Wasserstoff-Wette von Nel: Zukunftsprojekt trotz Kurscrash
Im Fokus steht der Aufbau einer neuen Technologieplattform, mit der Nel die Kosten für grünen Wasserstoff drastisch senken will. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Subventionen zu reduzieren und Projekte auch unter marktwirtschaftlichen Bedingungen rentabel zu machen.
Herøya-Ausbau als technologischer Hoffnungsträger
Kern der Strategie ist der Ausbau des Standorts Herøya in Norwegen. Nach sieben Jahren Entwicklungsarbeit hat der Vorstand den Startschuss für die Industrialisierung der sogenannten Pressurized-Alkaline-Technologie gegeben. Interne Tests sollen eine deutlich höhere Effizienz im Vergleich zu bisherigen Lösungen gezeigt haben.
Die wichtigsten Eckpunkte des Projekts:
- Förderung durch den EU-Innovationsfonds von bis zu 135 Millionen Euro
- Eigeninvestition von zunächst rund 300 Millionen norwegischen Kronen
- Produktionsstart mit bis zu einem Gigawatt Jahreskapazität, perspektivisch ausbaubar auf vier Gigawatt
CEO Håkon Volldal setzt auf ein modulares Container-Konzept, das klassische Fabrikgebäude überflüssig macht. Dadurch sollen Investitions- und Betriebskosten sinken und die Wasserstoffgestehungskosten spürbar gedrückt werden.
Auftragsbestand schrumpft deutlich
Die Zurückhaltung der Anleger erklärt sich jedoch aus der aktuellen Geschäftslage. Die Zahlen zum dritten Quartal 2025 zeigten zwar Fortschritte auf der Kostenseite, gleichzeitig aber einen deutlichen Rückgang der operativen Basis.
Besonders kritisch ist der Auftragsbestand: Dieser fiel im Jahresvergleich um 47 Prozent auf zuletzt 984 Millionen NOK. Damit fehlt es an Visibilität für die Umsätze der kommenden Quartale. Trotz stabilisierter Verluste und disziplinierter Ausgabenpolitik bleibt die Nachfrage bislang hinter den Erwartungen zurück.
Die Aktie bewegt sich entsprechend am unteren Ende der 52-Wochen-Spanne und spiegelt das geringe Vertrauen des Marktes in eine kurzfristige Trendwende wider.
Partnerschaften als operative Lichtblicke
Ganz ohne positive Signale ist die Lage jedoch nicht. Nel konnte seine Zusammenarbeit mit Samsung Engineering vertiefen und meldete zuletzt neue Aufträge für PEM-Elektrolyseure mit einem Volumen von über 50 Millionen US-Dollar. Diese Projekte zeigen, dass die Technologie weiterhin Abnehmer findet, auch wenn das Marktumfeld insgesamt schwierig bleibt.
2026 wird zum Prüfstein
Das kommende Jahr gilt als entscheidend für die weitere Entwicklung. Der kommerzielle Start der neuen Plattform ist für die erste Jahreshälfte 2026 vorgesehen. Gelingt es, die Technologie planmäßig in den Markt zu bringen und erste größere Aufträge zu gewinnen, könnte sich das aktuelle Kursniveau rückblickend als Bodenbildung erweisen.
Bleiben Markteinführung oder Skalierung jedoch hinter dem Zeitplan zurück, dürfte der Druck auf Aktie und Finanzierungsspielräume weiter zunehmen. Für Nel ASA ist 2026 damit weniger ein Übergangsjahr als vielmehr ein Stresstest für die gesamte Wasserstoffstrategie.


