Investmentweek

Käpt’n Iglo geht auf Kurswechsel – Wie der Fischkönig jetzt Hähnchen verkauft

05. April 2025, 09:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die Iglo-Mutter Nomad Foods zieht Konsequenzen aus globalen Lieferengpässen und geopolitischen Risiken – und krempelt gleich die gesamte Tiefkühlstrategie um. Vom Fisch zum Huhn, von Minus 18 auf Minus 15 Grad: Was hinter der neuen Expansionswelle steckt.

Vom Alaska-Seelachs zum Pangasius – und weiter zum Hähnchen

Lange galt Alaska-Seelachs als verlässliche Konstante in deutschen Tiefkühltruhen – geradezu das Rückgrat von Iglo-Produkten wie Fischstäbchen und Schlemmerfilet. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und den darauf folgenden Sanktionen ist die globale Fischlogistik ins Schlingern geraten. Nun zieht Europas größter Tiefkühlkonzern die Notbremse – und wendet sich mit Tempo und Strategie vom monolithischen Fischgeschäft ab.

Fisch in der Krise – und Iglo mittendrin

Was nach stiller Veränderung klingt, ist in Wahrheit ein massiver Umbau. Denn: Die Lieferketten für Alaska-Seelachs sind nicht nur durch die Abkehr von russischen Fangflotten bedroht, sondern auch durch steigende Strafzölle und geopolitisch bedingte Unsicherheiten.

Über 42 Prozent der deutschen Seelachsimporte stammen aus den USA – einem Land, das sich unter Präsident Trump wirtschaftspolitisch zunehmend erratisch verhält. Für Nomad Foods ein unhaltbares Risiko.

Der Konzern, zu dem neben Iglo auch Findus und Birds Eye gehören, ersetzt nun schrittweise den Alaska-Seelachs durch andere Weißfischarten wie Seehecht, Seezunge und Pangasius. Letzterer stammt aus asiatischen Aquakulturen und sorgt intern für kontroverse Debatten.

Stéfan Descheemaeker steuert Europas größten Tiefkühlkonzern durch geopolitische Stürme – mit Preiserhöhungen, neuen Proteinquellen und einer Strategie, die nicht alle Konsumenten überzeugen dürfte.

Zwar sei er nicht günstiger, betont CEO Stéfan Descheemaeker – doch bei Verbrauchern wachse die Akzeptanz. Der Geschmack ist anders, aber das Vertrauen in die Marke offenbar größer.

Neue Rezepte, neue Logistik – eine strategische Neuausrichtung

Diese Umstellung ist kein kosmetischer Eingriff, sondern ein operativer Kraftakt.

„Wir mussten nicht nur neue Lieferquellen finden, sondern gleich auch unsere Rezepte überarbeiten“, erklärt Descheemaeker.

Zehn Monate dauerte die Transformation – und sie ist nicht abgeschlossen.

Die EU diskutiert unterdessen ein vollständiges Importverbot für russischen Fisch. Würde es umgesetzt, wären ganze Produktlinien auf einen Schlag nicht mehr marktfähig.

Nomads heimlicher Trumpf: Flexibilität durch Verzicht

Die neue Devise bei Nomad Foods lautet Diversifikation – nicht nur beim Fisch, sondern auch beim Gemüse. Denn auch hier droht Ungemach. Der Klimawandel verändert die landwirtschaftlichen Bedingungen rasant. Schon jetzt leidet die Erbsenernte unter Hitzewellen.

Der „Paprika-Gürtel“ Europas wandert jährlich nach Norden. Nomad reagiert frühzeitig – mit dezentralisierten Anbauflächen, neuen Bezugsquellen und einer Kühlrevolution: Die Kühltemperatur soll weltweit von -18 auf -15 Grad angehoben werden.

Zehn Prozent weniger Energieverbrauch – bei gleichbleibender Qualität, so eine unternehmenseigene Studie. Eine unspektakuläre Zahl, die in der Stromrechnung eines Multimilliarden-Konzerns jedoch Millionen ausmacht.

Fleisch statt Fisch – Hähnchen wird zur neuen Wachstumsfantasie

Parallel zur Entfischung der Lieferkette plant Iglo den Einstieg in ein ganz neues Segment: Tiefkühl-Hähnchen. Während die deutschen Tiefkühltheken bisher vor allem Handelsmarken führen, will Iglo nun auch hier eine Premiummarke etablieren. Airfryer-Hähnchenfilets sollen das neue Flaggschiff werden.

Die Marktforschung zeigt: Der „High Protein“-Trend ist ungebrochen. Tiefkühlkost muss heute nicht nur schnell und einfach sein, sondern gesund und „macro-friendly“. Iglo will liefern – und zwar direkt nach Hause.

Papa Frost und die letzte Meile

Im Dezember startete Nomad Foods seinen eigenen Online-Tiefkühlvertrieb: „Papa Frost“. Damit greift das Unternehmen erstmals direkt in den Wettbewerb mit Bofrost, Eismann und Start-ups ein.

In Großbritannien erzielt Nomad bereits 20 Prozent seines Umsatzes über Direktlieferungen – ein Volumen von 200 Millionen Euro. Für den deutschen Markt sieht man großes Potenzial, gerade im Kontext von Homeoffice, Zeitmangel und Energieeffizienz.

Starkes Jahr – trotz Preisschraube

Trotz der Transformation legte der Umsatz des Konzerns 2024 um 1,8 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis kletterte um 5,6 Prozent – eine beachtliche Leistung angesichts der allgemeinen Konsumzurückhaltung.

Die Preiserhöhungen von durchschnittlich 20 Prozent seit 2022 scheinen der Marke nicht geschadet zu haben. Im Gegenteil: Laut YouGov ist Iglo mittlerweile die Nummer eins unter den Lebensmittelmarken, die deutsche Konsumenten beim nächsten Einkauf in Betracht ziehen.

Anleger greifen zu – Analysten sehen Luft nach oben

Die Aktie von Nomad Foods, gelistet an der NYSE, legte seit Jahresbeginn rund 16 Prozent zu. Das Analysehaus Mizuho sieht sogar Potenzial bis auf 26 Dollar – wegen „offensiver Produktinnovationen und wachsender Marktanteile“.

Mit einem europäischen Marktanteil von 18 Prozent ist Nomad bereits der Platzhirsch – doch der Umbau zeigt: Der Konzern ist nicht bereit, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen.

Finanzen / Unternehmen
[InvestmentWeek] · 05.04.2025 · 09:00 Uhr
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