Big Four im Umbruch: PwC zieht der Konkurrenz davon
Wachstum: PwC zieht davon, EY verliert an Boden
Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte PwC in Deutschland ein Umsatzplus von acht Prozent und damit das stärkste Wachstum unter den Big Four. KPMG und Deloitte kamen nur noch auf vier bis fünf Prozent, nachdem sie in den Vorjahren teils zweistellig gewachsen waren. Belastend wirkte vor allem die schwache Konjunktur, die das Beratungsgeschäft ausbremste.
Für EY liegen noch keine finalen Zahlen vor, in der Branche wird jedoch von einem Wachstum von unter vier Prozent ausgegangen. Besonders deutlich zeigt sich der Abstand im Dax-Geschäft: Ab 2026 prüft EY dort nur noch drei Konzerne, darunter Volkswagen und die Deutsche Bank. Der Marktanteil sinkt damit auf 7,5 Prozent, nachdem EY vor vier Jahren noch rund 30 Prozent erreicht hatte. Der Vertrauensverlust infolge des Wirecard-Skandals wirkt weiterhin nach.
Dax-Prüfungen: Verschiebungen durch erste Rotationsrunde
PwC konnte seinen Anteil an den Dax-Prüfungsmandaten von 35 auf 42,5 Prozent ausbauen. Deloitte erzielte den größten Zugewinn und liegt 2026 mit KPMG gleichauf bei jeweils 22,5 Prozent. Diese Veränderungen sind das Ergebnis der ersten gesetzlichen Rotationsrunde, die börsennotierte Unternehmen seit 2016 verpflichtet, ihren Abschlussprüfer regelmäßig zu wechseln.
Bis 2025 haben alle Dax-Konzerne mindestens einmal den Prüfer gewechselt. Nun richtet sich der Blick bereits auf die nächste Runde, die ab 2028 an Fahrt aufnehmen dürfte und nach 2030 ihren Höhepunkt erreicht.
Altbekannte Prüfer haben bei neuer Rotation Vorteile
Bei den kommenden Ausschreibungen könnten jene Gesellschaften im Vorteil sein, die Unternehmen bereits früher geprüft haben. Ein erstes Beispiel ist Bayer, das nach einem Wechsel zu Deloitte ab 2027 wieder zu PwC zurückkehrt. Branchenexperten sprechen von einem möglichen Altbekannten-Effekt, da frühere Prüfer die komplexen Strukturen großer Konzerne gut kennen.
Gleichzeitig bleibt offen, ob sich dieser Trend verfestigt. Neben Erfahrung spielen technologische Fähigkeiten, Personalstärke und Preisgestaltung eine zentrale Rolle. Besonders für PwC wird es anspruchsvoll, die starke Dax-Position zu verteidigen, da viele der anstehenden Rotationen derzeit PwC-Mandate betreffen, etwa bei BMW, Fresenius oder Henkel.
EY kämpft um Image und neue Mandate
EY steht weiter unter besonderer Beobachtung. Zahlreiche Schadenersatzklagen im Zusammenhang mit Wirecard sind noch anhängig, und selbst intern wird davon ausgegangen, dass der Imageschaden noch Jahre nachwirkt. Zugleich gibt es erste Lichtblicke: Der Auftrag des Versicherungskonzerns Allianz ab 2027 gilt bei EY als wichtiges Signal für eine mögliche Rückkehr in größere Dax-Mandate. Ab April 2026 darf EY nach Ablauf einer Aufsichts-Sperre zudem wieder neue Kunden im Börsensegment prüfen.
Verfolger wittern Chancen jenseits der Big Four
Neben den Big Four versuchen auch kleinere Gesellschaften, Marktanteile zu gewinnen. Bisher sind mit BDO bei SAP und Grant Thornton bei der Porsche Automobil Holding nur zwei mittelgroße Anbieter im Dax vertreten. Branchenkenner schließen jedoch nicht aus, dass ambitionierte Verfolger bei überzeugenden Angeboten künftig größere Mandate erhalten.
Unterstützt wird dieser Trend durch den Einstieg von Finanzinvestoren, etwa bei Grant Thornton, das mehrheitlich von Cinven übernommen wurde. Fachkräftemangel, hohe Technologieinvestitionen und der Druck zur Konsolidierung dürften die Branche weiter verändern.
Beratung unter Druck, Prüfung bleibt stabil
Während die Abschlussprüfung bei mehreren Gesellschaften wieder an Bedeutung gewinnt, schwächelt das lukrative Beratungsgeschäft. PwC kam mit der Konjunkturflaute noch am besten zurecht und steigerte den Beratungsumsatz zweistellig. KPMG und Deloitte verzeichneten hier dagegen nur geringe Zuwächse. Stabiler entwickelten sich bei allen Anbietern die Steuer- und Rechtsberatung.
Die kommenden Jahre dürften entscheiden, ob PwC seine dominante Stellung im Dax behaupten kann – und ob sich die Machtverhältnisse unter den Big Four weiter verschieben.


