CD Projekt REDs Project Hadar setzt auf die bewährte Erfolgsformel des Studios

06. Juni 2026, 09:00 Uhr · Quelle: PixelCritics
CD Projekt REDs Project Hadar setzt auf die bewährte Erfolgsformel des Studios
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CD Projekt REDs Project Hadar bleibt vorerst das, was es seit 2022 ist: eine vielversprechende Idee mit Mini-Team. Die Stellenausschreibung bestätigt die erwartbare Witcher-DNA, aber bis daraus ein echtes Spiel wird, vergehen eher fünf als zwei Jahre.

Project Hadar, das mysteriöse dritte Standbein von CD Projekt RED, lüftet ein kleines Stück seines Schleiers. Eine frische Stellenausschreibung beschreibt das Projekt als „emotionale Erfahrung in einer offenen Spielwelt“ – und macht damit klar: Das Studio setzt bei seiner ersten komplett eigenen Marke auf das, was es am besten kann. Offen bleibt die entscheidende Frage, wie ernst das Projekt angesichts eines Teams von nur 24 Personen tatsächlich ist.

Die altbekannte Formel in neuem Gewand

CD Projekt RED sucht aktuell über die offizielle Stellenausschreibung für einen Engineering Director nach Verstärkung für Project Hadar. Die Anzeige beschreibt das Vorhaben mit einer Formulierung, die Fans des Studios elektrisieren dürfte: Ziel sei es, eine „emotionale Erfahrung in einer offenen Spielwelt“ zu erschaffen. Anders ausgedrückt: Das Studio bleibt exakt dem Genre treu, das es mit The Witcher 3 und Cyberpunk 2077 groß gemacht hat. Experimente mit völlig anderen Spielkonzepten stehen offenbar nicht auf dem Plan.

Das ist angesichts früherer Hinweise wenig überraschend. Bereits im vergangenen Jahr deuteten andere Stellenanzeigen auf ein actionlastiges Rollenspiel mit Nahkampffokus hin. Auch die Nachfrage nach Quest-Designern, die eine Leidenschaft für „narrativ getriebenes und emotionales Design“ mitbringen, untermauert die Richtung. Die Wortwahl „emotional“ ist dabei kein Zufallsprodukt einer HR-Abteilung, sondern ein bewusster Fingerzeig: Project Hadar soll die psychologische Bindung zwischen Spieler und Spielwelt noch stärker in den Fokus rücken, als es bei Geralt oder V bereits der Fall war.

Für Project Hadar, das seit 2022 als komplett neue Marke in Entwicklung ist, bedeutet diese klare Positionierung vor allem eines: CD Projekt RED will kein zweites Cyberpunk-Experiment wagen, bei dem man sich an neuen Mechaniken verhebt. Die Entwickler setzen stattdessen auf eine erprobte DNA – offene Welt, tiefgründige Charaktere, emotionale Entscheidungen – und verpacken sie in ein völlig neues Universum, das keiner bekannten Lizenz entspringt. Eurogamer beschreibt das Projekt entsprechend als das dritte große Franchise des Studios, das auf Augenhöhe mit The Witcher und Cyberpunk operieren soll.

Drei Großprojekte, ein Studio – und ein Rechenproblem

Die entscheidende Frage, die sich angesichts dieser ambitionierten Vision stellt, ist eine der Ressourcen. Denn CD Projekt RED tanzt derzeit auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig: The Witcher 4 beschäftigt derzeit knapp 500 Entwickler und befindet sich in voller Produktion, der Cyberpunk-Nachfolger (Project Orion) baut sein Team kontinuierlich aus und peilt bis 2027 rund 450 Mitarbeiter an, und parallel dazu werkelt man an der dritten Erweiterung für The Witcher 3 mit immerhin 190 Personen. In dieser Gemengelage wirkt das für Project Hadar abgestellte Team aus nur 24 Entwicklern wie ein winziger Ableger.

Co-CEO Michał Nowakowski hatte zwar im Rahmen einer Investorenkonferenz bestätigt, dass das Team bereits „mehrere Prototypen“ für Spielsysteme entwickelt und direkt in der Unreal Engine 5 testet. Die Grundpfeiler der Welt und die zentralen Unterscheidungsmerkmale stünden. Dennoch ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und aktueller Manpower kaum zu übersehen: Ein „emotionales“ Rollenspiel mit offener Spielwelt, das als drittes Franchise-Standbein fungieren soll, lässt sich nicht mit einem Rumpfteam aus zwei Dutzend Leuten stemmen. Realistisch betrachtet steckt Project Hadar noch tief in der Konzeptphase – von einem spielbaren Produkt ist das Projekt Jahre entfernt.

Hinzu kommt, dass der ambitionierte Plan, drei Spiele in sechs Jahren zu veröffentlichen, schon jetzt sämtliche Ressourcen des Studios bindet. Selbst Erweiterungen für The Witcher 4 wurden als „schwierig“ eingestuft. Vor diesem Hintergrund ist Project Hadar derzeit eher eine kreative Spielwiese als ein konkretes Produkt mit realistischem Release-Horizont vor 2030.

Der Cyberpunk-Schatten und die Chance auf Wiedergutmachung

Dass CD Projekt RED bei Project Hadar auf die bewährte Formel aus offener Welt und emotionalem Storytelling setzt, ist eine strategisch nachvollziehbare Entscheidung – aber sie hat einen triftigen Grund. Der katastrophale Launch von Cyberpunk 2077 im Dezember 2020 hat dem Studio eine Lektion erteilt, die bis heute nachwirkt. Über Jahre hinweg musste das Team das ramponierte Image mit Dutzenden Patches, dem großen 2.0-Update und der hochgelobten Erweiterung Phantom Liberty wieder aufpolieren.

Der Image-Schaden saß tief, und bei dem kolportierten Budget von über 800 Millionen Dollar für The Witcher 4 kann sich das Studio schlicht keine zweite verfrühte Veröffentlichung leisten. Genau deshalb ist die konservative Ausrichtung von Project Hadar doppelt bedeutsam: Das Studio will kein Risiko eingehen und setzt auf das, was es nachweislich beherrscht – emotionale Geschichten in glaubwürdigen, frei erkundbaren Welten. Die Frage ist nur, ob diese Strategie in fünf bis sechs Jahren, wenn Project Hadar marktreif sein könnte, nicht längst von anderen Studios überholt wurde. Die offene Spielwelt als Alleinstellungsmerkmal ist 2026 bereits ein abgenutztes Versprechen, das jedes zweite AAA-Spiel auf die Verpackung druckt.

Gaming / Project Hadar / CD Projekt RED / The Witcher / Cyberpunk 2077 / Unreal Engine 5 / Michał Nowakowski
[pixelcritics.com] · 06.06.2026 · 09:00 Uhr
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