Marathon: 2,2 Millionen Spieler zum Launch – doch warum lässt Sony Bungie im Regen stehen?
Nach Jahren der Funkstille und internen Umstrukturierungen bei Bungie (den Schöpfern von Halo und Destiny) markiert Marathon den großen Vorstoß in das hart umkämpfte Genre der Extraction-Shooter. Seit dem Launch im März 2026 hat der Titel laut dem Analysehaus Ampere rund 2,2 Millionen Spieler angelockt. Doch wer glaubt, dass bei Sony jetzt die Sektkorken knallen, irrt sich: Experten sehen in den Daten auch warnende Signale für die Zukunft des PvPvE-Shooters.
Die nackten Zahlen: PC dominiert, Konsolen hinken hinterher
Der Blick auf die Plattformverteilung zeigt ein klares Bild: Der PC ist das Zuhause der Extraction-Shooter. Von den 2,2 Millionen Spielern entfallen satte 1,1 Millionen auf den PC. Die Konsolen teilen sich den Rest auf:
- PS5: 660.000 Spieler
- Xbox Series X/S: 525.000 Spieler
Interessant wird es beim Vergleich mit den geschätzten Verkaufszahlen von Alinea Analytics. Diese gehen von etwa 1,2 Millionen verkauften Einheiten und einem Umsatz von 55 Millionen US-Dollar aus. Dass die Spielerzahl fast doppelt so hoch ist wie die Verkaufszahl, deutet auf Free-Trials oder eine starke Nutzung in Shared-Library-Systemen hin. Dennoch: Für ein Studio von der Größe Bungies und eine Marke, die das Fundament des Studios legte, sind diese Zahlen eher ein solider Start als ein „Blockbuster-Breakout“.
Das Marketing-Rätsel: Warum schweigt Sony?
Obwohl Sony Bungie für stolze 3,6 Milliarden Dollar gekauft hat, wirkt die Unterstützung für Marathon auf der eigenen Plattform fast schon stiefmütterlich. Branchenkenner wie Jacob Navok (ehemals Square Enix) beobachten kritisch, dass Sony kaum „Digital Estate“ – also Werbeflächen im PS5-Dashboard – nutzt, um den Titel zu pushen.
In der Community wird bereits spekuliert: Hat Sony das Vertrauen in Bungie nach den jüngsten Entlassungswellen verloren? Während Microsoft den Titel auf der Xbox prominent platziert, scheint Sony bei seinem eigenen First-Party-Titel die Handbremse angezogen zu haben. Das ist besonders kurios, da Sony eigentlich plant, seine Live-Service-Strategie durch Multiplattform-Releases zu stärken.
Gameplay-Update: Bungie zieht die Zügel an
Damit der Loot-Grind motivierend bleibt, schraubt Bungie bereits kräftig am Balancing. Ein aktueller Patch nimmt sich die WSTR Shotgun vor. Die Waffe war zuletzt das absolute Meta-Monster und konnte Spieler selbst durch starke Schilde mit nur zwei Treffern ausschalten.
- WSTR Shotgun Nerf: Reduzierter Schaden gegen Schilde, um Kämpfe auf engem Raum wieder taktischer zu gestalten.
- Performance: Kontinuierliche Verbesserungen an der Server-Stabilität, um „Rubberbanding“ in brenzligen Extraktions-Phasen zu verhindern.
Der Quick-Check: Das Wichtigste für dich
- Status: Marathon ist seit ca. 8 Wochen für PC, PS5 und Xbox Series X/S verfügbar (Preis: ca. 40 €).
- Spielerzahlen: 2,2 Millionen Unique Player im ersten Monat, davon 50% auf PC.
- Aktuelles: Die übermächtige WSTR Shotgun wurde abgeschwächt; Sony zeigt auffällig wenig Marketing-Präsenz für den Titel.
War das schon der Endspurt?
Bungie hat mit Marathon einen Shooter abgeliefert, der sich fantastisch spielt – das Gunplay ist, wie gewohnt, über jeden Zweifel erhaben. Aber die Konkurrenz im Extraction-Genre ist mörderisch. Dass Sony als Besitzer des Studios so wenig in die Vermarktung investiert, wirkt wie ein Misstrauensvotum. Wenn die Spielerzahlen, wie von Experten befürchtet, unter die 10.000-Marke bei den gleichzeitigen Nutzern fallen, könnte es für Marathon schneller eng werden, als uns lieb ist. Bungie muss jetzt zeigen, dass sie den langen Atem von Destiny auch hier beweisen können.

