Investmentweek

Vermögenswerte steigen, die Ungleichheit auch

27. Mai 2025, 16:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Immobilienpreise, Aktien und Gold treiben den Vermögenspreisindex in Deutschland um 4 Prozent nach oben – doch die Entwicklung nützt vor allem den Vermögenden. Drei Treiber stehen im Zentrum einer neuen Asset-Inflation.

Wer besitzt, gewinnt – wer nicht, verliert Anschluss

Immobilienpreise steigen wieder, Aktien boomen, und selbst Gold legt zweistellig zu. Während die Teuerung bei Lebensmitteln sinkt, explodieren die Preise für Vermögensgüter – und das mit bemerkenswerter Wucht: Um vier Prozent sind die Vermögenswerte deutscher Haushalte im ersten Quartal 2025 teurer geworden, wie aus dem aktuellen Vermögenspreisindex des Analysehauses Flossbach von Storch hervorgeht.

Doch was nach einem normalen Marktaufschwung klingt, ist bei genauerem Hinsehen eine ungleiche Umverteilung von Wohlstand – von unten nach oben.

Die Rückkehr des Immobilienbooms

Nach zwei Jahren Preiskorrektur steigen die Immobilienpreise wieder – und zwar überraschend deutlich. Der Anstieg von 3 % gegenüber dem Vorjahr markiert den stärksten Zuwachs seit 2022.

Verantwortlich ist vor allem der Rückgang der Hypothekenzinsen, der durch die sinkenden Renditen langfristiger Bundesanleihen befeuert wurde.

Mit 64,4 % machen Immobilien weiterhin den Löwenanteil am privaten Sachvermögen der Deutschen aus. Besonders Haushalte mit Wohneigentum oder vermieteten Objekten profitieren – während Mieter weiter in die Defensive gedrängt werden.

Drei Treiber der Asset-Inflation

Der Index identifiziert drei übergeordnete Einflussfaktoren auf die Vermögenspreisinflation:

  1. Geldpolitik: Die lockere Haltung der EZB und die Erwartung weiterer Zinssenkungen wirken wie ein Brandbeschleuniger auf Immobilien- und Aktienmärkte.
  2. Staatsausgaben: Konjunkturprogramme und kreditfinanzierte Investitionen erhöhen indirekt die Bewertungen börsennotierter Unternehmen.
  3. Realeinkommen und Wachstum: Theoretisch stützt Wirtschaftswachstum die Vermögenspreise – doch die Wachstumsdynamik in Deutschland ist derzeit schwach.

Besonders auffällig: Obwohl die Löhne stagnieren, steigen die Preise der Vermögenswerte weiter – ein Signal dafür, dass der Aufschwung spekulativer ist als realwirtschaftlich unterlegt.

Aktiengewinne mit Nebenwirkungen

Mit 13,7 % verzeichneten Aktien im ersten Quartal den stärksten Zuwachs aller analysierten Vermögensgüter – besonders deutsche Titel legten kräftig zu. Auch Betriebsvermögen, also Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen, stieg um 9,9 %.

Doch dieser Zuwachs speist sich maßgeblich aus Zinshoffnungen, nicht aus nachhaltigem Wachstum. Nach Quartalsende sorgten neue US-Zölle und geopolitische Spannungen bereits wieder für Rücksetzer. Allein im April sank das Aktienvermögen um 2 %.

Geopolitische Unsicherheit und schwacher Dollar treiben Gold – doch wer kein Vermögen besitzt, kann daran nicht partizipieren.

Gold als Krisengewinner

Gold und Rohstoffe legten im Jahresvergleich sogar um 26,5 % zu. Geopolitische Unsicherheiten, das wachsende Misstrauen in den Dollar und rekordhohe US-Staatsverschuldung treiben Anleger in klassische „Safe-Haven“-Assets.

Während Goldbesitzer profitieren, bleibt ärmeren Haushalten der Zugang zu solchen Anlagen oft verwehrt – sie sind vom Kapitalmarktwetter vollständig abhängig.

Kluft zwischen arm und reich vertieft sich

Die Asset-Inflation verstärkt bestehende Ungleichgewichte. Wer bereits Vermögen besitzt, sieht sein Portfolio wachsen. Haushalte mit niedrigem oder gar keinem investierbaren Vermögen haben das Nachsehen.

Während wohlhabende Haushalte ihre Immobilien, Aktien oder Goldbarren wachsen sehen, bleibt ärmeren Familien oft nur das Sparkonto – und das verliert real an Wert.

Im Schnitt lag die Vermögenspreisinflation ärmerer Haushalte bei nur 1,7 %, während Wohlhabende teils Preissteigerungen von bis zu 4,6 % in ihren Portfolios verzeichneten. Die Ungleichheit wächst – nicht trotz, sondern wegen der aktuellen Marktdynamik.

Vermögenspreise entkoppeln sich von der Lebensrealität

Besonders alarmierend: Die Vermögenspreisinflation von 4,0 % liegt deutlich über der Verbraucherpreissteigerung von 2,3 % und der Erzeugerpreisinflation von 0,4 %.

Die Unterschiede zeigen: Während viele Konsumenten Entspannung an der Supermarktkasse spüren, explodieren die Preise für jene Güter, die langfristigen Wohlstand sichern sollen.

Das macht den Vermögensaufbau für breite Bevölkerungsschichten zunehmend unrealistisch – und vergrößert die ökonomische Kluft zwischen Besitzenden und Ausgeschlossenen.

Finanzen / Reichtum
[InvestmentWeek] · 27.05.2025 · 16:00 Uhr
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