Destiny 2 überholt Marathon: Bungies Shooter verliert nach zwei Monaten die Playerbase an den eigenen Vorgänger
Es klingt wie ein schlechter Witz, ist aber die bittere Wahrheit für Bungie: Kaum zwei Monate nach dem Launch von Marathon haben mehr Spieler gleichzeitig Destiny 2 gezockt als den brandneuen Extraction-Shooter. SteamDB zeigt es schonungslos – während Marathon zu Spitzenzeiten 13.107 gleichzeitige Spieler verzeichnete, lag Destiny 2 in den letzten Stunden mit 13.146 knapp vorne. Ein Symbolbild für die schwierige Situation des Studios, das einst die Live-Service-Welt mit Destiny definierte und nun zusehen muss, wie der Nachwuchs gegen den eigenen Altmeister verliert.
Die nackten Zahlen: Ein Absturz mit Ansage
Zum Launch am 5. März 2026 feierte Marathon noch einen soliden Start mit über 88.000 gleichzeitigen Spielern auf Steam. Die Presse war wohlwollend, der Metacritic-Score von 82 und über 90 Prozent positive User-Reviews bestätigten die Qualität des Titels. Doch dann kam der Fall. Woche für Woche verlor der Extraction-Shooter tausende von Aktiven – und nun hat ihn Destiny 2 überholt, ein Spiel, das im September 2017 erschienen ist und als angeschlagen galt. Dabei sind die absoluten Zahlen für Marathon auf Konsole womöglich höher, aber für einen Titel, der speziell auf ein hartgesottenes PC-Publikum abzielte, ist dieser Trend alarmierend. Bungie selbst hat die Problematik erkannt, wie der Blick auf die Sony-Langzeitstrategie für Marathon zeigt – trotz Millionenverlusten hält der Konzern eisern am Projekt fest.
Woran krankt Bungies großer Wurf?
Die Ursachen für das Stimmungstief sind vielfältig. Schon vor dem Release lief bei Marathon nicht alles rund: Ein Kunstskandal um unrechtmäßig verwendete Designs, Berichte über eine historisch schlechte Moral im Studio und unzählige Verzögerungen überschatteten die Entwicklung. Hinzu kommt, dass das Extraction-Genre hart umkämpft ist. Spiele wie Escape from Tarkov, Hunt: Showdown oder das ebenfalls schwer gestartete Arc Raiders buhlen um dieselbe Nische. Bungie setzt zwar auf eine packende Narration und verspricht, auf das berüchtigte Content Vaulting zu verzichten – also Inhalte nicht nach einer Season zu löschen, wie es bei Destiny 2 jahrelang der Fall war. Creative Director Julia Nardin betonte: „Wir wissen, wohin wir die Geschichte in den nächsten Jahren führen wollen.“ Doch wenn die Spielerbasis schmilzt, nützt der beste Story-Fahrplan wenig.
Gleichzeitig macht Sony finanziell Druck. Die Übernahme von Bungie für 3,6 Milliarden Dollar bescherte dem Konzern gewaltige Abschreibungen – allein Destiny 2 kostete Sony Berichten zufolge Milliarden, wie die Analyse der finanziellen Schieflage zeigt. Wenn dann der große neue Hoffnungsträger nach zwei Monaten von der eigenen alten Garde überholt wird, brennt der Baum an mehreren Enden gleichzeitig.
Marathon bleibt – aber der Druck wächst
Trotz der düsteren Zahlen: Bungie will Marathon nicht aufgeben. Anders als etwa Embark Studios, das Arc Raiders nach sinkenden Spielerzahlen auf zweijährliche Updates umstellte, plant Bungie weiter mit regelmäßigen Seasons und saisonalen Events. Die zweite Season, „Nightfall auf Tau Ceti“, ist bereits in der Pipeline und soll die Spieler zurücklocken. Zudem hat das Studio aus den Destiny-Fehlern gelernt: Marathon wird keine Inhalte aus der Vergangenheit entfernen, sondern alles dauerhaft zugänglich machen. Die offizielle Steam-Seite von Marathon zeigt die aktuellen Roadmap-Pläne, und Bungie hofft auf langfristige Bindung statt schnellen Hype.
Ob das reicht? Entscheidend wird sein, ob die Content-Pipeline hält, was sie verspricht, und ob Bungie die Community mit sinnvollen Updates bei der Stange halten kann. Destiny 2 hat gezeigt, dass das Studio Spiele über Jahre tragen kann – die Frage ist nur, ob Marathon genug Zeit bekommt, um diesen Weg zu gehen.

