Ladeinfrastruktur für E-Autos: Fortschritte und Herausforderungen auf Deutschlands Straßen
Die Elektromobilität gewinnt in Deutschland weiter an Fahrt, aber die Infrastruktur hält nicht überall Schritt. Daten der Bundesnetzagentur und des Kraftfahrt-Bundesamts, ausgewertet durch den Verband der Automobilindustrie (VDA), zeigen, dass es mittlerweile rund 180.000 öffentliche Ladepunkte gibt – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit einem Anstieg der Ladeleistung um fast 30 Prozent auf über 7,3 Millionen Kilowatt ist zumindest technisch ein Fortschritt erzielt worden. Trotz dieser positiven Entwicklungen gestaltet sich die Suche nach einem Ladepunkt für viele E-Auto-Besitzer weiterhin herausfordernd.
Der VDA rechnet vor, dass im Schnitt 16,7 Fahrzeuge auf einen öffentlichen Ladepunkt kommen. Das entspricht einer nur minimalen Verbesserung verglichen mit dem Vorjahr. Während in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern die Verhältnisse vergleichsweise günstig sind, sieht es im Saarland mit 24,6 E-Fahrzeugen pro Ladepunkt kritisch aus. Nicht nur bei den Ladepunkten, sondern auch bei den Schnellladeeinrichtungen gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während in Thüringen knapp 32 Autos auf einen Schnellladepunkt kommen, liegt dieser Wert im Saarland bei fast 103.
Ein Ungleichgewicht, das laut VDA durch verschiedene strukturelle Faktoren beeinflusst wird, darunter der geringere E-Autobestand in ostdeutschen Bundesländern. Trotz steigender Ladeangebot wünscht sich der VDA einen schnelleren Ausbau. Geschwindigkeiten von derzeit 2,4 Kilowatt pro Fahrzeug reichen laut der Verbandsführung nicht aus, um das Vertrauen in die Elektromobilität zu stärken. Deswegen fordert VDA-Chefin Hildegard Müller mehr Dynamik und schließt sich der Ansicht der Monopolkommission an, die ebenfalls auf wettbewerbliche Defizite hinweist und Transparenz bei den Ladepreisen fordert.
Der ADAC mahnt zudem erhebliche Defizite bei der Autobahn-Ladeinfrastruktur an. Bei einer Untersuchung von Rastanlagen und Autohöfen fiel mehr als die Hälfte der Standorte durch, nur ein Viertel bot ausreichend Ladepunkte an. Die Monopolkommission zeigt sich ebenfalls besorgt über die hohen Ladepreise und die fehlende Preistransparenz, was Autofahrern regelmäßig zur Mehrbelastung wird. Fortschritte bei der Preistransparenz und wettbewerbliche Ausschreibungen könnten hier Abhilfe schaffen und den Markt dynamisieren.

