Pontifex-Reise

Leo XIV. im Libanon - Große Erwartungen an «Friedenspapst»

30. November 2025, 18:12 Uhr · Quelle: dpa
Papst Leo XIV. reist in den Libanon
Foto: Hussein Malla/AP/dpa
Bei seinem Besuch im Libanon traf Papst Leo XIV. den Präsidenten des krisengeschüttelten Landes, Joseph Aoun (r.).
Papst Leo XIV. besucht den Libanon und fordert Frieden in der Krisenregion. Die Bevölkerung hofft auf Linderung der Spannungen und positive Veränderungen.

Beirut (dpa) - Papst Leo XIV. hat im Libanon zu neuem Engagement für Frieden und Versöhnung in dem von Krieg und Krisen gebeutelten Land aufgerufen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche besucht das Land im Rahmen seiner ersten Auslandsreise seit seiner Wahl vor gut einem halben Jahr. Er traf am Sonntag in Beirut ein, zuvor hatte er die Türkei bereist. Leo kündigte bereits vor der Libanon-Visite an, dort die «Friedensbotschaft im Nahen Osten erneut verkünden» zu wollen.

«Hier ist der Friede eine Sehnsucht und eine Berufung, ein Geschenk und eine stets offene Baustelle», sagte der Pontifex bei einem Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun. Gleichzeitig forderte er die politischen Anführer des Libanons auf, echte «Friedensstifter» zu sein und ihre Differenzen angesichts der Schwierigkeiten des Landes beiseitezulegen. 

In Beirut traf Leo auch Parlamentspräsident Nabih Berri sowie Regierungschef Nauaf Salam. Außerdem pflanzte der Papst noch eine Zeder im Garten des Präsidentenpalastes. Die Zeder ist das Nationalsymbol des Libanons und auf dessen Flagge abgebildet.

Große Hoffnung unter Libanesen

Für Leos Ankunft hatten sich Hunderte Libanesinnen und Libanesen am Rande der Straße versammelt, die zum Präsidentenpalast führt. Viele schwenkten libanesische Fahnen. Entlang der Route hingen zahlreiche Willkommensplakate. Auf einem stand: «Lieber Papst, bete für unser verwundetes Land, den Libanon». 

Eine auf den Papst wartende Anwohnerin in Beirut sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Ich bin überglücklich.» Sie hoffe, der hohe Besuch bringe Frieden für das Land. Ein anderer Mann äußerte die Hoffnung, alle Libanesen würden durch den Besuch des Kirchenoberhaupts gesegnet.

Die Al-Mahdi-Pfadfinder der Hisbollah schwenkten libanesische Fahnen und Hisbollah-Flaggen vor zwei im Krieg mit Israel zerstörten Gebäuden, um den Papst auf seinem Weg zum Präsidentenpalast zu begrüßen. Die Schiitenorganisation hatte den Papst am Samstag dazu aufgerufen, die «Ungerechtigkeit und Aggression» Israels anzuprangern.

Libanon konfessionell stark gespalten

Im Libanon sind etwa 30 Prozent der Bevölkerung Christen. Etwa 70 Prozent sind Muslime, jeweils etwa zur Hälfte Anhänger der schiitischen und sunnitischen Strömung im Islam. In dem konfessionell stark gespaltenen Land leben zudem weitere Religionsgemeinschaften wie etwa die Drusen.

Die Christen spielen eine zentrale Rolle im politischen System des Landes, das auf einem konfessionellen Machtverteilungssystem basiert: Der libanesische Staatspräsident ist immer ein Christ, der Regierungschef ein Sunnit und der Parlamentspräsident ein Schiit.

In der Vergangenheit sorgte die religiöse Vielfalt für Konflikte. Während des Bürgerkriegs von 1975 bis 1990 mit schätzungsweise 150.000 Toten bekämpften sich Konfessionen in wechselnden Gefechtsfronten und Bündnissen. Auch innerhalb konfessioneller Gruppen kam es zu Kämpfen.

Schwierige Sicherheitslage

Die Sicherheitslage im Libanon gilt derzeit als angespannt. Nach einem offenen Krieg zwischen der Hisbollah und Israel wurde im Ende November vergangenen Jahres eine Waffenruhe geschlossen. Dennoch hielten die Spannungen an. Zuletzt hatte sich die Lage wieder deutlich verschärft. Israel greift nahezu täglich Ziele im Süden des Libanons an, dabei wurden seit Inkrafttreten der Waffenruhe nach UN-Angaben fast 120 Zivilisten getötet. 

Kürzlich griff die israelische Luftwaffe erstmals seit mehreren Monaten auch wieder in den südlichen Beiruter Vororten an. Dabei wurde Haitham Ali Tabatabai, der Generalstabschef der proiranischen Hisbollah, getötet.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen im Libanon seien alle Sicherheitsvorkehrungen ergriffen worden, teilte Vatikan-Sprecher Matteo Bruni vor der Reise mit. «Die Sicherheitslage war bereits seit Monaten bekannt, als die Reise vorbereitet wurde. Schon damals wurden alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen», sagte er auf Nachfrage von Journalisten. Leo bleibt bis Dienstag im Libanon.

Auf die Frage, ob der Papst während des Besuchs gepanzerte Fahrzeuge benutzen werde, erklärte Bruni: «Je nach Situation werden die jeweils geeigneten Fahrzeuge eingesetzt». In der Türkei wurde Leo in geschlossenen Fahrzeugen gefahren und nicht wie sonst in offenen.

Hoffnungsschimmer für Frieden und Stabilität

Insbesondere vor dem Hintergrund der angespannten Sicherheitslage wird im Libanon die Reise des Papstes als Zeichen der Hoffnung auf Frieden und Stabilität gesehen. Bereits Wochen vor der Papst-Visite waren an neu instand gesetzten Straßen Schilder als Willkommensgruß angebracht worden. Auf ihnen wird er bereits als «Friedenspapst» gefeiert. Auf einigen Schildern stehen auch Botschaften wie «Der Libanon will Frieden».

Nicht nur libanesische Christen hoffen, dass zumindest während des Papst-Besuchs die Spannungen etwas nachlassen und Israel zu keinen größeren Schlägen ausholt. Israel wirft der Hisbollah-Miliz Verstöße gegen die im November 2024 ausgehandelte Waffenruhe vor und erklärt so seine Angriffe.

Im Libanon warten auf Leo aber in vielerlei Hinsicht komplizierte Themen: Das Land steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Die Machtverteilung zwischen den Konfessionen befeuert Korruption und politische Misswirtschaft. Rund 60 Prozent der Bevölkerung leben in Armut.

Kirche / Religion / Diplomatie / Papst / Vatikan / Libanon / Türkei
30.11.2025 · 18:12 Uhr
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