AMD statt NVIDIA? Warum 2026 zur Wette auf den Herausforderer wird
Warum TD Cowen bewusst gegen NVIDIA positioniert
Aus Sicht von TD Cowen ist die aktuelle Marktlogik zu einseitig. NVIDIA gilt als gesetzt, AMD hingegen als struktureller Nachzügler. Genau darin sieht Analyst Joshua Buchalter die Chance. Die AMD-Aktie trage derzeit einen erheblichen Abschlag für Sorgen rund um eine mögliche Abschwächung der KI-Investitionen, obwohl sich an den langfristigen Fundamentaldaten wenig geändert habe.
TD Cowen stuft AMD deshalb explizit als „beste Idee für 2026“ ein – vor Branchenschwergewichten wie NVIDIA oder Broadcom. Entscheidend sei nicht das laufende Jahr, sondern das, was ab Mitte 2026 technologisch auf den Markt komme.
Der Wendepunkt: Helios und die MI450-Serie
Kern der bullischen These ist AMDs neue Rack-Scale-Architektur Helios. Gemeinsam mit den KI-Beschleunigern der MI450-Serie soll sie in der zweiten Jahreshälfte 2026 ausgerollt werden. Damit verfolgt AMD erstmals einen vollständig integrierten Systemansatz für KI-Rechenzentren – ein Feld, das NVIDIA mit seinen Plattformlösungen bislang klar dominiert.
Helios ist aus Sicht von TD Cowen kein inkrementelles Update, sondern ein strategischer Wendepunkt. AMD will nicht mehr nur einzelne Chips liefern, sondern komplette KI-Infrastruktur aus einer Hand: GPUs, CPUs, Netzwerktechnologie und Systemintegration. Gelingt das, könnte sich die Wettbewerbsposition im Rechenzentrumsgeschäft grundlegend verschieben.
Ein Markt von einer Billion Dollar als Rückenwind
Zusätzliche Fantasie liefert die Marktdimension. AMD-Chefin Lisa Su rechnet damit, dass der adressierbare Markt für Data-Center-Chips bis 2030 auf rund eine Billion US-Dollar anwächst. Künstliche Intelligenz ist dabei der zentrale Wachstumstreiber.
Im Unterschied zu NVIDIA setzt AMD stärker auf Breite. Der Konzern will nicht nur am GPU-Boom partizipieren, sondern auch bei Server-CPUs und Netzwerkkomponenten Marktanteile gewinnen. Diese Diversifikation macht das Geschäftsmodell robuster, erhöht aber auch die operative Komplexität.
Die Kehrseite: Eine anspruchsvolle Bewertung
So überzeugend die technologische Vision klingt, so anspruchsvoll ist die Bewertung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von AMD liegt mit rund 106 mehr als doppelt so hoch wie das von NVIDIA, das bei etwa 46 notiert. Anleger zahlen bei AMD also heute bereits für Wachstum, das erst in den kommenden Jahren realisiert werden muss.
Kritiker warnen deshalb, dass ein Großteil der Hoffnung bereits im Kurs steckt. Der Wettbewerb im Rechenzentrumsgeschäft ist intensiv, und mit NVIDIA sowie Broadcom stehen finanzstarke Konkurrenten bereit. AMD muss liefern – technologisch, operativ und beim Margenprofil.
Mehr Risiko als NVIDIA – aber auch mehr Hebel
Im direkten Vergleich bleibt NVIDIA die defensivere Wahl: hohe Margen, klare Marktführerschaft, enorme Cashflows. AMD hingegen ist die spekulativere Position. Genau darin liegt aus Sicht von TD Cowen der Reiz. Sollte Helios halten, was AMD verspricht, könnte der Konzern ab 2026 überproportional vom KI-Investitionszyklus profitieren.
Lisa Su stellt für die kommenden Jahre ein Umsatzwachstum von rund 35 Prozent pro Jahr in Aussicht – getragen von einer anhaltend hohen Nachfrage nach KI-Rechenleistung. Ob AMD damit tatsächlich zur Top-Aktie 2026 wird, entscheidet sich weniger an der Marktstimmung als an der erfolgreichen Umsetzung dieses Technologiesprungs.


