«Obamacare»-Fiasko: Blamage für «Macher» Trump

26. März 2017, 11:29 Uhr · Quelle: dpa

Washington (dpa) - Donald Trump war am Tag nach seinem «Obamacare»-Fiasko auffallend still. Nur einen Tweet von ihm zum Scheitern seiner Gesundheitsreform im Parlament gab es am Samstag, das Reden überließ Trump seinem Vize Mike Pence.

Ein Tag der inneren Einkehr für den Präsidenten, wie man es nach einer derartigen eklatanten Niederlage durchaus erwarten könnte?

Im Weißen Haus werde derzeit intensiv über die nächsten Schritte zur Umsetzung von Wahlversprechen nachgedacht, hieß es in Trumps Umgebung. Aber der Präsident selber hatte schon vorher angedeutet, wie es jetzt weitergehen könnte. Nachdem ihm die eigene Partei im Abgeordnetenhaus bei der Gesundheitsreform in die Suppe gespuckt hatte, soll nun auf anderem Feld ein großer Sieg her - bei der von ihm versprochenen Steuerreform.

Und «Obamacare»? «Macht Euch keine Sorgen», twitterte Trump. «Obamacare wird explodieren» und dann würden sich alle zusammensetzen und eine «großartige» Gesundheitsreform schaffen. Er setzt jetzt darauf, dass das bei den Republikanern so verhasste System von selber zusammenbricht, die dann entstehende Misere den Demokraten angelastet wird und diese dann bereitwillig an einer neuen Reform mitarbeiten.

Vielleicht sind es nur Floskeln, um das Ausmaß der Blamage herunterspielen. Aber ein Präsident, der die Hoffnung äußert, dass die Gesundheitsversorgung für Millionen Menschen zusammenbricht - das hat bei Trump-Kritikern neues Kopfschütteln ausgelöst. Und die Frage verstärkt, inwieweit Trump aus dem Fiasko vom Freitag, das er als «interessante Erfahrung» bezeichnet hat, wirklich lernt.

Seine Gesundheitsreform wollte er im Eiltempo durchziehen, wie die Flut seiner Dekrete, als gehe es ihm in erster Linie darum, seine Wahlversprechen Kästchen für Kästchen abzuhaken. Viele Details interessieren ihn dabei gar nicht, nur der «große Wurf». Vermeintlichen Kleinkram überlasse er anderen, sagen Kritiker.

Und wenn es nicht glatt läuft, wird Trump offensichtlich schnell ungeduldig - so wie er den Republikanern im Abgeordnetenhaus beim Gesundheitsgesetz die Pistole auf die Brust setzte und damit beinahe eine noch größere Blamage - eine klare Abstimmungsniederlage - heraufbeschwor.

Vor allem aber: Trump hat seine Macht kraft seiner Persönlichkeit maßlos überschätzt - und die Spaltung der Republikaner entweder grob unterschätzt oder ignoriert. Den ideologischen Hardlinern auf dem rechten Parteiflügel, die sich erfahrungsgemäß äußerst schwer auf Kompromisse einlassen, kam er deutlich entgegen und entfremdete damit Gemäßigte. Das Ende war ein verquaster Entwurf, der in dieser Form nie die langwierigen parlamentarischen Prozeduren überstanden hätte.

Nun will Trump offenbar als nächstes die Steuerreform angehen. Gewohnt bombastisch versprach er «sehr, sehr starke Steuerkürzungen für alle». Brächte er sie durch, könnte ihm das wohl helfen, die Schlappe um «Obamacare» etwas vergessen zu machen. Aber eine Steuerreform ist genauso kompliziert wie eine Gesundheitsreform - und wird sich mit dieser zersplitterten Republikaner-Fraktion im Abgeordnetenhaus ebenfalls nur schwer durchziehen lassen.

Einfachere Steuerregeln und Steuerkürzungen mögen zwar allen schmecken. Aber wenn es im Detail darum geht, wer im Gegenzug welche Vergünstigungen aufgeben muss, dürften sich rasch dieselben Spaltungen zeigen, die zum Aus der Gesundheitsreform führten. Und Trumps Image als «Dealmaker» ist stark beschädigt. Das verringere die Aussichten, diese Gräben zu überbrücken - und generell die Chancen auf «schnelle Siege», schrieb die «Washington Post» am Samstag.

Viele Experten glauben, dass Trump größere Aussichten hätte, seine Agenda umzusetzen, wenn er sich stärker an die Gemäßigten richten würde - vielleicht mit der Chance, am Ende im Kongress die eine oder andere Stimme der Demokraten zu gewinnen. Die bräuchte er auf jeden Fall, um sein billionenschweres Infrastrukturprogramm durchzubringen, das ebenfalls zu seinen Hauptversprechen zählt.

So sieht es unter dem Strich weiter eher nach einem parlamentarischen Hürdenlauf für Trump aus - obwohl die Republikaner im Abgeordnetenhaus und im Senat die Mehrheit haben. Und die Uhr tickt schon: Zwar hat Trump gute zwei Jahre Zeit, bis der nächste Präsidentschaftswahlkampf seine Schatten zu werfen beginnt. Aber historisch ist es so, dass ein Amtsinhaber - wohl wegen der noch herrschenden Aufbruchstimmung - in den ersten 200 Tagen die besten Chancen hat, große Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Und wegen des Trump-Faktors hängen schon die nächsten Kongresswahlen im November 2018 über den Köpfen vieler Abgeordneter. Damit haben die Republikaner noch weniger Zeit zu beweisen, dass sie regieren können. Dass das Scheitern der Gesundheitsreform Schäden hinterlässt, räumen manche unverblümt ein. «Es geht darum, im Schwung zu sein», sagt der Abgeordnete Mike Coffman aus Colorado. «Die Tatsache ist, dass wir sozusagen aus einer Tür getreten und gestolpert sind.»

Regierung / Gesundheit / Kongress / Präsident / USA
26.03.2017 · 11:29 Uhr
[18 Kommentare]
Lettland
Riga (dpa) -   Nato-Kampfjets haben über Lettland eine Drohne abgeschossen, die in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen war. Französische Rafale hätten das Flugobjekt vom Himmel geholt, teilten die Streitkräfte des an Russland und Belarus grenzenden Landes und die französische Luftwaffe mit.  Nach Armeeangaben soll es sich dabei um ein ausländisches Flugobjekt gehandelt […] (01)
vor 10 Minuten
Geena Davis
(BANG) - Geena Davis sagt, dass sie durch ihre Kinder, die sie erst in ihren Vierzigern bekam, eine "andere Perspektive" auf das Leben gewonnen habe. Die Schauspielerin aus dem Film 'Thelma Louise' ist heute 70 Jahre alt. Mit 46 bekam sie ihre Tochter Alizeh, zwei Jahre später folgten die Zwillingssöhne Kia und Kaais. In einem neuen Interview mit der […] (00)
vor 3 Stunden
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) (Archivbild)
Berlin (dpa) - Ein breiter Schulterschluss zwischen Staat und Wirtschaft soll den Netzausbau in Deutschland spürbar beschleunigen. Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen und der Telekommunikationsbranche haben dafür das weitreichende Memorandum of Understanding (MoU) «Bestes Netz für Deutschland» unterzeichnet. «Wir wollen mehr Tempo, weniger Bürokratie […] (00)
vor 1 Stunde
Enginefall: Dieser PvP-Shooter verwandelt Eisenbahn-Romantik in brutalen Überlebenskampf
Red Rover Interactive hat einen neuen Gameplay-Trailer zu Enginefall veröffentlicht – und das Timing könnte kaum besser sein. Denn während das Video mit Enterhaken-Manövern, brachialen Vorschlaghammerschlägen und jeder Menge Beute prahlt, ist bereits der nächste offene Testlauf auf Steam verfügbar. Der Crafting Shooter mit dem vielleicht […] (00)
vor 1 Stunde
Schlägt «Kurt Krömers letzte Stunde» im ZDF?
Wann das Format kommt, scheint noch nicht festzustehen, es wurde nämlich noch nicht einmal eine Pressemitteilung fertiggebracht. Auch der Inhalt erscheint folglich schwammig. Kurt Krömer bekommt eine eigene Sendung beim ZDF, das hat Unterhaltungschef Oliver Heidemann kürzlich in einem Interview mit dem Medienmagazin DWDL preisgegeben. Laufen wird das neue Format mit dem Titel Krömers letzte […] (00)
vor 1 Stunde
French Open Tennis
Paris (dpa) - Nach seinem emotionalen Premieren-Triumph begrüßte Alexander Zverev zuerst das neue tierische Familien-Mitglied, ehe er sich ins Pariser Nachleben stürzte. Freundin Sophia Thomalla reiste mit dem neuen Hund Buba zur Titel-Party und machte dem Tennisstar damit eine Riesenfreude. «Sascha hat sich erst mal eineinhalb Stunden mit ihm […] (03)
vor 2 Stunden
btc, bitcoin, cryptocurrency, crypto, money, currency, coin, finance, mining, payment
Der ehemalige CEO von FTX, Sam Bankman-Fried (SBF), hat in einem Interview mit Fox Business geäußert, dass er "absolut" eine Präsidentenbegnadigung von Donald Trump anstrebt. In einem Telefongespräch mit Susan Li bestätigte der in Ungnade gefallene Krypto-Mogul, dass er eine solche Gnade aus dem Weißen Haus begrüßen würde, lehnte es jedoch ab, zu sagen, ob seine Familie […] (00)
vor 30 Minuten
Tag der offenen Tür am 11.7. für Physio- und Ergotherapeuten in München
München, 08.06.2026 (lifePR) -   Raus aus der Praxis, rein ins Grüne: Koordination. Kognition. Kollegialer Austausch. Und ganz viel Leichtigkeit.. inkl. Imbiss + Getränke. Koordination. Kognition. Kollegialer Austausch. Und ganz viel Leichtigkeit. Raus aus der Praxis, rein ins Grüne: Dieser besondere Tag der offenen Tür in München-Nymphenburg ist […] (00)
vor 1 Stunde
 
Tatort nach Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt (Archiv)
Magdeburg - Anderthalb Jahre nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt […] (00)
EU-Fahnen (Archiv)
Brüssel - Die EU hat Sanktionen gegen zwei iranische Personen und eine Organisation […] (02)
Stuttgart-21-Baustelle (Archiv)
Stuttgart - Die Eröffnung des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs im Rahmen des Projekts […] (02)
Fußball-Fan (Archiv)
Berlin - Die Mehrheit der Deutschen verfolgt Spiele großer Fußballturniere wie die […] (05)
Robin Williams als Mrs. Doubtfire
(BANG) - Robin Williams trat in der Öffentlichkeit gelegentlich als Mrs. Doubtfire […] (00)
O2-Zusammenarbeit mit Satellitenanbieter OQ
Waren an der Müritz (dpa) - Deutschlands große Telekommunikationsanbieter blicken gen […] (00)
Bloober Team steigt mit SAW: Genesis ins asymmetrische Multiplayer-Genre ein
Bloober Team hat auf dem Summer Game Fest 2026 ein neues Kapitel für das SAW- […] (00)
Netflix vereint Ex-Mann und neuen Ehemann zur Rettungsmission
In der koreanischen Actionkomödie «Husbands in Action» müssen zwei Rivalen widerwillig […] (00)
 
 
Suchbegriff