trotz der Sorge um seine schwer kranke Mutter kommt der Sohn von […] (01)
Wolfgang Kubicki (Archiv)
Berlin - Vor dem Reform-Gipfel am Mittwochabend im Kanzleramt hat der neue FDP- […] (02)
Aktuelle Situation in Reutlingen In Reutlingen ist die Stromversorgung für viele […] (00)
Ralf Schmitz spricht den «Kater mit Hut» im neuen Warner-Animationsfilm
Nach dem wenig erfolgreichen Realfilm von 2003 kehrt Dr. Seuss' berühmter Kater als […] (00)
Zahara mit Angelina Jolie
(BANG) - Angelina Jolies und Brad Pitts Tochter Zahara hat offiziell beantragt, den […] (00)
WWDC 2026: Apple fokussiert sich auf drei große Schwerpunkte
Auf der heutigen Keynote zur Entwicklerkonferenz WWDC 2026 hat Apples Software-Chef Craig […] (00)
 
 
Suchbegriff