Wie legal ist CBD in Europa?
Neben Kanada und den USA hat Europa weltweit den zweitgrößten CBD-Markt. Das lässt vermuten, dass der Verkauf und Konsum von CBD-Produkten in allen europäischen Ländern legal ist. Jedoch schränkt die Gesetzgebung den Markt immer weiter ein. Onlineshops und Startups weiten sich dennoch aus. In manchen europäischen Ländern sind sämtliche CBD-Produkte illegal, in anderen jedoch fast vollständig erlaubt. Vor 2019 gab es für CBD-Produkte in Europa keine Einschränkungen. Produkte, die CBD enthalten und zum Verkauf angeboten werden, bezeichnet man als "Novel Food" (neuartiges Lebensmittel), die erst von einer nationalen Lebensmittelbehörde zugelassen sein müssen, bevor sie auf den Markt dürfen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) veröffentliche im Januar 2019 dafür entsprechende Leitlinien.
Ist CBD-Gras legal?
CBD die Abkürzung für Cannabidol, welches neben THC einer der Hauptwirkstoffe der weiblichen Hanfpflanze (auch bekannt unter dem Namen Gras) ist. Es hat keine berauschende Wirkung, soll entspannend, beruhigend, entzündungshemmend, schmerz- und angstlösend sein. Gewonnen wird es in einem aufwendigen Prozess aus den Blättern und Blüten der Cannabispflanze. Wie legal CBD ist, richtet sich in der EU nach dem THC-Gehalt der Pflanze.
Der Unterschied zwischen Marihuana und Hanf
Hanf und Marihuana werden nach ihrem THC-Gehalt unterschieden. Beide Pflanzen gehören zur Gattung der Cannabis-Sativa. Jede Cannabispflanze, die einen hören THC-Gehalt als 0,2 Prozent enthält, gilt in Europa als Marihuana und damit als psychoaktiv. Produkte, die diesen Höchstwert überschreiten, fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. Als therapeutisches Mittel bedarf es einer ärztlichen Verordnung. Daher wird deren Anbau streng kontrolliert und reglementiert.
Cannabispflanzen mit einem THC-Gehalt von 0,2 Prozent und weniger sind nach EU-Recht Hanfpflanzen, gelten als Industriehanf und sind für die Herstellung von Fasern, Samen, Lebensmitteln und CBD-Produkten zugelassen. Er ist in Europa zwar legal, dennoch braucht man für den Anbau eine behördliche Genehmigung.
Die europäische Geschichte von Cannabis
Die Yamanaya, ein Nomadenstamm, die ca. 3300 bis 2600 v. Chr. nördlich des Schwarzen Meeres lebten, waren die ersten Hanfzüchter. Sie benutzen es zur Herstellung von Seilen, Werkzeugen und Textilien, aber auch für medizinische Zwecke. Sie züchteten es weiter, um die medizinische Wirkung zu verbessern und auszuweiten.
Durch die Yamanaya verbreitete es sich in Europa und Zentralasien, später auch nach Skandinavien und in den Westen. Zur Wikingerzeit (790 bis 1070 n. Chr.) wurde der Hanf für den Schiffsbau genutzt. Über den Seeweg brachten Siedler aus Großbritannien, Portugal und Spanien den Hanf nach Amerika, um ihn dort für die Zwecke der Flottenverbände anbauen zu lassen.
Der verarbeitete Hanf wurde dann nach Europa zurückgebracht, um ihn als Tierfutter, Baumaterial, für Seile, Kleidung, und Lebensmittel weiterzuverarbeiten. Für die Europäer zählte Hanf im Mittelalter zu den wichtigsten Nutzpflanzen und Cannabis erfreute sich als Konsummittel in der Freizeit bei Künstlern, Schriftstellern und Philosophen äußerster Beliebtheit. Im 19. Jahrhundert weitete sich die medizinische Verwendung aus. Erste Veröffentlichungen über medizinische Zubereitungen wurden veröffentlicht und der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Ab 1930 wurde der Nutzen von Hanf durch Baumwolle und künstliche Fasern abgelöst. Im 20. Jahrhundert wurde er wegen seiner Verbindung zu Marihuana, das als Einstiegsdroge für starke Rauschmittel deklariert wurde, gänzlich verboten.
1990 wurde der Hanf, beginnend in Großbritannien, dann in den Niederlanden, Deutschland und dem Rest des Kontinents, für die Herstellung von Biokraftstoff, Lebensmitteln und Textilien wieder angebaut.
Die Gesetzgebung von CBD nach europäischen Ländern
Ausnahmslos verboten ist der Verkauf von CBD-Produkten in Weißrussland, der Slowakei, Montenegro, Monaco, Moldawien, Litauen, Georgien, Armenien, Andorra und Albanien. Der Besitz von Cannabis wird mit einer Geld- oder sogar Freiheitsstrafe geahndet.
Tendenziell verboten ist es in Belgien, Finnland, Island, Lettland und Serbien. Diese Länder befinden sich in sogenannten rechtlichen Grauzonen. Der Anbau von Hanf ist zwar mit behördlicher Genehmigung erlaubt, aber der Verkauf und die Vermarktung von CBD als Nahrungsergänzungs- und Lebensmittel sind verboten. Für therapeutische Zwecke ist es einigen Pharmaunternehmen erlaubt, medizinische Produkte wie Öle, Salben und Pillen herzustellen, die dann durch ein verschreibungspflichtiges Rezept in der Apotheke ausgehändigt werden.
Legal für ausschließlich medizinische Zwecke ist CBD in Italien, Nordmazedonien, Norwegen, Portugal und auf Malta. Das bedeutet, dass CBD-Produkte, je nach ihrem THC-Gehalt, entweder nur durch ein ärztliches Rezept ausgehändigt werden dürfen oder in der Apotheke frei verkäuflich sind.
Der Kauf von CBD-Produkten ist in Irland, Liechtenstein, Tschechien und Ungarn tendenziell legal. Jedoch befinden sich diese Länder auch in einer rechtlichen Grauzone. So können CBD-Produkte, die Cannabinoid-Isolate enthalten und damit keinen THC-Gehalt mehr ausweisen, frei verkauft werden.
Alle anderen CBD-Produkte können rezeptfrei in der Apotheke erworben werden. Manche Geschäfte und Online-Shops verkaufen CBD-Produkte, auch wenn sie noch keine behördliche Genehmigung haben. In Tschechien darf Hanf auf einer Fläche von 100 Quadratmetern ohne behördliche Genehmigung von Einzelpersonen angebaut werden. Tschechien bildet hier aber eine Ausnahme.
Ohne Einschränkung dürfen in Deutschland, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Luxemburg, Niederlande, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz und Spanien CBD-Produkte frei im Handel oder in Onlineshops verkauft werden. Die gesetzlichen Richtlinien sind jedoch nicht einheitlich.
In Bulgarien ist der Anbau von Hanf nach einer behördlichen Genehmigung erlaubt, aber die Produktion von CBD-Produkten verboten. Legalisiert ist jedoch der Verkauf von importierten CBD-Produkten.
In Dänemark, Deutschland, Griechenland und Rumänien ist der Anbau von Industriehanf nach behördlicher Genehmigung erlaubt und der Verkauf von CBD mit einem THC-Gehalt bis zu 0,2 Prozent legal. Medizinisches CBD ist in Deutschland nur auf Rezept erhältlich, CBD-Produkte mit einem Heilversprechen sind verboten und dürfen nicht vermarktet werden.
Frankreich hat den Hanfanbau legalisiert, jedoch ist der Verkauf von CBD nur erlaubt, wenn es sich um Cannabinoid-Isolate handelt.
In Großbritannien sind CBD-Produkte aus Cannabinoid-Isolaten im Handel erhältlich, ansonsten gibt es CBD mit höheren THC-Gehalt auf Rezept in der Apotheke. Die Niederlande hat CBD mit einem THC-Gehalt bis 0,05 Prozent legalisiert. Verboten ist das Dampfen von CBD-Liquids. Polen ist eines der erfolgreichsten Exportländer von CBD-Produkten. Hier ist der Verkauf von CBD mit einem THC-Gehalt von bis 0,2 Prozent erlaubt. Erhältlich sind die Produkte in Naturkostläden und in Geschäften für alternative Medizin.
Schweden erlaubt CBD mit einem THC-Gehalt von 0,00 Prozent. Bei Missachtung kommt es zur strafrechtlichen Verfolgung. Die Schweiz stellt einen Ausreißer der Einschränkungen dar. Für CBD gibt es keinerlei Grenzwerte und die Produkte sind frei im Handel und den Onlineshops erhältlich. In Spanien sind nur Hautpflegeprodukte oder medizinische Produkte für die Anwendung bei Hauterkrankungen mit CBD und einem THC-Gehalt bis zu 0,2 Prozent legal.
Wie wird sich der CBD-Markt voraussichtlich entwickeln?
Da das EU-Recht über die Verwendung, Herstellung und den Verkauf von CBD-Produkten noch nicht einheitlich geregelt ist, finden sich noch viele Nischen wo der Handel und Verkauf stattfinden kann, ohne dass eine Strafverfolgung erfolgt. Deutlich ist in jedem Fall, dass CBD-Gras legal ohne behördliche Genehmigung angebaut oder verkauft werden kann. Nach derzeitiger Rechtslage zeichnet sich ab, dass CBD-Produkte noch weiter eingeschränkt oder nur für therapeutische und medizinische Anwendungen innerhalb der EU zugelassen werden.


