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Letzte Chance für deutschen Stahl: Georgsmarienhütte vor dem Aus?

15. Januar 2025, 14:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Anne-Marie Großmann, Geschäftsführerin der Georgsmarienhütte Holding, warnt vor dem Ende der Stahlproduktion in Deutschland. Hohe Energiekosten machen den Standort untragbar – eine Abwanderung ins Ausland scheint unausweichlich.

Die deutsche Stahlindustrie steht unter massivem Druck, und Anne-Marie Großmann, Geschäftsführerin und Mitgesellschafterin der Georgsmarienhütte Holding, nimmt kein Blatt vor den Mund:

„Ohne politische Weichenstellungen wird es künftig keinen Stahl mehr aus Deutschland geben.“

Bei einer Veranstaltung der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf (WPV) erklärte Großmann, dass die anhaltend hohen Energiekosten ihren Betrieb an den Rand der Existenz bringen.

„Wir stehen kurz vor dem Abgrund“

Georgsmarienhütte gehört mit rund 6000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 2,3 Milliarden Euro zu den größten Stahlproduzenten Deutschlands. Das Unternehmen beliefert Branchen wie die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Rüstungsindustrie.

Die Produktion erfolgt dabei nicht über die klassische Hochofenroute, sondern mittels Elektrolichtbogenöfen – eine Technologie, die besonders stromintensiv ist. Großmann beziffert den jährlichen Stromverbrauch auf etwa eine Terawattstunde, was dem Bedarf einer Großstadt wie Osnabrück entspricht.

„Unsere Energiekosten haben sich seit 2019 mehr als verdoppelt“, erläuterte Großmann.

Während das Unternehmen damals noch 37 Millionen Euro für Strom, Gas und Netzentgelte zahlte, sind es heute 84 Millionen Euro – trotz Entlastungen. „Das ist wirtschaftlich nicht tragbar. Ohne ein klares Signal aus der Politik sind es nur noch wenige Monate, bis wir den Standort schließen müssen.“

Die Geschäftsführerin der Georgsmarienhütte Holding warnt vor den Folgen der hohen Energiekosten und fordert klare politische Signale, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern.

Abwanderung ins Ausland als einzige Alternative

Die hohen Energiekosten verhindern notwendige Investitionen in den Standort. „Wir prüfen aktuell jede Investition auf Herz und Nieren“, so Großmann. „Aber so können wir langfristig nicht arbeiten.“

Die Konsequenz wäre klar: „Wenn die Politik keine Entlastungen schafft, bleibt uns nur die Abwanderung ins Ausland.“ Dabei sei es fraglich, ob lediglich die Produktion oder gleich die gesamte Wertschöpfungskette ausgelagert werden müsse.

Forderungen an die Politik

Die Unternehmerin fordert staatliche Hilfen in Form eines Industriestrompreises von 40 bis 60 Euro pro Megawattstunde sowie eine Deckelung des Erdgaspreises auf 20 Euro.

„Besonders kritisch sind die Netzentgelte, die mittlerweile fast die Hälfte des Strompreises ausmachen.“ Großmann schlägt vor, die Kosten für den Stromnetzausbau aus den Einnahmen des nationalen Brennstoffemissionshandels zu decken.

„Die Politik hat diese Rahmenbedingungen geschaffen, also muss sie auch Lösungen bieten, damit Unternehmen wieder investieren können“, betonte sie. „Stahl ist für die deutsche Volkswirtschaft unverzichtbar – sei es im Automobilbau, im Maschinenbau oder für die Energiewende.“

Warnung vor wirtschaftlichem Dominoeffekt

Die Probleme der Georgsmarienhütte sind kein Einzelfall. Energieintensive Industrien wie die Stahlherstellung warnen seit Monaten vor den hohen Kosten und fehlenden Entlastungen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) habe wiederholt Unterstützung zugesagt, konkrete Maßnahmen blieben jedoch aus.

Großmann appelliert eindringlich an die Politik: „Wir brauchen endlich klare Entscheidungen. Ohne schnelle Lösungen wird der Wirtschaftsstandort Deutschland massiv geschwächt.“ Für die deutsche Stahlindustrie sei die Zeit knapp: „Es sind nur noch wenige Monate – dann ist es zu spät.“

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[InvestmentWeek] · 15.01.2025 · 14:00 Uhr
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