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Der 42-Prozent-Trick von InvestPlan und warum viele am Ende teuer bezahlen

04. Januar 2026, 14:34 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Der 42-Prozent-Trick von InvestPlan und warum viele am Ende teuer bezahlen
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Steuerersparnis ist ein Tauschgeschäft: weniger Flexibilität, mehr Komplexität, oft höhere Kosten. Warum viele mit ETFs pur besser fahren.
InvestPlan nutzt digitale Beratung für Provisionen aus Versicherungsprodukten, wobei der 42-Prozent-Erhöhungsclaim auf Steuervorteilen beruht.

InvestPlan/„ProfessorFinanzen“ ist kein Investment-Manager, der für Kunden Portfolios steuert. Es ist eine digitale Beratungs- und Vertriebsstrecke. Der Köder ist ein „kostenloser persönlicher Plan“. Das Ziel ist ein Abschluss – meist in einer Produktkategorie, die seit Jahrzehnten nach dem gleichen Prinzip funktioniert: ETF-Investments werden in Versicherungs- oder Förderhüllen gepackt, weil dort Provisionen und laufende Bestandsvergütungen verlässlich fließen.

Das ist kein Betrug. Aber es ist ein Geschäftsmodell, das sich von der Werbebotschaft so weit entfernt wie ein Prospekt von der Effektivkostenquote.

Das Grundmodell ist Vertrieb mit moderner Oberfläche

„Du zahlst nichts – wir bekommen eine kleine Provision“ ist formal möglich und in der Praxis oft der Kern. Nur: Die Provision kommt nicht aus dem Nichts. Sie kommt aus den Beiträgen und Kostenstrukturen der Verträge, die im Call typischerweise angeboten werden: fondsgebundene Rentenversicherungen, Riester-/Rürup-Konstrukte oder ähnliche „steueroptimierte“ Policen.

Wer Provision sagt, meint Abschlusskosten und Bestandsprovisionen, oft über Jahrzehnte verteilt. Das wirkt harmlos, weil es nicht als Rechnung auf dem Tisch liegt – ist aber ökonomisch genauso real wie eine Gebühr im Depot. Besonders heikel wird es, wenn statt Nettopolicen (ohne Provision, dafür ggf. Honorar) bruttoprovisionierte Produkte verkauft werden: Dann ist der Interessenkonflikt eingebaut, nicht ausnahmsweise, sondern systematisch.

Die 42 Prozent entstehen nicht durch Magie, sondern durch Annahmen

Der Claim „bis zu 42 % mehr Vermögen“ findet sich prominent in der Außenkommunikation. Diese Zahl entsteht nicht, weil InvestPlan bessere ETFs hätte. Der Hebel ist ein Mix aus Steuer- und Förderlogik plus Vergleichsdesign.

Erstens: Steuerstundung und Förderarbitrage. Versicherungs- und Förderhüllen können je nach Ausgestaltung steuerliche Vorteile bieten (etwa Umschichtungen innerhalb des Mantels oder begünstigte Auszahlungsregeln). Staatliche Zulagen und Absetzbarkeit können ebenfalls wirken – aber nur, wenn Einkommen, Familienstand, Laufzeit, Beitragshöhe und Produktdetails zusammenpassen. „Bis zu“ ist das juristische Schutzschild für Extremfälle, nicht die typische Kundenrealität.

Zweitens: Der Vergleich wird gern gegen ein absichtlich schwaches Referenzszenario gefahren. „Ohne InvestPlan“ heißt dann: voll steuerpflichtiger ETF-Sparplan, ohne saubere Berücksichtigung von Freibeträgen, ohne Optimierung der Entnahme, ohne sinnvolle Struktur. „Mit InvestPlan“ heißt: maximal optimierte Annahmen plus Steuerstundung. Das ist kein Fake – aber es ist aggressives Framing. Wer so rechnet, kann fast jedes Mantelprodukt „schlagen“ lassen, solange man die Vergleichslogik kontrolliert.

Steuerersparnis ist kein Free Lunch, sondern ein Tauschgeschäft

Der größte blinde Fleck in diesen Funnels: Steuerersparnis wird als Rendite verkauft. Dabei ist es ein Tausch. Man tauscht Flexibilität gegen Regeln, Liquidität gegen Bindung, Einfachheit gegen Komplexität – und oft auch Rendite gegen Kosten.

Versicherungsmäntel tragen zusätzliche Kosten: Policenkosten, Verwaltung, ggf. eingeschränkte Fondsauswahl, manchmal auch Wechselkosten oder interne Gebühren. Selbst wenn einzelne Nettopolicen günstig sein können, bleibt der Grundsatz: Ein freies ETF-Depot ist das kosten- und freiheitsoptimierte Basismodell. Jede Hülle muss ihren Mehrwert erst beweisen – im eigenen Profil, nicht im Prospekt.

Und dann kommt die Politik ins Spiel. Riester und Rürup sind keine Naturgesetze. Sie sind Gesetzestexte. Was heute gefördert wird, kann morgen reformiert, gedeckelt oder entwertet werden. Wer 30 Jahre bindet, wettet nicht nur auf Märkte, sondern auf den Gesetzgeber.

Der Funnel ist psychologisch sauber, aber inhaltlich einseitig

Handwerklich ist das Marketing stark: Autoritätsaufbau („Professor“, Reichweite, Community), moralischer Druck („du verschenkst Geld“), Loss Aversion („wie viel verlierst du jedes Jahr?“), Zero-Price-Bias („100 % kostenlos“), dann Soft Commitment vom Rechner über Fragen zum Call.

Das Muster ist alt: Strukturvertrieb, nur mit besserem UX und Social-Media-Taktung. Der Unterschied ist nicht die Logik, sondern die Verpackung. Wer am Ende im Call sitzt, ist psychologisch bereits in der Rolle desjenigen, der „klug optimieren“ will – und damit offen für ein Produkt, das diese Optimierung verspricht, aber mit Bindung und Kosten bezahlt wird.

Was im Call wahrscheinlich auf dem Tisch liegt

Typisch sind drei Pfade:

Fondsgebundene Rentenversicherung mit ETF-Bausteinen. Klingt nach „Depot plus“, ist aber oft „Depot minus Flexibilität plus Kosten“.
Riester/Rürup-Varianten. Können in engen Konstellationen sinnvoll sein, sind aber für viele unpassend: unflexibel, politisch abhängig, komplex in der Entnahme.
„Steueroptimierter ETF-Plan“ als Plattform- und Produktbindung. Der ETF ist der Köder, die Hülle der Ertrag.

Ohne konkrete Vertragsunterlagen ist das keine Unterstellung, sondern eine Beschreibung der gängigen Produktwelt, in der solche Funnels wirtschaftlich funktionieren.

Der nüchterne Befund ist unerquicklich

InvestPlan verkauft nicht primär Anlagekompetenz, sondern Abschlusslogik. Das Geschäftsmodell lebt davon, dass „kostenlos“ als Preiswahrheit verstanden wird – obwohl die Kosten im Produkt stecken. Der 42-Prozent-Claim lebt davon, dass „Steuer“ als Rendite verwechselt wird – obwohl es oft ein Tauschgeschäft ist.

Für wenige Profile kann das passen: hohe Steuerlast, lange Bindungsbereitschaft, klares Ziel „lebenslange Rente“, disziplinierte Beitragszahlung, günstige Nettokonditionen. Für viele ist es schlicht unnötig teuer und unnötig kompliziert – vor allem, wenn ein simples, selbstverwaltetes ETF-Depot dieselbe Marktrendite ohne Mantelrisiken liefert.

Am Ende bleibt die unbequeme Pointe: Wer mit „kostenlos“ startet, zahlt häufig am längsten.

Finanzen / Investitionen / ETF / Versicherungen / Provisionen / Steuervorteile / Riester
[InvestmentWeek] · 04.01.2026 · 14:34 Uhr
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