Dax und EuroStoxx 50: Fantasie trifft auf Realitäten
Der Aktienmarkt zeigte sich am Donnerstag uneinheitlich. Anfangs noch mit Gewinnen gestartet, geriet der Dax im Rückwärtsgang ins Minus. Künstliche Intelligenz, das vorherrschende Boom-Thema, vermochte die Kurse nicht langfristig zu stützen. Vor allem durchwachsene Unternehmenszahlen und die eher enttäuschenden Signale der US-Notenbankpolitik beeinflussten das Marktgeschehen. Der Dax fiel um 0,3 Prozent auf 24.193 Punkte, während auf Monatssicht ein Plus von immerhin gut einem Prozent zu verzeichnen bleibt.
Im Gegensatz dazu legte der MDax um 0,2 Prozent auf 30.996 Punkte zu, doch der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verzeichnete einen Rückgang um 0,7 Prozent. Für Jens Klatt, Marktanalyst bei XTB, ist die aktuelle Entwicklung des Dax ein Anzeichen für Schwäche, da nach einem starken ersten Halbjahr ein Rekordhoch ausbleibt. Klatt sieht zudem den überhitzten Modus an der Wall Street als Indiz dafür, dass ein Rücksetzer im Dax unter 23.000 Punkte wahrscheinlich wird.
In den Vereinigten Staaten sorgten die gemeldeten Zahlen und Ausblicke der Tech-Giganten Microsoft und Meta für Auftrieb: Meta plant, mit den Einnahmen aus der Online-Werbung eine Führungsrolle im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu erlangen. Die US-Notenbank beließ den Leitzins erwartungsgemäß unverändert, während eine Zinssenkung im September als weniger wahrscheinlich eingestuft wird. Laut Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sind die Risiken eines Anstiegs der Inflationsraten aufgrund der von den USA verhängten Zölle beträchtlich.
Trotz teils enttäuschender Geschäftsberichte in Deutschland setzt die Berichtssaison ihren Lauf fort. So ist Airbus trotz Herausforderungen im Triebwerkssektor und stockender Auslieferungen optimistisch, die Jahresziele zu erreichen, auch wenn die Aktien um 0,6 Prozent nachgaben. BMW verzeichnete im zweiten Quartal negative Auswirkungen durch US-Zölle und ein schwächliches Chinageschäft, hält jedoch an der Jahresprognose fest, während die Aktien um 0,5 Prozent fielen.
Im MDax sprang Wacker Chemie mit einem Plus von 3,4 Prozent hervor, trotz einer vorhergehenden Prognosesenkung aufgrund schwacher Nachfrage. Hensoldt konnte um 3,7 Prozent zulegen, begünstigt durch die verstärkte europäische Aufrüstung. Außerhalb des Berichtsspektakels verzeichnete Vossloh im SDax einen Rückgang von 2,6 Prozent, ausgelöst durch die Herabstufung von Jefferies. Der Analyst Fabian Piasta sieht nach der Kursrallye seit Jahresbeginn kein weiteres Aufwärtspotenzial. Doch gilt Vossloh weiterhin als einer der großen Nutznießer der bevorstehenden Investitionen in Deutschlands Infrastruktur.
Unterdessen plant der chinesische E-Commerce-Riese JD.com, den Mediamarkt-Saturn-Eigner Ceconomy zu übernehmen. Ceconomy-Aktionäre sollen 4,60 Euro je Aktie erhalten, während die Ceconomy-Anteile um 2,2 Prozent auf 4,45 Euro kletterten, und somit unterhalb des Kaufangebots notierten.

