Fitbit Air im Test: Präzise Vitaldaten ohne Abo-Zwang
Berlin (dpa/tmn) - Der Trend bei Fitness-Wearables geht zunehmend in Richtung Minimalismus. Statt leuchtender Displays und ständiger Smartphone-Benachrichtigungen am Handgelenk setzen immer mehr Menschen auf schlichte Armbänder, die im Hintergrund unauffällig Vitaldaten sammeln.
Mit dem Fitbit Air bringt nun Google sein erstes Modell ohne Bildschirm auf den Markt und greift damit direkt etablierte Konkurrenten wie Whoop an.
Design und Tragekomfort: Schlichter Begleiter
Optisch ist das neue Wearable an Schlichtheit kaum zu überbieten. Das schmale Gehäuse kommt mit einem dezenten Buchstaben «G» als Markenlogo aus und wirkt eher wie ein dezentes Mode-Accessoire. Die Technik selbst bringt gerade einmal fünf Gramm auf die Waage. Mit den verschiedenen Stoff- und Silikonarmbändern, die sich über einen simplen Klettverschluss stufenlos anpassen lassen, sitzt das Gerät auch an schmalen Handgelenken sicher.
Dank des geringen Gewichts spürt man das wasserdichte Band weder bei intensiven Workouts im Gym noch bei der Schlafüberwachung im Bett. Die Sensoreinheit lässt sich mit etwas Druck leicht aus der Fassung lösen, um die Bänder zu wechseln – darunter auch eine spezielle, wasserabweisende Sonderedition in Kooperation mit Basketballstar Stephen Curry. Ein kleiner Wermutstropfen: Das Kunststoffgehäuse zerkratzt relativ leicht, wird aber glücklicherweise durch das leicht überstehende Stoffband geschützt.
Exakte Messungen der Vitaldaten
Im Inneren des kleinen Gehäuses arbeitet verblüffend genaue Technik. Neben der Beschleunigung und der Hauttemperatur erfasst das Band auch die Blutsauerstoffsättigung und den Puls. Die Herzfrequenz wird durchgehend und in kurzen Intervallen gemessen.
Die von uns im Test erhobenen Werte sind exakt und reichen selbst bei Sportarten mit starken Armbewegungen fast an die Genauigkeit eines professionellen Brustgurts heran. Das Gerät kann zudem vor Vorhofflimmern warnen und lässt sich per Bluetooth als externer Pulssensor für kompatible Fitnessgeräte nutzen.
Auch beim Sport präzise - aber mit Einschränkungen
Allerdings gibt es auch Schwächen. Wer beim Laufen oder Radfahren seine Strecke aufzeichnen möchte, muss das Smartphone mitführen, da im Fitbit Air kein GPS-Modul steckt. Auch beim Schwimmen zeigt sich der Tracker rudimentär und protokolliert lediglich die Trainingsdauer. Ein EKG sucht man ebenfalls vergebens.
Dafür funktioniert die automatische Trainingserkennung hervorragend, sobald man länger als 15 Minuten am Stück aktiv ist. Ein kleines Detail am Rande: Der Schrittzähler wertet handfeste Bewegungen im Sitzen gelegentlich fälschlicherweise als gegangene Schritte.
Schlaf und Erholung: der smarte Wecker
In der Nacht sammelt das Band fleißig Daten zu Schlafphasen, der Herzfrequenzvariabilität und der generellen Schlafqualität, welche morgens in einer übersichtlichen Tagesform-Bewertung gebündelt werden. Die Erkennung der Schlafphasen arbeitet dabei auf einem extrem hohen Niveau. Schwierigkeiten hat das System mitunter lediglich bei der genauen Erfassung kurzer nächtlicher Wachphasen.
Ein echtes Highlight ist der integrierte Schlafphasenwecker. Dieser errechnet ein halbstündiges Zeitfenster und weckt den Träger in einer leichten Schlafphase per sanfter Vibration am Handgelenk zum optimalen Zeitpunkt. Ein kräftiges Doppeltippen auf das Band genügt, um den Alarm auszustellen.
Ausdauernd und schnell geladen
Da kein stromfressendes Display verbaut ist, glänzt das Modell mit einer guten Ausdauer. Eine volle Ladung reicht problemlos für mindestens eine Woche, bei sparsamer Nutzung sind sogar bis zu 15 Tage möglich. Eine dezente LED an der Seite gibt durch kurzes Aufleuchten nach einem Doppeltipp Auskunft über den aktuellen Ladestand.
Geht dem Akku doch einmal die Puste aus, genügen fünf Minuten am magnetischen Ladekabel, um Energie für einen kompletten Tag nachzutanken. Komplett geladen ist der Tracker in rund 90 Minuten. Eine völlig kabellose Lademöglichkeit direkt am Arm, wie sie Whoop etwa anbietet, gibt es hier allerdings nicht.
Verständliche Gesundheits-App ohne Extrakosten
Der wohl größte Vorteil gegenüber der Konkurrenz liegt im Preismodell. Während man bei anderen Geräten dieser Klasse teils horrende jährliche Abo-Gebühren zahlen muss, damit das Gadget nicht zu einem nutzlosen Plastikband verkommt, kostet dieses Modell einmalig rund 100 Euro und lässt sich mit seinen Grundfunktionen ohne weitere Kosten nutzen.
Sämtliche wichtigen Daten wie Schritte, Kalorienverbrauch, Schlafphasen und der Tagesform-Index fließen übersichtlich in eine leicht verständliche Gesundheits-App ein. Die Anwendung Google Health wird übrigens nicht nur für Android Smartphones angeboten, sondern auch für die iPhone-Plattform iOS. Damit tritt das Fitbit Air in direkte Konkurrenz zu den Apple-Watch-Modellen als Fitness-Tracker.
Premium-Abo mit KI-Coach und Videos - brauchen die meisten nicht
Wer vor einem Premium-Abo nicht zurückschreckt, erhält für knapp zehn Euro im Monat den Zugriff auf Trainingsvideos, eine unbegrenzte Datenspeicherung und einen KI-basierten Gesundheitscoach.
Dieser auf modernen Sprachmodellen basierende Chatbot kann individuelle Trainingspläne entwerfen, Fragen zur eigenen Gesundheit beantworten und auf Basis der gesammelten Körperdaten persönliche Alltagstipps formulieren. Für die meisten Alltagsnutzer dürfte die kostenfreie Basisversion aber völlig ausreichend und überzeugend sein.
Fazit: Attraktiver Fitness-Tracker mit Fokus aufs Wesentliche
Mit dem Fitbit Air ist Google ein äußerst attraktiver Fitness-Tracker gelungen, der sich auf das Wesentliche konzentriert. Das extrem unauffällige Design, die sehr präzisen Pulssensoren und die starke Akkulaufzeit machen das Band zu einem hervorragenden Begleiter für jeden Tag.
Die tiefgehende analytische Motivation mag für professionelle Hochleistungssportler etwas zu kurz kommen, doch der Verzicht auf einen Abo-Zwang für grundlegende Gesundheitsdaten ist ein massiver Pluspunkt. Wer einen unsichtbaren Datensammler sucht und keine klobige Smartwatch tragen möchte, findet hier eine exzellente und vor allem preiswerte Alternative.

