Prozessbeobachter fordern neue Ermittlungen zum Feuertod von Ouri Jallow
09. Januar 2010, 15:54 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur
Dessau (dts) - Wegen "Lücken in der Beweisführung" hat der Bundesgerichtshof am vergangenen Donnerstag den Freispruch des Landgerichts Dessau für Polizeibeamte wegen des Flammentods des Asylbewerbers Ouri Jallow in Dessauer Polizeigewahrsam kassiert. Prozessbeobachter fordern jetzt, auch die Mitschuld anderer Polizeibeamter eingehender als bisher zu überprüfen. Die "unbewiesene Grundannahme" einer Selbsttötung habe bislang "die Option verbaut, auch andere Ursachen für das Entstehen des Feuers zu prüfen", sagt der Vizepräsident der Internationalen Liga für Menschenrechte, Rolf Gössner, gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". So seien verschiedene Indizien nicht hinreichend gewürdigt worden, die auf ein Verschulden Dritter hindeuten könnten, etwa der Nasenbruch und die Trommelfellverletzung Jallows. Er tendiere zwar nicht zu der Mordtheorie von Angehörigen und Freunden Jallows, so Gössner, "aber diesem Verdacht muss stärker als bisher nachgegangen werden".

