Paketboten im Weihnachtsstress: Die vergessene Dankbarkeit der Lastenträger

In Berlin-Karow stapelt DHL-Paketbote Steve Josch Pakete auf dem Arm, während er in einem Tanz der Effizienz durch Mehrfamilienhäuser ohne Aufzug eilt. Täglich liefert er in der hektischen Vorweihnachtszeit über 200 Pakete aus — eine Belastung, die sich nicht nur physisch, sondern auch emotional bemerkbar macht.
Vor allem die gestiegene Nachfrage nach großen und schweren Bestellungen, wie Kühlschränken, fordert Tribut von den Zustellern, die oft den Spagat zwischen Termindruck und Kundenfreundlichkeit wagen müssen. Die festliche Saison zeigt sich für Zusteller wie Josch und seine Kollegin Kerstin Klein nicht immer von ihrer besten Seite.
Was einst ein wenig weihnachtlichen Zauber in Form von Schokolade oder warmen Worten brachte, hat sich heute in viele geschlossene Türen und einen Mangel an Wertschätzung verwandelt. "Die Arbeit hat mich echt zum Grinch gemacht", gesteht Klein, deren Mütze nun den grantigen Charakter aus dem bekannten Kinderfilm ziert.
Dieses Sinnbild für verschobene Weihnachtserwartungen reflektiert die wachsende Entfremdung zwischen den Boten und ihren Kunden. Während jüngere Generationen oft ungeduldig sind, wissen ältere Kunden den Service der Boten noch zu schätzen.
Einfühlsame Gesten, wie bei einer älteren Dame, die Josch großzügig für seine Geduld belohnen, sind jedoch selten. Der Rentner Bernd Wendland fühlt hingegen mit den hart arbeitenden Zustellern und greift auch für seine Nachbarn ein, um Pakete anzunehmen und so den Druck zu mindern.
Die Gewerkschaft Verdi sieht dringenden Handlungsbedarf und fordert von der Politik schärfere Regularien, um die Arbeitsbelastung der Zusteller zu reduzieren. Eine Maximalgrenze von 20 Kilogramm pro Paket und ein Verbot von Subunternehmern könnten ein Lichtblick für viele überforderte Boten sein.
Ein bisschen mehr Achtsamkeit und Dankbarkeit seitens der Kunden könnte allerdings schon einen großen Unterschied im stressigen Alltag der Paketboten machen.

