Investmentweek

Unter 100.000 – koste es, was es wolle?

16. April 2025, 07:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Friedrich Merz fordert drastische Begrenzung der Asylzahlen – und setzt Städte und Kommunen unter Druck

Eine Zielmarke, die keine ist

Friedrich Merz will die Asylzahlen runter – deutlich runter. Genauer: unter die Marke von 100.000 pro Jahr. Das sagte der CDU-Chef am Sonntagabend in der ARD-Sendung Caren Miosga. Es war nicht irgendeine Zahl. Es war ein politisches Signal.

„Das darf auch keine sechsstellige Zahl mehr sein“, sagte Merz.

egründung: Die Kommunen seien überfordert. Schulen, Kitas, Krankenhäuser – alles am Limit. Und die Bundesregierung? Sei dabei, das Thema zu verschlafen.

Zwei Zahlen und ein Problem

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 229.751 Asylerstanträge gestellt. Im Jahr davor waren es noch rund 100.000 mehr. Die Tendenz: rückläufig, aber weit von Merz’ Ziel entfernt. Und genau darin liegt das politische Kalkül. Merz setzt eine neue Benchmark – die unter der Oberfläche mehr ist als bloße Symbolik.

Die Forderung ist scharf, aber unkonkret. Welche Asylbewerber meint er genau? Gilt das auch für Menschen aus der Ukraine, die kein Asyl beantragen müssen? Oder für Ortskräfte aus Afghanistan? Auf diese Fragen bleibt Merz Antworten schuldig. Und vielleicht ist genau das die Absicht.

Druck von rechts, Druck von unten

Merz spürt den Druck – aus der eigenen Partei und von der AfD, die bei Umfragen inzwischen zweistellig unterwegs ist. Migration ist längst wieder Wahlkampfthema. Und Merz greift zu einem klassischen Mittel: der Obergrenze, verpackt in eine runde Zahl.

Aber auch von unten wächst der Druck. Aus den Kommunen, wo die Verwaltung oft tatsächlich überfordert ist – und das nicht erst seit gestern. Es fehlen Wohnplätze, Sprachkurse, Lehrer. Und ja, auch Geduld.

Die Unzufriedenheit vor Ort ist real. Doch die Antwort darauf ist komplex – und reicht selten mit einem Satz in einer Talkshow.

Symbolpolitik trifft Realität

Unter 100.000 – das klingt gut in einer Schlagzeile, aber was heißt das in der Praxis? Deutschland kann die Zahl der Asylbewerber nicht einfach selbst festlegen. Menschen, die vor Krieg, Verfolgung oder Diktatur fliehen, haben Rechte – festgeschrieben im Grundgesetz und im internationalen Recht.

Friedrich Merz bei „Caren Miosga“ – mit der Forderung, die Asylzahlen auf unter 100.000 zu senken, zieht der CDU-Chef eine symbolische rote Linie. 2023 lag die Zahl der Asylerstanträge bei 229.751.

Merz weiß das. Und er weiß auch, dass es in der Migrationspolitik längst nicht nur um Zahlen geht, sondern um Verfahren, Kapazitäten und – politisch brisant – um Rückführungen.

Was nützt eine Obergrenze, wenn Abschiebungen nicht funktionieren? Wenn Rücknahmeabkommen fehlen? Wenn Behörden über Monate nicht entscheiden?

Die Lage in den Kommunen ist ernst

Was in Berlin diskutiert wird, landet in Gera, Augsburg oder Duisburg auf dem Tisch. Es sind die Städte und Gemeinden, die für Unterbringung, Integration und Betreuung zuständig sind. Viele sind an ihrer Belastungsgrenze – das stimmt.

Doch auch dort wächst die Skepsis gegenüber reinem Zahlenspiel. Denn eine pauschale Obergrenze ändert wenig, wenn die Systeme dahinter nicht funktionieren. Und was passiert, wenn die 100.000 erreicht sind? Abweisung an der Grenze? Schnellverfahren im Eilverfahren? Auslagerung in Drittstaaten?

Fragen, die Merz bisher offenlässt. Vielleicht, weil es auf sie keine einfachen Antworten gibt.

Migration politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich

Dass Deutschland Zuwanderung braucht, ist unbestritten. Der demografische Wandel frisst sich durch den Arbeitsmarkt, viele Branchen suchen händeringend nach Personal. Gleichzeitig ist das Vertrauen in die Steuerbarkeit von Migration in Teilen der Bevölkerung erschüttert.

Merz greift dieses Spannungsfeld auf – mit einer Forderung, die klare Kante zeigt, aber viele Fragen offenlässt. Es ist ein klassischer Merz-Move: Problem benennen, Verantwortung einfordern, konkrete Umsetzung anderen überlassen.

Eine Zahl ersetzt kein Konzept

„Unter 100.000“ – das ist ein Satz, der hängenbleibt. Aber er reicht nicht. Wer wirklich Verantwortung übernehmen will, muss sagen, wie das Ziel erreicht werden soll – und was das für Menschen bedeutet, die Schutz suchen.

Bisher hat Merz vor allem eines geschafft: eine Debatte wieder anzuheizen, die politisch aufgeladen, rechtlich kompliziert und gesellschaftlich sensibel ist. Doch ein Satz in einer Talkshow ist noch kein Plan.

Politik
[InvestmentWeek] · 16.04.2025 · 07:00 Uhr
[1 Kommentar]
Deutsche Kriegsschiffe (Archiv)
Berlin - Unionsfraktionsvize Mathias Middelberg (CDU) fordert, die Schuldenausnahme für Verteidigungsausgaben perspektivisch wieder abzuschaffen. "Im Moment sind Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit grenzenlos erlaubt. Da ist kein Deckel drauf. Das kann auf Dauer so nicht bleiben", sagte er dem Nachrichtenmagazin Focus. "Aufwendungen für […] (00)
vor 3 Stunden
Chip Taylor
(BANG) - Der gefeierte Songwriter Chip Taylor ist im Alter von 89 Jahren verstorben – nur zwei Tage nach seinem Geburtstag. Der Musikstar – zu dessen Werk der prägende Hit 'Wild Thing' gehört, bekannt geworden durch The Troggs – starb am Montag (23. März). Die Nachricht wurde von seinem langjährigen Freund Billy Vera geteilt, der auf Instagram eine […] (00)
vor 10 Stunden
Apps - Smartphone
Brüssel (dpa) - Im Streit über das richtige Vorgehen im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch im Internet hat die EU-Kommission kurz vor einer entscheidenden Abstimmung im Europaparlament einen eindringlichen Appell an die Abgeordneten gerichtet. Mit einem Schreiben fordern gleich vier EU-Kommissare die Parlamentarier auf, eine Verlängerung der derzeit gültigen Regeln […] (00)
vor 1 Stunde
MotoGP 26  bringt neues Gameplay Video
Milestone und MotoGP Sports Entertainment GroupDorna Sports S.L. präsentieren mit einem neuen Video erste Einblicke in das Gameplay von  MotoGP26 . Das Spiel erscheint am 29. April 2026 für PlayStation5, Xbox Series X|S, Nintendo Switch2, Nintendo Switch, ROG Xbox Ally, ROG Xbox Ally X sowie für PC über Steam, Microsoft und im Epic Games Store. Der […] (00)
vor 8 Stunden
Netflix plant «30 über Nacht»-Reboot mit neuer Besetzung
Der Romcom-Klassiker kehrt zurück. Original-Star Jennifer Garner bleibt als Produzentin an Bord. Netflix setzt auf Nostalgie und bringt die beliebte Romcom 13 Going on 30 zurück. Der Streamingdienst arbeitet an einer Neuverfilmung des Kultfilms aus dem Jahr 2004, die mit Emily Bader und Logan Lerman prominent besetzt wird. Eine zentrale Konstante bleibt jedoch erhalten: Jennifer Garner, die im […] (00)
vor 3 Stunden
Kai Havertz und Antonio Rüdiger
Herzogenaurach (dpa) - Noch bevor Kai Havertz auf dem DFB-Podium warmherzig über seine ziemlich ungewöhnliche Esel-Liebe sprach, plauderte er angeregt mit seinem Kollegen Antonio Rüdiger. Die heimische Tierwelt dürfte dabei kaum das Thema gewesen sein. Die beiden so grundverschiedenen Stellvertreter von DFB-Kapitän Joshua Kimmich radelten vor dem […] (01)
vor 12 Stunden
bitcoin, crypto, finance, coins, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Der Ethereum-Kurs hat sich trotz der Volatilität am breiteren Markt wieder über die Marke von $2.100 erholt, angetrieben durch aggressive Ansammlungen von Großinvestoren und ein verknapptes Angebot. Jüngste Berichte zeigen jedoch, dass diese Großinvestoren nun beginnen, ihre ETH-Bestände zu verkaufen, vermutlich um nach der leichten Kurserholung Gewinne […] (00)
vor 32 Minuten
Chaos für Ford-Kunden: Fünf KBA-Rückrufe und Mini-Kulanz setzen Ford-Kuga-Fahrer unter Druck
Lahr, 25.03.2026 (lifePR) - Beim Ford Kuga hat sich das Rückruf-Chaos wegen Brandgefahr und weiterer sicherheitsrelevanter Mängel weiter zugespitzt. Nach Einträgen in der Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts und nach der Kanzlei vorliegenden Ford-Schreiben an betroffene Halter reicht die Problemlage inzwischen von Brandgefahr durch die Hochvoltbatterie über Kraftstofflecks bis hin zu […] (00)
vor 9 Stunden
 
GEW (Archiv)
Berlin - Vor der Bildungsministerkonferenz am Donnerstag hat die Vorsitzende der […] (00)
Londoner Polizei ermittelt zu antisemitischem Brandanschlag
London (dpa) - Vor einer Synagoge in Rotterdam wurde ein Feuer gelegt, in Amsterdam ein […] (00)
Lars Klingbeil (Archiv)
Berlin - Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will sich bei der Rente künftig […] (00)
Auseinandersetzung in Regionalzug
Sulzbach (dpa) - Bei einem Messerangriff in einem Regionalzug ist eine 18 Jahre alte […] (02)
Nanu? - «Geissens» brechen völlig ein
Die Dokusoap holte einen der niedrigsten Anteile, der je für eine neue Folge gemessen wurde. […] (00)
Xbox Partner Preview 26. März 2026: Stalker 2, Stranger Than Heaven und Game Pass
Am 26. März 2026, findet ab 18 Uhr die Xbox Partner Preview statt. Der Showcase […] (00)
Stefan Horngacher
Planica (dpa) - Ob auf dem Rad oder in Wanderschuhen: Stefan Horngacher wird man im […] (01)
Kim Kardashian
(BANG) - Kim Kardashian soll "sehr verknallt" in Lewis Hamilton sein. Das Duo wird […] (00)
 
 
Suchbegriff