Rentenreform unter Druck: Werneke fordert umfassendere Maßnahmen
Frank Werneke, Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi, hat in einem Interview die kürzlich beschlossene Stabilisierung des Rentenniveaus als unzureichend kritisiert. Viele Rentnerinnen und Rentner erhielten trotz eines langen Arbeitslebens in Vollzeit lediglich Renten in Höhe von 1.200 bis 1.300 Euro, so Werneke. Bei Teilzeitarbeitern seien es häufig sogar weniger als 1.000 Euro, was vor allem Frauen betreffe. Die geplante Stabilisierung des Rentenniveaus bis 2031 auf 48 Prozent des Einkommens sei politisch zwar ein Erfolg für die SPD, aus Sicht der Betroffenen aber nur das Mindeste, betonte Werneke weiter.
Er fordert größere Reformen von der eingesetzten Rentenkommission, die Mitte des nächsten Jahres Vorschläge zur Alterssicherung präsentieren soll. Werneke äußerte Bedenken hinsichtlich der Aufgaben, die der Rentenkommission von der Koalition übertragen wurden. Die Möglichkeit einer Anpassung des Rentenalters und die Debatte darüber, Renten nur noch mit der Inflation auszugleichen, könnten zukünftig das Rentenniveau gefährden, warnte er. Zudem steigen viele Rentner auf Grundsicherung um, da die derzeitige Alterssicherung für zahlreiche Menschen nicht ausreichend ist.
Statistiken aus dem Jahr 2024 zeigen, dass trotz 35 Versicherungsjahren die durchschnittliche Altersrente für Männer bei 1.892 Euro und für Frauen bei 1.459 Euro pro Monat liegt. Dennoch beziehen rund 8,5 Millionen Rentner lediglich bis zu 1.050 Euro monatlich. Die Anzahl der Empfänger von Grundsicherung hat mit 739.000 einen Höchststand erreicht. Frauen sind im Alter finanziell oft schlechter gestellt als Männer, selbst unter Berücksichtigung privater und betrieblicher Vorsorge. Eine Studie der Deutschen Rentenversicherung weist auf eine Rentenlücke von 61 Prozent in Westdeutschland hin, die in Ostdeutschland aufgrund anderer Erwerbsbiografien bei 24 Prozent liegt.
Werneke sieht eine Anhebung des Rentenniveaus als erforderlich und fordert eine Umverteilung durch eine Steueranpassung für Vermögende und reiche Erben. Bei Einkommen von mehreren hunderttausend Euro sollten höhere Steuersätze greifen, um das Rentensystem zu stärken. Die Standpunkte innerhalb der Rentenkommission seien jedoch stark divergierend, weshalb der Erfolg einer großen Rentenreform im nächsten Jahr noch ungewiss sei. Werneke fordert zudem, die Rentenanpassung an Einkommenssteigerungen zu koppeln, um das System langfristig zu legitimieren.

