Investmentweek

Japan schrumpft – und Trump sitzt mit am Steuer

19. Mai 2025, 14:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist überraschend ins Minus gerutscht. Japans Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal deutlich – ausgerechnet jetzt, wo neue US-Zölle drohen und der Yen schwächelt. Die Regierung steht unter Druck, die Notenbank zögert, und der Spielraum wird enger.

Wirtschaft im Rückwärtsgang

Es ist ein Warnsignal, das man in Tokio nicht gerne hört: Japans Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal 2025 um 0,7 % geschrumpft – hochgerechnet aufs Jahr.

Damit fällt der Rückschlag deutlich stärker aus als von den meisten Analysten erwartet. Der Konsum stagniert, der Außenhandel bremst, und das fragile Wachstum bekommt seinen ersten echten Dämpfer seit über einem Jahr.

Im Vergleich zum Vorquartal verzeichnete die Wirtschaft ein Minus von 0,2 % – ebenfalls schwächer als prognostiziert. Vor allem die Außenhandelsbilanz zog das BIP nach unten: Nettoexporte belasteten das Wachstum um satte 0,8 Prozentpunkte.

Die Exportnation Japan wird damit erneut Opfer eines geopolitisch belasteten Umfelds – und einer zunehmenden Unsicherheit im transatlantischen Verhältnis.

Trump spielt Wirtschaftspolitik mit dem Vorschlaghammer

US-Präsident Donald Trump hat die Handelspolitik erneut zur Waffe gemacht. Die Aussicht auf neue Zölle auf japanische Waren, insbesondere auf Autos, sorgt bei Industrie, Investoren und Notenbankern für Nervosität.

Ein umfassender Deal mit Washington? Vorerst nicht in Sicht. Zuletzt war sogar von einem möglichen 25-Prozent-Aufschlag auf japanische Autoexporte die Rede – eine Maßnahme, die Tokio hart treffen würde.

Die Regierung unter Premierminister Shigeru Ishiba steht damit in einem klassischen Dilemma: Soll sie defensiv auf Zeit spielen – oder mit steuerpolitischen Maßnahmen gegensteuern, bevor die nächsten Zollwellen Realität werden?

Konsum schwächelt – Investitionen steigen

Zwar stiegen die Unternehmensinvestitionen um 1,4 %, stärker als erwartet. Doch das kann den Rückgang im Außenhandel nicht auffangen. Und was noch schwerer wiegt: Der private Konsum, der über die Hälfte der japanischen Wirtschaftsleistung ausmacht, trat auf der Stelle.

Ein weiterer Beleg dafür, dass die Konsumenten trotz leicht wachsender Löhne und anhaltend niedriger Zinsen zurückhaltend bleiben – auch wegen der Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln.

Damit zeigt sich einmal mehr: Eine exportabhängige Volkswirtschaft wie Japan kann interne Schwächen kaum kompensieren, wenn der Außenhandel ins Stocken gerät.

Der private Verbrauch, verantwortlich für über 50 % der Wirtschaftsleistung, blieb im Q1 unverändert, obwohl die Märkte ein leichtes Plus erwartet hatten. Ein Warnsignal für die Binnenkonjunktur.

Die Rolle der Bank of Japan

Die Bank of Japan hatte ihre Wachstumsprognose für das laufende Fiskaljahr bereits zurückgeschraubt – von 1,2 auf nur noch 0,5 %. Die Inflation bewegt sich um die angestrebten zwei Prozent, aber die Notenbank zögert mit weiteren Zinsschritten. Der Leitzins bleibt bei 0,5 %, vorerst.

Die Mehrheit der Ökonomen erwartet, dass die BoJ bis Herbst stillhält, um die Auswirkungen der US-Zölle auf die Realwirtschaft abzuwarten. Doch bei einem anhaltenden Abschwung wird der Druck auf die Notenbank zunehmen – zumal der japanische Yen gegenüber Dollar und Euro weiter schwächelt und so die Importkosten treibt.

Japans strukturelles Problem

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die Alterung der Gesellschaft, stagnierende Produktivität in vielen Bereichen und eine Industrie, die zu stark auf klassische Exportgüter wie Automobile und Maschinenbau fokussiert ist, erschweren die Anpassung an ein neues globales Umfeld.

Während Länder wie Südkorea und China aggressiv in neue Technologien und Lieferketten investieren, bleibt Japan oft traditionell – und damit verwundbar.

Zwar gibt es Leuchttürme wie das KI-Cluster rund um Osaka und die Halbleiter-Offensive auf Kyushu. Aber noch ist unklar, ob diese Innovationen die alte Exportmaschinerie rechtzeitig ersetzen können.

Was jetzt auf dem Spiel steht

Für Premierminister Ishiba ist die Situation heikel. Er muss abwägen, ob ein neues Konjunkturpaket sinnvoll ist – oder ob es die ohnehin hohe Staatsverschuldung weiter aufbläht. Gleichzeitig wächst der innenpolitische Druck, angesichts stagnierender Reallöhne und steigender Lebenshaltungskosten endlich Entlastung zu schaffen.

Zölle aus Washington, Konsumzurückhaltung im Inland, eine abwartende Notenbank: Die Lage ist komplex – und sie wird nicht einfacher.

Finanzen / Wirtschaft
[InvestmentWeek] · 19.05.2025 · 14:00 Uhr
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