3000 Yuan für jeden – Chinas radikaler Konsum-Plan
Chinas Wirtschaft sucht dringend einen Nachfrageimpuls
Deflationäre Tendenzen, eine schwache Binnennachfrage und die anhaltende Immobilienkrise belasten die Konjunktur in China seit Jahren. Zwar hat die Regierung ein umfassendes Reformpaket vorgelegt, doch viele Ökonomen halten die bisherigen Maßnahmen für unzureichend, um den Konsum nachhaltig zu beleben.
Der Vorschlag: 3000 Yuan für jeden Bürger
Der Wirtschaftsprofessor Zhu Tian von der China Europe International Business School plädiert für einen radikalen Schritt. Jeder der rund 1,4 Milliarden Chinesen soll einmalig 3000 Yuan erhalten, umgerechnet etwa 380 Euro. Finanziert werden soll das Programm über Staatsanleihen, die Auszahlung digital und unbürokratisch.
Nach Zhus Berechnungen könnten so rund 2,1 Billionen Yuan zusätzlich in Umlauf kommen. Wenn mindestens die Hälfte davon ausgegeben würde, ließe sich das Bruttoinlandsprodukt um etwa 1,5 Prozent steigern. Entscheidend sei die Dimension: Nur ein groß angelegter Impuls wirke spürbar auf die Gesamtwirtschaft.
Warum Gutscheine bislang kaum Wirkung zeigten
China hat bereits Erfahrungen mit Konsumprogrammen gesammelt. Städte wie Shanghai, Guangzhou oder Provinzen wie Zhejiang setzten auf lokale Gutscheine für Kultur, Gastronomie oder Tourismus. Der Effekt blieb jedoch begrenzt, da die Programme regional und thematisch stark eingeschränkt waren.
Zhu kritisiert, dass solche Maßnahmen zu kleinteilig seien und kaum makroökonomische Wirkung entfalteten. Sein Ansatz setze dagegen auf Breite und Einfachheit, mit möglichst wenigen Einschränkungen bei der Verwendung.
Bedeutung für Europa und Deutschland
Ein stärkerer chinesischer Konsum hätte direkte Folgen für internationale Handelspartner. Die Nachfrage nach Maschinen, Autos oder Luxusgütern hängt eng von der Kauflaune in China ab. Entsprechend beobachten auch europäische Unternehmen die Debatte aufmerksam. Der kommende Fünfjahresplan der chinesischen Führung dürfte dem Thema Konsum eine zentralere Rolle einräumen, auch der Internationaler Währungsfonds mahnt seit Längerem mehr binnenwirtschaftliche Impulse an.
Kritik und strukturelle Zweifel
Nicht alle Ökonomen sind überzeugt. Kritiker wie Ting Lu von Nomura argumentieren, Einmalzahlungen seien nur in externen Krisen sinnvoll. Chinas Probleme lägen tiefer: Immobilienüberhang, sinkende Vermögenswerte und strukturelle Unsicherheit ließen sich nicht mit kurzfristigem Konsumgeld lösen.
Zhu selbst sieht die Einmalzahlung nicht isoliert. Parallel fordert er eine aktivere Immobilienpolitik, etwa durch staatliche Abwicklungsstellen für unfertige Projekte und die Umwandlung von Überbeständen in geförderten Wohnraum.
Demografie als langfristige Belastung
Hinzu kommt der demografische Gegenwind. Die Bevölkerung altert rapide, die Geburtenrate liegt bei nur 1,09 Kindern pro Frau. Regionale Programme mit Kinderzuschüssen, Gesundheitsleistungen oder Unterstützung bei künstlicher Befruchtung sollen gegensteuern, bleiben bislang aber punktuell.
Zhus Fazit fällt nüchtern aus: China verfüge über die finanziellen Mittel, um Konsum und Immobilienmarkt zu stabilisieren. Doch politische Zurückhaltung und strukturelle Unsicherheit bremsen die Umsetzung. Der Vorschlag der 3000 Yuan ist deshalb weniger ein fertiger Plan als ein Weckruf.


