Islamische Republik

Neue Protestwelle im Iran - Hintergründe und Ursachen

31. Dezember 2025, 14:30 Uhr · Quelle: dpa
Proteste in Teheran
Foto: Social Media/ZUMA Press Wire/dpa
Die Proteste hatten am Sonntag begonnen, nachdem die Landeswährung Rial innerhalb weniger Stunden auf ein neues Rekordtief gefallen war. (Archivbild)
Wirtschaftliche Instabilität löst Proteste im Iran aus, mit Forderungen nach politischem Wandel und Dialog mit der Regierung.

Teheran (dpa) - Inmitten einer schweren Wirtschaftskrise zieht es den vierten Tag in Folge Menschenmassen auf die Straßen im Iran. Die Proteste erinnern an den Beginn der landesweiten Aufstände von 2019 und 2022 – doch vieles ist noch unklar. Während die Sicherheitskräfte in die Metropolen einrücken, mehren sich Berichte über erste Festnahmen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den aktuellen Entwicklungen:

Warum gibt es jetzt neue Proteste?

Ausgelöst wurden die aktuellen Proteste durch einen plötzlichen Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag. Spontan gingen vor allem Händler von Elektronikgeschäften in der Hauptstadt Teheran auf die Straße. Angesichts der heftigen Kursschwankungen konnten sie keine verlässlichen Preise für ihre Importware mehr nennen und wussten nicht, welche Verluste ihnen aus bereits verkauften Produkten drohen.

Inzwischen erfassen die Proteste auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten. Studierendenverbände, die bereits frühere Protestwellen mitgetragen hatten, riefen erneut zu Demonstrationen auf. Die Unzufriedenheit im Land wächst seit Jahren, befeuert durch fehlende Perspektiven, wirtschaftliche Not, Klimakrise, politische Repression und internationale Isolation.

Wie steht es um die wirtschaftliche Lage des Irans?

Die wirtschaftliche Lage im Iran bleibt prekär. Trotz umfangreicher Ölreserven steckt das Land mit seinen knapp 90 Millionen Einwohnern in einer schweren Krise – ohne erkennbare Perspektive auf Besserung. Scharfe internationale Sanktionen haben Teheran zunehmend in die Arme Russlands und Chinas getrieben. Rund 90 Prozent der Ölexporte fließen über Umwege in die Volksrepublik.

Allein im vergangenen Monat verlor die Landeswährung Rial fast 20 Prozent an Wert. Die Inflation liegt laut offiziellen Angaben zwischen 30 und 40 Prozent. Besonders die junge Generation fürchtet den sozialen Abstieg. Zugleich wächst die Kritik an der außenpolitischen Linie der Führung: Im Konflikt mit Israel fließt ein erheblicher Teil des Haushalts in militärische Ausgaben.

Was fordern die Demonstranten?

Die Demonstrierenden fordern neben einer Verbesserung ihrer Lebenslage einen tiefgreifenden politischen Wandel hin zu einem säkularen System und das Ende der islamischen Herrschaft. Ihr Ziel: ein moderner Iran – frei von religiösen Vorschriften und staatlicher Repression, in Frieden mit der Welt, einschließlich des langjährigen Erzfeindes Israel.

Die Frauenproteste im Herbst 2022 wurden gewaltsam niedergeschlagen. Doch seither widersetzen sich viele Frauen in den Großstädten demonstrativ den staatlichen Kleidungsvorschriften – ein sichtbares Zeichen kulturellen und gesellschaftlichen Wandels. Knapp fünf Jahrzehnte nach der Islamischen Revolution von 1979 haben sich zahlreiche Iranerinnen und Iraner vom religiösen Dogma abgewandt.

Wie könnte es jetzt weitergehen?

Ob sich die aktuellen Proteste erneut zu einem landesweiten Aufstand wie im Herbst 2022 ausweiten, bleibt ungewiss. In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Iran immer wieder von massiven Protestwellen erschüttert – die Führung reagierte jedes Mal mit harter Repression. Nach den Demonstrationen unter dem Slogan «Frau, Leben, Freiheit» ließ die Justiz mehrere Männer hinrichten und Tausende Menschen festnehmen.

Dennoch waren die Proteste stets ein Belastungstest für das autoritäre System, das seit Jahren um seinen Machterhalt ringt. Nach dem zwölftägigen Krieg im Juni und dem anhaltenden Konflikt mit Israel steht die Führung erneut unter Druck. Die Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht und wirtschaftlicher Machtfaktor mit Beteiligungen an Hotels, Fluggesellschaften und Rüstungsfirmen, haben dabei ein doppeltes Interesse am Status quo: politisch und ökonomisch.

Vor diesem Hintergrund überraschte Präsident Massud Peseschkian mit einem versöhnlichen Signal: Er habe den Innenminister beauftragt, mit Vertretern der Protestbewegung in den Dialog zu treten, teilte er in der Nacht zum Dienstag auf der Plattform X mit. Zudem setzte er den amtierenden, umstrittenen Zentralbankchef ab. An seine Stelle rückte ein Vertrauter Peseschkians, Abdolnasser Hemmati, der bereits früher das Amt innehatte. Ob er mit seinen Maßnahmen Gehör findet, ist unklar. 

Welche Rolle spielt die Opposition?

Im Iran gibt es seit Jahren keine politische Kraft mehr, die von den Demonstranten als glaubwürdige Opposition anerkannt wird. Auch die sogenannten «Reformer», zu denen Präsident Peseschkian zählt, gelten unter Protestteilnehmern als Teil des islamischen Herrschaftssystems, die keine grundlegenden politischen Änderungen bewirken können.

Viele setzen daher ihre Hoffnungen auf Unterstützung aus dem Ausland. Bei den aktuellen Protesten ertönte auch der Slogan «Lang lebe der König» – ein Verweis auf Reza Pahlavi, den Sohn des 1979 gestürzten Schahs. Doch auch die Exilopposition bleibt zersplittert und zerstritten.

Demonstration / Regierung / Wirtschaft / Iran / Fragen & Antworten / Proteste / Sanktionen
31.12.2025 · 14:30 Uhr
[1 Kommentar]
US-Flagge (Archiv)
Washington - Ein US-Kampfflugzeug des Typs F-15E wurde am Freitag über dem Iran abgeschossen. Das berichten mehrere US-Medien und iranische Medien übereinstimmend. Das Weiße Haus bestätigte, dass US-Präsident Trump über den Vorfall informiert wurde, kommentierte den Verbleib der Crew jedoch nicht. Berichten zufolge wurde eins der beiden Crewmitglieder […] (00)
vor 1 Stunde
Daniel Radcliffe
(BANG) - Daniel Radcliffe hat "tiefgreifendes Glück" gefunden, seit er Vater geworden ist. Der britische Schauspieler – der bereits im Alter von elf Jahren als titelgebender Zauberlehrling in der 'Harry Potter'-Filmreihe berühmt wurde – glaubt, dass sein jüngeres Ich ihn heute nicht wiedererkennen würde. Damals sei er "zutiefst unglücklich" gewesen, […] (00)
vor 11 Stunden
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen auf ein schwarzes Gehäuse verzichten. Zum Vergleich: Die derzeitige iPhone 17 Pro Serie ist in den markanten Farben Silber, Cosmic Orange und Deep Blue erhältlich. iPhone im Business, Quelle: Unsplash Kein Schwarz für die iPhone 18 Pro Modelle Wie der bekannte […] (00)
vor 5 Stunden
Switch 2: Ehemaliger Nintendo-Mitarbeiter warnt vor kommendem Preisanstieg
Die Nintendo Switch 2 ist seit ihrem Launch eine der meistgekauften Konsolen des Jahres – doch wer noch mit dem Kauf gehadert hat, könnte bald in eine unangenehme Situation geraten. Ein ehemaliger Nintendo-Vertriebsmitarbeiter hat sich öffentlich zu den Preisentwicklungen des Unternehmens geäussert, und seine Einschätzung lässt aufhorchen. Was der Ex- […] (00)
vor 6 Stunden
Tubi kündigt zweite Staffel von «Big Mood» an
Der Streamingdienst setzt die Comedyserie mit Nicola Coughlan und Lydia West im April fort. Der werbefinanzierte Streaminganbieter Tubi hat den Trailer zur zweiten Staffel von Big Mood veröffentlicht. Die neuen Folgen feiern am 16. April Premiere und führen die Geschichte rund um die komplizierte Freundschaft von Maggie und Eddie weiter. Ein Jahr ist vergangen, seit sich die beiden besten […] (00)
vor 10 Stunden
Joachim Löw
Berlin (dpa) - Um Weltmeister-Trainer Joachim Löw gibt es ein überraschendes und wenig glaubhaftes Comeback-Gerücht - und der 66-Jährige räumt es auch schnell aus der Welt. Laut des Portals «ghanasoccernet» könnte Löw für die anstehende Fußball-WM die Nationalmannschaft Ghanas als Trainer übernehmen. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. «Mit mir hat […] (02)
vor 6 Stunden
btc, bitcoin, coin, cryptocurrency, crypto, finance, trader, currency, money
Der Kryptoanalyst Jordan prognostiziert, dass der Bitcoin-Kurs kurzfristig auf $80.000 steigen könnte. Er verweist auf einen bullischen Trend, der im Februar begann und diese Rallye für die führende Kryptowährung auslösen könnte. Bitcoin-Kurs strebt Rallye auf $80.000 an In einem Beitrag auf X erklärte Jordan, dass der Bitcoin-Kurs auf $80.000 steigen könnte, basierend auf einem bullischen […] (00)
vor 26 Minuten
Von  "Meuterei auf der Bounty" zur Pn-Domain
Koeln, 03.04.2026 (PresseBox) - Es beginnt, wie große Geschichten oft beginnen: mit zu viel Ordnung. An Bord der HMS Bounty herrscht im Jahr 1789 ein Regiment aus Disziplin und Härte. William Bligh, ein Mann von eiserner Selbstkontrolle, führt seine Mannschaft durch die Weiten des Pazifiks – und zugleich in eine immer engere innere Enge. Denn draußen […] (00)
vor 4 Stunden
 
Papst Leo XIV.
Rom (dpa) - Das Osterfest vor einem Jahr haben viele Katholiken in unguter […] (00)
Kriegsmuseum in Moskau
Moskau/Berlin (dpa) - Selbst an diesem sonnigen Frühlingssonntag ist einiges los in der […] (01)
Vor Ostern in Berlin - Straße ist mit tausenden Eiern dekoriert
Offenbach (dpa) - Sonnige Ostern wird es in diesem Jahr nur eingeschränkt geben. Bis […] (00)
Uffizien
Florenz (dpa) - Aus Angst vor einem spektakulären Einbruch wie im Louvre sind nach einem […] (01)
Apple iPad Air 3 WLAN landet auf der Vintage-Liste
Apple hat nun auch die WLAN-Version des iPad Air 3 offiziell in seine sogenannte […] (00)
Ein Jahr Zollpolitik unter Trump Vor einem Jahr, am sogenannten "Liberation Day", […] (00)
«ARD Crime Time» fragt: Wieso starb Niklas P.?
Zwei neue Doku-Formate widmen sich einem ungeklärten Gewaltverbrechen und dem Leben eines der […] (00)
Fans der deutschen Nationalmannschaft
Zürich (dpa) - Die aktuelle Ticket-Verkaufsphase für die Fußball-WM hat bei Fans für […] (03)
 
 
Suchbegriff