Vorfahrt für Frauen: Stillstand in deutschen Vorstandsetagen hinterfragt
In der deutschen Wirtschaft stagniert die Entwicklung des Frauenanteils in Vorständen. Wie der neueste Bericht der deutsch-schwedischen AllBright Stiftung zeigt, ist der Anteil weiblicher Führungskräfte auf niedrigem Niveau verharrt. Trotz früherer Fortschritte besetzen Frauen weiterhin nur knapp ein Fünftel der Spitzenpositionen in den 160 börsennotierten Unternehmen. Die Stiftung hebt hervor, dass eine stärkere Beteiligung von Frauen wesentlich für den wirtschaftlichen Schwung sei.
Die Untersuchung der Stiftung beleuchtet den Frauenanteil in Führungsrollen innerhalb verschiedener Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Dabei schneidet Deutschland im Vergleich zu Großbritannien, wo der Frauenanteil 33,8 Prozent erreicht, schlecht ab. In den Dax inbegriffenen Unternehmen beträgt der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder lediglich 25,7 Prozent. Während die Aufsichtsräte der Dax-Konzerne bereits ein fast gleiches Geschlechterverhältnis erreicht haben, bleibt der Frauenanteil in den Vorstandsetagen deutlich hinter den europäischen Nachbarländern zurück.
Der Rückschritt wird von der Stiftung auf eine 'Krisenlähmung' zurückgeführt, bei der Unternehmen in altbekannte Verhaltensmuster verfallen. Besonders augenfällig zeigt sich dies in der Automobilbranche, wo Volkswagen, BMW und Porsche AG je nur eine Frau im Vorstand haben. Diese konservative Haltung bremst nicht nur den Fortschritt, sondern übergeht auch das Potenzial, das von weiblichen Führungskräften eingebracht werden könnte.
Auf EU-Ebene belegt Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt einen Platz unter dem Durchschnitt. Während der durchschnittliche Frauenanteil in Führungspositionen EU-weit bei 35,2 Prozent liegt, erreicht Deutschland lediglich 29,1 Prozent. Dies wird durch Studien bestätigt, die auf den Untersuchungen des IAB-Betriebspanels basieren. Trotz eines annähernd 45-prozentigen Anteils an der Beschäftigung schaffen Frauen nur eine magere Repräsentation in den obersten Führungsetagen.
Besonders bemerkenswert ist der Umstand, dass in Unternehmen, die familienfreundliche Maßnahmen implementieren, der Anteil von Frauen in Führungspositionen schneller wächst. Dennoch bleibt der sogenannte 'Gender Leadership Gap' bestehen.

