Gewaltsamer Tod

Vermisster Fabian ist tot - Erneute Spurensuche am Fundort

17. Oktober 2025, 15:39 Uhr · Quelle: dpa
Der achtjährige Fabian aus Güstrow wurde als Opfer eines Gewaltverbrechens identifiziert. Ermittler durchsuchen nun den Fundort intensiv nach weiteren Beweisen.

Güstrow (dpa) - Rund eine Woche nach Verschwinden des achtjährigen Fabian aus Güstrow besteht Gewissheit: Der Grundschüler ist tot. Eine DNA-Analyse der am Dienstag bei Klein Upahl gefundenen Kinderleiche hat ergeben, dass es sich um Fabian handelt, wie Polizei und Rostocker Staatsanwaltschaft mitteilten. Bereits kurz nach dem Fund waren die Ermittler davon ausgegangen. Die Eltern sahen sich aber nicht imstande, den Jungen zur Identifikation in Augenschein zu nehmen.

Unterdessen laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Laut vorläufigem Obduktionsergebnis ist der Junge Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Geführt werden die Ermittlungen vom Fachkommissariat 1 der Kriminalpolizeiinspektion in Rostock, das unter anderem für Tötungsdelikte zuständig ist.

Zur Frage, ob es einen Beschuldigten oder eine Beschuldigte gibt, sagte der Rostocker Staatsanwalt Harald Nowack zuletzt, er mache zum Inhalt der Ermittlungen keine Angaben mehr.

Nachdem sie bereits abgezogen war, kehrte die Polizei am Freitag an den Ort zurück, an dem am Dienstag die Kinderleiche gefunden wurde. Die Ermittler nahmen erneut einen Tümpel in den Blick. Nach Angaben eines dpa-Fotoreporters pumpten Feuerwehrleute den Tümpel bis zu einem niedrigen Wasserstand ab. 

Die Polizei durchsuchte demnach das Gewässer mit einem Gerät, das wie ein Metalldetektor aussah. Nach Angaben des dpa-Fotoreporters benutzten die Einsatzkräfte im benachbarten Gebüsch auch eine Motorsäge. Sie entfernten das Gebüsch. Am frühen Nachmittag zog die Polizei demnach wieder ab. Zur Frage, ob die Einsatzkräfte dort am Freitag etwas fanden, sagte Nowack wenig später, darüber habe er keine Kenntnis.

Polizei war eigentlich schon abgezogen

Nach dem Leichenfund war der Bereich zunächst weiträumig abgesperrt und auch noch am Mittwoch intensiv abgesucht worden. Danach war die Polizei eigentlich schon abgezogen. Am Donnerstagvormittag waren keine Polizeikräfte mehr vor Ort gewesen.

Im Zuge der Ermittlungen hätten sich Erkenntnisse ergeben, dass «vielleicht noch Bezugsgegenstände auffindbar sind», sagte Nowack am Freitagvormittag. «Bis gestern war es nicht absehbar, und jetzt hat sich das geändert.» Zur Art der möglicherweise noch auffindbaren Gegenstände machte er keine genaueren Angaben.

Erst am Donnerstagabend hatten Staatsanwaltschaft und Polizei erneut um Mithilfe gebeten und einen Aufruf gestartet: «Nach wie vor bittet die Polizei die Bevölkerung um die Mitteilung von sachdienlichen Hinweisen, aber auch um die Bereitstellung von gegebenenfalls relevanten Foto- und Videoaufnahmen aus privaten Kameras», hieß es in einer Mitteilung. Demnach befragen zahlreiche Einsatzkräfte Bewohnerinnen und Bewohner der um den Fundort liegenden Orte und Gemeinden sowie in Güstrow. Das von der Polizei eingerichtete Hinweistelefon sei rund um die Uhr besetzt, betonten die Ermittler.

Warnung vor Spekulationen 

Die Ermittler warnten vor öffentlichen Spekulationen über vermeintliche Täter. «Dadurch ändert sich auch die Sicherheitslage dieser Personen natürlich noch mal», sagte Nowack. Er appellierte, von entsprechenden Spekulationen etwa in den sozialen Medien abzusehen.

Ähnlich äußerte sich die Polizei auf ihrem Whatsapp-Kanal. Es kursierten verschiedenste Gerüchte und Mutmaßungen. «Wir bitten weiterhin darum, sich nicht an diesen Spekulationen zu beteiligen. Alle offiziellen und verifizierten Erkenntnisse werden durch die Staatsanwaltschaft Rostock oder über unsere Kanäle veröffentlicht.»

Was den Fortschritt der Ermittlungen angeht, hält sich Nowack weitgehend zurück. «Da wir hier in einem Ermittlungsverfahren ganz zu Anfang sind, ist meine Informationsangabe relativ zurückhaltend», begründete er. Es bestehe keine Gefährdung für die Bevölkerung, die rechtfertigen würde, darüber hinausgehende Angaben zu machen.

Die Ermittler arbeiten nach Aussage Nowacks täglich bis spät. «Und die werden auch am Wochenende weiterarbeiten.» Aus jedem Ermittlungsschritt ergäben sich neue Ansätze, die weiterverfolgt würden. «Natürlich werden die Hinweise, die aus der Bevölkerung eingegangen sind, die werden alle noch abgearbeitet, sobald dafür wieder Luft ist.»

Tagelange Suche

Der achtjährige Fabian war am Freitag vergangener Woche verschwunden. Am Abend des gleichen Tages hatte ihn seine Mutter vermisst gemeldet. Es folgte eine tagelange Suche Hunderter Einsatzkräfte, per Hubschrauber, von Booten aus und mit Hunden.

Zunächst war vermutet worden, der Junge habe am Tag seines Verschwindens zu seinem Vater fahren wollen, der getrennt von der Mutter südlich von Güstrow lebt. Spürhunde hatten Fabians Spur bis zum Güstrower Busbahnhof verfolgen können und nahe dem Wohnort des Vaters wiederaufgenommen, bevor sie sich wieder verlor. Auch Seen wurden abgesucht. So schlugen Leichenspürhunde auf dem Inselsee am Stadtrand von Güstrow an. Taucher fanden dort jedoch nichts.

Frau alarmierte Polizei

Am Dienstagvormittag schlug dann der Hund einer Frau in der Nähe der kleinen Gemeinde Klein Upahl etwa 15 Kilometer entfernt von Fabians Wohnort an. Sie meldete den Leichenfund der Polizei.

Der Vermisstenfall und der Fund des toten Kindes lösten Fassungslosigkeit und Trauer aus. Am Dienstagabend hatten Hunderte Menschen in Güstrow bei einem Gottesdienst ihr Mitgefühl bekundet. Als Zeichen der Anteilnahme stellten sie vor der Marienkirche Kerzen ab und legten Plüschtiere nieder.

Notfall / Kriminalität / Updateme / Kinder / Mecklenburg-Vorpommern / Deutschland
17.10.2025 · 15:39 Uhr
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