Prozesse

Hongkong: 20 Jahre Haft für Aktivist und Verleger Jimmy Lai

09. Februar 2026, 15:55 Uhr · Quelle: dpa
Medienmogul Jimmy Lai
Foto: Vincent Yu/AP/dpa
Das Hongkonger Gericht hatte Jimmy Lai bereits im Dezember für schuldig befunden. (Archivbild)
Im Dezember spricht ein Gericht Medienmogul Jimmy Lai in einem viel beachteten Prozess schuldig. Doch das Strafmaß stand noch aus. Nun haben die Richter entschieden - und scharfe Kritik damit erzeugt.

Hongkong (dpa) - Ein Gericht in Hongkong hat den Medienmogul und Demokratieaktivisten Jimmy Lai zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt. Der 78-Jährige war im Dezember wegen Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften und der Veröffentlichung aufrührerischer Publikationen schuldig gesprochen worden.

Schlimmstenfalls drohte ihm zuvor eine lebenslange Haftstrafe. Kritiker betrachteten den Prozess als politisch motiviert und als weiteres Zeichen für den Abbau von Pressefreiheit und politischen Freiheitsrechten in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong. 

«Die Bundesregierung betrachtet das mit großer Sorge», sagte Sprecher Stefan Kornelius in Berlin nach der Strafmaßverkündung. Das Thema werde auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf einer demnächst bevorstehenden China-Reise begleiten.

Zur Verkündung des Strafmaßes kamen neben Lais Ehefrau, Teresa Lai, auch dessen Unterstützer wie der katholische Kardinal Joseph Zen. Der Prozess hatte seit dem Beginn im Dezember 2023 auch international große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Lai hat die Vorwürfe gegen ihn stets bestritten. Er sitzt seit 2021 im Gefängnis, nachdem ihn die Justiz zuvor bereits in anderen Verfahren zu zwei Haftstrafen verurteilt hatte.

Hartes Durchgreifen nach Sicherheitsgesetz

Der Verleger besitzt auch einen britischen Pass und ist Gründer der prodemokratischen Hongkonger Zeitung «Apple Daily». Das Blatt wurde 2021 zwangsweise eingestellt, nachdem die Behörden der früheren britischen Kronkolonie wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das nationale Sicherheitsgesetz ermittelt hatten. 

Das Sicherheitsgesetz in Hongkong richtet sich gegen die prodemokratische Opposition sowie gegen Aktivitäten, die Pekings autoritäre Führung als umstürzlerisch, separatistisch, terroristisch oder verschwörerisch einstuft. Es trat 2020 als Reaktion auf große Demonstrationen für mehr Demokratie in Kraft. International ist das Gesetz, das Freiheitsrechte in der chinesischen Sonderverwaltungsregion einschränkt, sehr umstritten.

Human Rights Watch: Lange Haft «praktisch ein Todesurteil»

Lais Verteidigung hatte sich zuletzt um eine Strafmilderung bemüht. Medienberichten zufolge ging es dabei vor allem um den Gesundheitszustand des Angeklagten. Lais Verteidiger Robert Pang argumentierte mit gesundheitlichen Problemen seines Mandanten wie Bluthochdruck und Diabetes. Die Anklage hingegen wies Bedenken über eine Verschlechterung von Lais Zustand im Gefängnis zurück und sprach von einer «stabilen» Verfassung.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts verwies auf Mahnungen, die die Bundesregierung bereits im Dezember an die Verantwortlichen in Hongkong gerichtet hatte. «Wir fordern die Hongkonger Behörden auf, die Rechte und Freiheit zu achten», bekräftigte der Sprecher von Außenminister Johann Wadephul (CDU). Der Sprecher verwies auch auf Lais fragile Gesundheit.

Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Haftstrafe scharf. «Die harte 20-jährige Haftstrafe gegen den 78-jährigen Jimmy Lai ist praktisch ein Todesurteil», erklärte die Asien-Leiterin der Organisation Human Rights Watch, Elaine Pearson. Die Strafe sei grausam und völlig ungerecht. Reporter ohne Grenzen (RSF) teilte mit, die Gerichtsentscheidung unterstreiche den «vollständigen Zusammenbruch der Pressefreiheit in Hongkong». 

Demokratien wie Großbritannien und die USA müssten Druck auf Peking und die Behörden in Hongkong ausüben, um sicherzustellen, dass Lai und alle anderen Journalisten aus dem Gefängnis entlassen würden, forderte die Organisation weiter. US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf etwa gesagt, er wolle Lai aus dem Gefängnis holen. 

US-Außenminister Marco Rubio kritisierte die Verurteilung als «ungerechten und tragischen Abschluss des Falls». Sie zeige der Welt, dass Peking zu «außergewöhnlichen Maßnahmen» bereit sei, um Menschen zum Schweigen zu bringen, die sich für Freiheit in Hongkong einsetzten. Er forderte die Behörden auf, Lai aus humanitären Gründen auf Bewährung freizulassen.

Britische Außenministerin fordert Freilassung

Von Beginn an kritisierte auch Großbritannien das Verfahren gegen den gläubigen Katholiken. Außenministerin Yvette Cooper betonte nach der Strafmaßverkündung, Peking habe Hongkong das nationale Sicherheitsgesetz auferlegt, um Chinas Kritiker zum Schweigen zu bringen. Auch sie forderte eine Freilassung aus humanitären Gründen.

Behörden weisen Vorwürfe zurück

Die Hongkonger Regierung weist den Vorwurf eines politisch motivierten Verfahrens zurück und betont, das Verfahren habe nichts mit der Pressefreiheit zu tun, sondern diene der Durchsetzung geltenden Rechts. Lais «harte Strafe» von 20 Jahren Haft habe gezeigt, dass Rechtsstaatlichkeit gewahrt und Gerechtigkeit geübt werde, und das sei für alle eine «große Erleichterung», sagte Hongkongs Regierungschef John Lee. 

Das chinesische Außenministerium stellte sich hinter die Entscheidung des Hongkonger Gerichts und betonte, Lai sei ein chinesischer Staatsbürger. Sein Handeln habe das Prinzip von «Ein Land, zwei Systeme» ernsthaft untergraben und die nationale Sicherheit gefährdet, sagte Sprecher Lin Jian. Peking kritisierte außerdem, dass sich andere Länder in den Prozess einmischten. Das Rechtsverfahren sei eine innere Angelegenheit, sagte Lin. Betreffende Länder sollten Chinas Souveränität und Hongkongs Rechtssystem respektieren und keine unvernünftigen Äußerungen über den Prozess tätigen, erklärte er.

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09.02.2026 · 15:55 Uhr
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