Rheinmetall: Verzögerte Aufträge, aber optimistischer Ausblick
Deutschlands führender Rüstungsgigant Rheinmetall blickt trotz verschobener Aufträge der Bundesregierung optimistisch in die Zukunft. Der Konzernchef Armin Papperger betont, dass die entscheidenden Grundlagen für ein starkes viertes Quartal gelegt seien. Dank der finanziellen Absicherung der geplanten Großprogramme der Bundeswehr erwartet das Unternehmen in den kommenden Monaten eine Zunahme der Aufträge. Die kürzlich veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal erfüllten weitestgehend die Erwartungen der Analysten. Nicht überraschend bestätigte der Konzern seine Jahresprognose, die dem Rheinmetall-Papier im frühen Handel einen Kursanstieg von 1,5 Prozent auf 1.733 Euro bescherte.
Während die Aktie seit dem Anfang Oktober erreichten Rekordhoch von 2.008 Euro grundsätzlich rückläufig war, hat sich der Börsenwert seit Jahresbeginn nahezu verdreifacht. JPMorgan-Analyst David Perry sieht das aktuelle Kursniveau als attraktiven Einstiegspunkt in Erwartung des bevorstehenden Kapitalmarkttages im November. Die Nomination, d.h. der Auftragseingang inklusive Rahmenverträgen, lag mit 3,88 Milliarden Euro ein Drittel unter dem Vorjahreswert. Dennoch prognostiziert Rheinmetall im laufenden vierten Quartal einen neuen Rekordwert.
Die globale sicherheitspolitische Lage und steigende Verteidigungsbudgets sorgen für anhaltend hohe Nachfrage, sodass Rheinmetall auf gut gefüllte Auftragsbücher blicken kann. Der Auftragsbestand (Backlog) kletterte bis Ende September auf 63,8 Milliarden Euro. Umsatz und operatives Ergebnis entwickelten sich positiv: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf 2,78 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 19 Prozent auf 360 Millionen Euro.
Der Gewinn für die Aktionäre erhöhte sich auf 152 Millionen Euro. Trotz eines starken Umsatzwachstums brach der freie Barmittelzufluss aufgrund gestiegener Lagerbestände und geringerer Vorauszahlungen der Kunden um drei Viertel ein. Analysten nahmen die Zahlen mit Erleichterung auf, da der befürchtete pessimistische Ausblick ausblieb.
Die bestätigte Jahresprognose sieht ein Umsatzwachstum von 25 bis 30 Prozent vor. Aufgrund des durch den Ukraine-Krieg beschleunigten Rüstungsbooms plant Rheinmetall, seine Position als globaler Rüstungchampion auszubauen. Dies geschieht unter anderem durch die geplante Übernahme der Marine-Sparte NVL von Lürssen. Weitere Akquisitionen könnten dank einer soliden Bilanz folgen.

