Nach MindsEye-Desaster: „Ich dachte kurz, ich arbeite nie wieder an Games“ – Alex Hernandez
Der verheerende Launch des Actionspiels MindsEye hat nicht nur das Entwicklerstudio Build a Rocket Boy in seinen Grundfesten erschüttert. Im Auge des Sturms stand auch ein Mann, dessen Gesicht untrennbar mit dem Projekt verbunden ist: der Schauspieler Alex Hernandez. In einem bemerkenswert offenen und verletzlichen Gespräch mit FRVR hat der Darsteller des Protagonisten Jacob Diaz nun einen tiefen Einblick in die emotionale Zerreißprobe gewährt, die er durch das vernichtende Urteil von Kritikern und der Öffentlichkeit erlebte. Seine Worte sind eine eindringliche Mahnung an die menschlichen Kosten hinter digitalen Unterhaltungsprodukten.
Ein Schlag in die Magengrube
Hernandez beschrieb die Erfahrung, das Echo auf MindsEye zu erleben, als schlichtweg „hart“. Dahinter verbirgt sich der Schmerz, zweieinhalb Jahre seines Lebens in ein Projekt investiert zu haben, auf das er zutiefst stolz war. „Ich hatte nur positive Erfahrungen bei der Arbeit daran“, offenbarte der Schauspieler. Sein Wunsch nach Erfolg galt nicht nur ihm selbst, sondern ebenso den talentierten Menschen, mit denen er zusammengearbeitet hatte. Der Misserfolg war somit nicht nur ein professioneller Rückschlag, sondern ein persönlicher Affront gegen eine Zeit voller Leidenschaft und gemeinschaftlicher Anstrengung.
Ein Déjà-vu im Kreuzfeuer der Kritik
Für Hernandez ist es nicht das erste Mal, dass er die Hauptrolle in einem kontrovers diskutierten Titel spielte. Bereits 2016 verkörperte er Lincoln Clay, den Protagonisten von Mafia 3. Dieses Spiel wurde damals für seine herausragende Geschichte und seine Charaktere gelobt, geriet aber wegen seines repetitiven Open-World-Designs ins Kreuzfeuer der Rezensionen. Diese Vorerfahrung schien ihn jedoch nicht auf die Wucht der Reaktionen auf MindsEye vorbereitet zu haben. Er reflektierte über die einzigartige Spezies der Gamer, zu der er sich selbst zählt, und deren extrem starke emotionale Bindung an ein Produkt.
Die giftige Anonymität des Internets
Diese leidenschaftliche Bindung, gepaart mit der trügerischen Sicherheit der Anonymität im Internet, entfesselt laut Hernandez eine bisweilen hasserfüllte Reaktion. Menschen würden online Dinge von sich geben, „die sie dir niemals ins Gesicht sagen würden, niemals“. Er malte ein düsteres Bild von Kommentaren, in denen den Entwicklern der Tod gewünscht wird. Niemand würde einem Angesicht zu Angesicht sagen: „Jeder, der an diesem Spiel gearbeitet hat, hat es verdient zu sterben. Das ist verdammt furchtbar, diese Typen sind Idioten.“ Es ist eine bittere Erkenntnis über die enthemmende Wirkung der digitalen Distanz.
Die Bürde des Cover-Stars
Die unmittelbare Konsequenz aus diesem Wust an Negativität war für Hernandez eine existentielle Angst. „Allein die Reaktion… Ich dachte mir: ‚Ich werde vielleicht nie wieder in einem Spiel arbeiten‘“, gestand er. Als das „Gesicht auf der Verpackung“ wird man, ob zu Recht oder zu Unrecht, zur Projektionsfläche für alle Meinungen und, was noch wichtiger ist, für alle Emotionen, die mit einem Spiel verbunden sind. Doch nach zwei Tagen des Selbstmitleids, unterstützt von seiner Frau, fand er die Kraft, weiterzumachen. Denn im Wälzen des Schmerzes liegt kein Lerneffekt. Es ist die Kehrseite der Medaille, der Fluch und Segen zugleich, derjenige auf der Box zu sein. Am Ende bleibt der unerschütterliche Stolz, den Kindheitstraum, in einem Videospiel mitzuwirken, gleich zweimal verwirklicht zu haben.

