Nach fast 10 Jahren Entwicklung: Microsoft zieht bei diesem visuellen Juwel den Stecker
Ein visueller Traum zerbricht zu Staub, eine mystische Welt versinkt im Nebel der Ungewissheit, bevor sie je das Licht der Welt erblicken konnte. Die Gerüchte, die aktuell wie ein Flächenbrand durch die Industrie züngeln, haben einen neuen, prominenten Scheiterhaufen gefunden: Everwild. Das mit Spannung erwartete, bildgewaltige neue Projekt des legendären britischen Traditionsstudios Rare (Sea of Thieves) wurde jüngsten Berichten zufolge eingestampft. Personen, die mit dem Projekt vertraut sein sollen, haben die Hiobsbotschaft an die Branchenportale VGC und den Bloomberg-Journalisten Jason Schreier durchgesteckt. Die Beerdigung dieses ambitionierten Kunstwerks ist jedoch nur der Anfang eines weitaus größeren Bebens.
Rares dunkle Stunde: Mehr als nur ein Spiel auf dem Scheiterhaufen
Die Einstellung von Everwild ist anscheinend nur die Spitze des Eisbergs. Dieselben Quellen deuten darauf hin, dass das gesamte Studio vor einer umfassenden Restrukturierung steht. Dieses unheilvolle Wort lässt in der aktuellen Branchenlage nur einen Schluss zu: Es droht ein massiver Aderlass in Form von Entlassungen, die Teil der schonungslosen Kürzungswelle sind, die derzeit durch Microsofts Gaming-Sparte rollt. Für Rare, ein Studio, das mit Sea of Thieves einen der beständigsten Service-Titel im Portfolio von Xbox betreibt, ist dies ein Schlag ins Kontor. Die Ungewissheit, was diese Umstrukturierung für die Zukunft des Piraten-Abenteuers und die verbleibende Moral des Teams bedeutet, hängt wie ein Damoklesschwert über der britischen Entwickler-Ikone.
Die Tragödie einer endlosen Entwicklung
Die Geschichte von Everwild ist eine Tragödie in mehreren Akten, eine Entwicklungs-Odyssee, die nun ein jähes Ende findet. Offiziell im November 2019 mit einem Trailer angekündigt, der die Zuschauer mit seiner einzigartigen, malerischen Ästhetik verzauberte, befand sich das Projekt intern schon viel länger in der Mache. LinkedIn-Profile von ehemaligen und aktuellen Entwicklern legten bereits 2021 nahe, dass zu diesem Zeitpunkt schon über fünf Jahre an dem Titel gearbeitet wurde – insgesamt also fast ein Jahrzehnt.
Die Entwicklung war von Anfang an von Problemen geplagt. Führende Köpfe verließen das Projekt, die kreative Ausrichtung wechselte mehrfach. Berichte über einen kompletten Reboot der Entwicklung machten die Runde, da das Team angeblich darum rang, eine „klare Richtung“ zu finden – eine Formulierung, die der damalige Leiter der Xbox Game Studios, Matt Booty, als „ein wenig extrem“ abzutun versuchte.
Das letzte, trügerische Fünkchen Hoffnung
Trotz all der Unkenrufe gab es zuletzt immer wieder Fünkchen der Hoffnung. Offene Stellen deuteten auf Fortschritte hin, und Gerüchte, dass sich das Spiel am ehesten mit dem kreativen Klassiker Viva Piñata vergleichen ließe, nährten die Vorfreude. Selbst Microsofts Gaming-CEO Phil Spencer höchstpersönlich goss noch Anfang dieses Jahres Öl ins Feuer der Hoffnung und behauptete, das Projekt mache gute Fortschritte. Viele Fans klammerten sich an den Strohhalm, Everwild könnte auf dem jüngsten Xbox Games Showcase endlich aus seinem Dornröschenschlaf erwachen. Doch der Auftritt blieb aus – nun wissen wir wohl, warum. Das Licht wurde endgültig ausgeknipst.
Was bleibt, ist die ernüchternde Erkenntnis, dass selbst die schönsten und ambitioniertesten Visionen in der rauen Realität der Bilanzen und Umstrukturierungen zerschellen können. Glaubst du, dass in der heutigen AAA-Landschaft überhaupt noch Platz für solch künstlerisch wagemutige, aber riskante Projekte wie Everwild ist? Lass uns deine Meinung in den Kommentaren wissen!

