Die Patienten-Journey der Zukunft: Wie Experience Design die medizinische Versorgung neu denkt.
Der unabhängige Innovations- und Produktdienstleister Consulteer hat eine vernetzte Patienten-Journey konzipiert. Team Lead Design Andreas Ebermann erläutert das Zusammenspiel aus Produktdesign, digitaler Plattform und persönlichem Arztkontakt.

20. Mai 2026, 17:51 Uhr · Quelle: Pressebox
Die Patienten-Journey der Zukunft:  Wie Experience Design die medizinische Versorgung neu denkt.
Foto: Pressebox
Home-Device und Health Hub bringen Gesundheitschecks näher an den Alltag.
Consulteer verbindet Heimgeräte und öffentliche Health Hubs über eine digitale Plattform, um Patientendaten frühzeitig zu erfassen und Arztkontakte gezielter vorzubereiten.

Meggen, 20.05.2026 (PresseBox) - Herr Ebermann, Sie haben auf der DMEA in Berlin eine Konzeptstudie zur Patienten-Journey der Zukunft vorgestellt. Im Gesundheitswesen setzen viele große Hoffnungen in die Digitalisierung. Werden wir in dieser Zukunft noch zum Arzt gehen?

Ja, definitiv. Aber wahrscheinlich seltener und besser vorbereitet.

Wie das?

Grundlage vieler Diagnosen sind klinische Daten und Messwerte. Bisher werden diese meist erst in der Praxis erhoben. Viele dieser Daten lassen sich aber durch die Patientinnen und Patienten bereits im Vorfeld des Arztbesuchs selbst erheben, zum Beispiel der Blutdruck, die Körpertemperatur, Entzündungswerte im Blut oder weitere Vitalparameter. Das würde Arzttermine besser vorbereiten und die Diagnose beschleunigen.

Wichtig ist dabei: Der persönliche Kontakt bleibt zentral. Technologie kann zwar unterstützen, aber sie ersetzt nicht die ärztliche Einschätzung.

Das klingt mit Blick auf die aktuell langen Wartezeiten, den Fachkräftemangel und die überlasteten Strukturen ziemlich ambitioniert. Wo setzt Ihr Konzept an?

Aus unserer Sicht liegt das Problem nicht nur in fehlender Technologie. Viele Bausteine gibt es bereits, von einfachen Messgeräten bis hin zu telemedizinischen Angeboten.

Wo es wirklich hakt, zeigt sich im Alltag: Auf dem Land gibt es oft zu wenige Ärztinnen und Ärzte. Saisonale Infektionswellen füllen die Praxen zusätzlich. Wer krank ist, sitzt mit anderen Erkrankten im Wartezimmer. Gleichzeitig haben Ärztinnen und Ärzte wenig Zeit für einzelne Patientinnen und Patienten.

Die Frage ist daher, wie man vorhandene Bausteine sinnvoll verbindet. Versorgung beginnt nicht erst im Wartezimmer, sondern bei ersten Beschwerden, bei Unsicherheit und bei der Frage, ob ein Arzttermin überhaupt nötig ist. Genau hier fehlt oft ein Ablauf, der aus Patientensicht funktioniert und früher Orientierung gibt.

Wie gehen Sie dieses Thema aus Sicht von Consulteer an?

Wir kommen aus der Perspektive von User Experience, Produktentwicklung und physischem Produktdesign.

Das heißt: Wir schauen uns an, wie eine Patienten-Journey tatsächlich abläuft, mit ihren physischen und digitalen Kontaktpunkten. Dann überlegen wir, wo sich Abläufe vereinfachen lassen, wo Daten früher verfügbar sein könnten und wo Übergänge besser gestaltet werden müssen.

Dabei verbinden wir unterschiedliche Perspektiven: Experience Design, physisches Produktdesign, digitale Produktentwicklung, Engineering und Cybersecurity. Das hilft, nicht nur auf einzelne Touchpoints zu schauen, sondern auf den gesamten Ablauf: Was passiert zu Hause? Was passiert unterwegs? Welche Daten entstehen? Wie werden sie sicher verarbeitet? Und wie kommt der Kontakt zu Ärztinnen und Ärzten zustande?

Unser Ziel ist nicht, ein einzelnes Tool zu optimieren. Wir denken Produkt, Interface, Datenfluss und Nutzungskontext gemeinsam.

Welche Bausteine umfasst das Konzept?

Im Mittelpunkt stehen zwei miteinander verbundene Konzepte.

Zum einen ein modulares Gerät für den Heimgebrauch. Es ermöglicht die Durchführung von Standarduntersuchungen und Messungen, etwa Blutdruckmessung, das Abhören der Lunge, einfache Blutanalysen oder die Erfassung weiterer Vitalparameter. Das System ist erweiterbar und bewusst zurückhaltend gestaltet, damit es sich in den Alltag integriert und nicht wie ein klassisches Medizinprodukt wirkt.

Zum anderen ein Health Hub für den öffentlichen Raum, etwa an Flughäfen oder Bahnhöfen. Dort können Nutzerinnen und Nutzer grundlegende Gesundheitschecks durchführen, wenn unterwegs Beschwerden auftreten oder Unsicherheit entsteht. Wichtig sind dabei Privatsphäre, geführte Nutzung, Hygiene und digitale Anbindung.

Welche Rolle spielt die digitale Plattform dabei?

Beide Ansätze sind über eine digitale Plattform verbunden. Sie bündelt die erhobenen Daten, unterstützt eine erste Einordnung und stellt bei Bedarf die Verbindung zu Ärztinnen und Ärzten her, etwa über Telemedizin oder die gezielte Weiterleitung an Fachstellen.

So entsteht ein durchgängiger Ablauf, der unnötige Wege reduziert, früher Orientierung gibt und die Versorgung dort unterstützt, wo sie im Alltag tatsächlich stattfindet.

Wie lässt sich das technisch umsetzen?

Viele der notwendigen Technologien sind bereits verfügbar. Wir messen heute schon selbst Fieber oder Blutdruck, und auch weitere Untersuchungen lassen sich zunehmend einfacher und automatisierter durchführen.

Unser Ansatz ist, diese Möglichkeiten in einem System zusammenzuführen und für den Alltag nutzbar zu machen.

Und wie sieht es mit Datensicherheit aus?

Gesundheitsdaten sind sensibel. Deshalb muss man dieses Thema von Anfang an mitdenken.

Für uns heißt das: Hardware, Plattform, Datenflüsse und UX-Design dürfen nicht getrennt betrachtet werden. Sonst entstehen später genau die Schnittstellen, an denen es kompliziert wird.

Lässt sich so ein Konzept im bestehenden System überhaupt umsetzen?

Das hängt weniger an der Technologie als an der Umsetzung.

Viele Entwicklungen, die heute selbstverständlich sind, etwa Videosprechstunden, wurden vor einigen Jahren ebenfalls noch kritisch gesehen. Wichtig ist, im Kleinen anzufangen und Lösungen zu entwickeln, die bestehende Strukturen sinnvoll ergänzen.

Wo sehen Sie einen konkreten Anwendungsfall?

Ein einfaches Beispiel: unterwegs krank werden.

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf Geschäftsreise und merken am Flughafen, dass es Ihnen nicht gut geht. Sie warten auf Ihren Anschlussflug, fühlen sich fiebrig und sind unsicher, ob Sie weiterreisen sollten.

Statt im Transitbereich nach einer passenden Anlaufstelle zu suchen, nutzen Sie einen Health Hub vor Ort. Dort werden relevante Werte erhoben, die Ergebnisse digital zusammengeführt und bei Bedarf mit einer ärztlichen Videokonsultation verbunden.

Im Idealfall erhalten Sie innerhalb kurzer Zeit eine medizinische Einschätzung: Können Sie weiterreisen? Sollten Sie einen Arzt aufsuchen? Reicht eine Behandlung mit einem geeigneten Medikament? Oder ist es besser, den Flug nicht anzutreten und sich auszukurieren?

Wenn ein Rezept nötig ist, kann der nächste Schritt direkt angebunden werden, etwa der Weg zur Apotheke am Flughafen. Der Mehrwert liegt in diesen Übergängen: vom Check zur Einschätzung, von der Einschätzung zum nächsten Schritt.

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Gedanke hinter dem Konzept?

Entscheidend ist, die Journey aus Sicht der Menschen zu denken, die sie durchlaufen. Viele digitale Lösungen im Gesundheitswesen orientieren sich stark an bestehenden Strukturen, also an Institutionen, Zuständigkeiten oder klassischen Versorgungsketten. Das ist verständlich, greift aus Patientensicht aber oft zu kurz.

Der Blick verschiebt sich damit vom einzelnen Arzttermin auf den gesamten Weg davor und danach. Was passiert zu Hause? Was passiert unterwegs? Welche Daten entstehen? Wie kommt der ärztliche Kontakt zustande? Und was ist danach der nächste sinnvolle Schritt?

Erst wenn diese Bausteine zusammenspielen, entsteht eine Patienten-Journey, die Menschen früher Orientierung gibt und medizinische Betreuung gezielter vorbereitet.

Medizintechnik / Patientenversorgung / Digitalisierung / Experience Design / Gesundheitsdaten / Telemedizin / Consulteer
[pressebox.de] · 20.05.2026 · 17:51 Uhr
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