Israeli in Berlin angegriffen - Video zeigt Schläge

18. April 2018, 22:50 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Der junge Mann in der braunen Jacke hält einen Gürtel in seiner Hand, er holt weit aus und schlägt zu, dreimal. Auf arabisch ruft er: «Tu das Handy weg. Du bist ein jüdischer Bastard», dann: «Jahudi» (arabisch für Jude).

Der angegriffene Mann lässt das Smartphone weiter laufen und sagt: «Ich filme Dich, ich filme Dich». Es kommt zum Handgemenge, bis der Angreifer von einem Begleiter weggeschoben wird.

Nach 47 Sekunden endet das Video über den antisemitischen Angriff. Gefilmt wurde es am Dienstag in Berlin-Prenzlauer Berg, wie auch die Polizei bestätigte. Der angegriffene Mann ist ein 21-jähriger Israeli. Zusammen mit einem 24-jährigen deutschen Freund war er auf der Straße unterwegs, beide trugen eine Kippa, die traditionelle jüdische Kopfbedeckung.

Dem israelischen Fernsehen erzählte der 21-Jährige am Mittwoch, sie seien «ganz normal auf der Straße gegangen - wir haben mit niemandem gesprochen». Drei Männer hätten sie plötzlich beschimpft. Der Freund habe ihnen gesagt, sie sollten damit aufhören. «Dann wurden sie sauer, einer von ihnen rannte auf mich zu.» In diesem Moment beginnt das Video. «Mir war sofort klar, dass es wichtig ist, das zu filmen», sagte er. Er hoffe, dass die Polizei den Mann so finden könne.

Der «Bild»-Zeitung sagte der Israeli, er habe die Kippa gerade erst geschenkt bekommen, verbunden mit einer Warnung vor dem öffentlichen Tragen. Er habe aber erwidert: «Sowas passiert in Deutschland nicht, nicht mal in Berlin. Und dann waren keine fünf Minuten vergangen, als wir rausgingen mit der Kippa und wir wurden attackiert.» Er fühle sich jetzt nicht mehr so sicher wie zuvor. Gerade im bürgerlichen Viertel Prenzlauer Berg habe er das nicht erwartet. «Wenn das in Neukölln gewesen wäre, wäre ich nicht so geschockt.»

Er sei in Israel in einer arabischen Familie aufgewachsen und kein Jude, sagte der Angegriffene der Deutschen Welle. Die Kippa habe er als Experiment getragen. Das Filmen des Angriffs begründete er so: «Ich wollte einen Beweis für die Polizei haben und, dass die Deutschen sehen, ja im Grunde, dass die Welt sieht, wie schrecklich es ist, in diesen Tagen als Jude durch Berlins Straße zu laufen.»

Die Polizei bestätigte den Vorfall. Nach dem ersten Angriff mit dem Gürtel habe sich die Gruppe der drei aggressiven Männer entfernt, sei jedoch von dem 21-Jährigen verfolgt worden. Daraufhin habe der Schläger versucht, den Verfolger mit einer Flasche zu attackieren. Eine Zeugin ging dazwischen. Der 21-Jährige wurde leicht verletzt. Die Polizei sucht nun nach dem Täter. Der regionale Dialekt des Arabisch sprechenden Täters war nicht klar zu erkennen - das Opfer sagte, er habe mit einem syrischen Dialekt gesprochen.

Der Angriff fällt in eine Zeit, in der sich Berichte über antisemitische Vorfälle häufen. In Berlin wurde eben erst der Fall einer Schülerin bekannt, die von muslimischen Mitschülern wegen ihrer jüdischen Religion beschimpft wurde. Im Dezember wurde ein jüdischer Restaurantbesitzer von einem Deutschen antisemitisch beleidigt. Arabische Demonstranten verbrannten bei einer Kundgebung israelische Flaggen.

Die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) zählte im vergangenen Jahr 18 Angriffe und 23 konkrete Bedrohungen. Die Jüdische Gemeinde schätzt, dass 20.000 Juden in der Hauptstadt leben.

Am Mittwoch trafen sich die deutschen Kultusminister mit dem Zentralrat der Juden zu Beratungen über Übergriffe in Schulen. Zentralrats-Präsident Josef Schuster sprach von einem «Bedrohungspotenzial» vor allem in Städten.

Außenminister Heiko Maas und Justizministerin Katarina Barley (beide SPD) verurteilten die neue Tat als «unerträglich». Maas sagte der Funke Mediengruppe: «Juden dürfen sich bei uns nie wieder bedroht fühlen.» Barley meinte: «Das ist eine Schande für unser Land.» Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte: «Antisemitismus gehört nicht zum Berlin, in dem wir leben wollen.»

Extremismus / Kriminalität / Antisemitismus / Berlin / Deutschland
18.04.2018 · 22:50 Uhr
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