Highguard stellt nächste Woche den Betrieb ein – ein gescheiterter Start und ein schnelles Ende
Manchmal reichen wenige Wochen, um zu erkennen, dass ein Spiel keine Zukunft hat. Highguard, der Multiplayer-Titel von Wildlight Entertainment, ist ein besonders schmerzhaftes Beispiel dafür, wie rasant ein vielversprechend gestartetes Projekt in sich zusammenfallen kann. Nun ist es offiziell: Die Server gehen bald für immer offline – und die Geschichte dahinter ist so ernüchternd wie lehrreich.
Von zwei Millionen Spielern zur Geisterstadt
Wildlight Entertainment hat bestätigt, dass Highguard am 12. März endgültig abgeschaltet wird. Dabei hatte das Spiel durchaus einen bemerkenswerten Startschuss: Über zwei Millionen Spieler tauchten nach dem Launch in die Spielwelt ein, und zum Höhepunkt verzeichnete das Spiel auf Steam fast 98.000 gleichzeitige Spieler. Doch dieser Aufschwung war flüchtig. Bereits kurz nach dem Veröffentlichungstag im Januar brach die Spielerzahl dramatisch ein. In der vergangenen Woche kämpfte Highguard auf Steam darum, überhaupt die Marke von 1.000 gleichzeitigen Spielern zu überschreiten – ein freier Fall, der kaum deutlicher hätte ausfallen können.
Überwältigend negativ: Wie die Community reagierte
Maßgeblich verantwortlich für den Absturz waren vernichtende Spielerbewertungen. Zum Launch kassierte Highguard auf Steam das Prädikat „Überwältigend negativ“ – ausgelöst durch massive Leistungsprobleme und Designentscheidungen, die bei der Gemeinschaft auf breite Ablehnung stießen. Obwohl sich das Gesamturteil seither auf „Gemischt“ verbessert hatte, war der Schaden längst angerichtet. Auch der Auftritt bei den Game Awards 2025 trug nicht zur Schadensbegrenzung bei: Ursprünglich für einen Überraschungsrelease während der Show geplant, entschied man sich kurzfristig für einen Trailer – eine Entscheidung, die dem Spiel einen denkbar ungünstigen ersten Eindruck bescherte und eine Welle an Spott nach sich zog.
Finanzierung, Stellenabbau und interne Zerwürfnisse
Was hinter den Kulissen vorging, zeichnet ein noch trüberes Bild. Obwohl Highguard anfangs als eigenfinanziertes Projekt angepriesen wurde, soll das Spiel in Wirklichkeit von TiMi Studio Group, einem Ableger des chinesischen Technologieriesen Tencent, mitfinanziert worden sein. Nachdem das Spiel die gesetzten Zielvorgaben offenbar verfehlte, zog der Geldgeber die Mittel zurück – was zu Entlassungen bei Wildlight führte. Ehemalige Mitarbeiter beschrieben die Entwicklung intern als durchaus positiv, machten jedoch den Hochmut der Führungsebene für das Scheitern verantwortlich. Besonders ins Auge stach dabei der Verzicht auf externe Spieltests vor dem Launch – eine Entscheidung, die im Nachhinein als eines der zentralen Versäumnisse gilt.
Ein letztes Update und ein Abschied mit Anstand
Trotz alledem verabschiedet sich Wildlight mit Haltung. Ein finales Update bringt noch kurz vor der Abschaltung einen neuen Warden, eine neue Waffe sowie Fertigkeitsbäume und Kontofortschritt ins Spiel. Das Entwicklerteam bedankte sich in einem offenen Statement bei allen, die Feedback geteilt, Inhalte erstellt und an das Projekt geglaubt haben. „Wir hoffen, dass ihr noch einmal einsteigt, um eure Unterstützung zu zeigen und die letzten großartigen Matches zu spielen, solange wir noch können.“ Es ist ein würdevoller Abgang für ein Spiel, dem nie die Chance vergönnt war, sein volles Potenzial zu entfalten – und eine Mahnung daran, dass auch ambitionierte Projekte ohne solides Fundament kaum Bestand haben.


