Greenpeace-Protest gegen umstrittene Gasbohrung in Reichling
Ein spektakulärer Protest von Umweltschützern hat wenige Tage vor dem geplanten Beginn einer umstrittenen Erdgasbohrung in Reichling bei Landsberg am Lech für Aufsehen gesorgt. Eine Gruppe von 13 Greenpeace-Aktivisten ist auf das Gelände eingedrungen und hat ein großes Banner mit der Aufschrift „Kein neues Gas!“ gehisst. Einer der Demonstranten verharrte mutig an einem Seil in mehreren Metern Höhe, um gegen die Bohrpläne zu protestieren.
Die Vorbereitungen für den Aufbau des Bohrturms durch das verantwortliche Unternehmen laufen derweil auf Hochtouren. Das Unternehmen hat den Start der Arbeiten auf den 29. Juli 2025 bei den Behörden angezeigt. Erste Teile der Bohrturminfrastruktur wurden bereits geliefert, darunter Kranteile und Spezialtanks für die Lagerung potenziell gefährlicher Flüssigkeiten. Trotz der Protestaktion griff die Polizei nicht ein, da ein aufziehendes Gewitter die Aktivisten nach drei Stunden zum Rückzug zwang.
Die Kriminalpolizei hat dennoch Ermittlungen aufgenommen, um mögliche Verstöße zu untersuchen. Nach Beendigung der Protestaktion konnten die Arbeiten fortgesetzt werden. Ein konkreter Starttermin für die Bohrungen steht noch nicht fest, da die Regierung von Oberbayern erst über den Abschluss der Aufbauarbeiten und den genauen Beginn informiert werden muss. Vor Aufnahme der Bohrungen ist zudem eine technische Freigabe durch aktuelle Sachverständigen-Prüfberichte erforderlich.
Greenpeace kritisiert das Vorhaben scharf und beruft sich auf internationale klimapolitische Verpflichtungen. Ein entsprechendes Gutachten des Internationalen Gerichtshofs hebt hervor, dass die Erschließung neuer fossiler Gasvorkommen den Bemühungen um das 1,5-Grad-Ziel zuwiderläuft. Die Umweltschutzorganisation fordert einen sofortigen Stopp sämtlicher Gasbohrungen in Bayern und verweist auf die Gefahr einer langfristigen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
Das Projekt wird von der Energieprojekt Lech Kinsau 1 initiiert, im Mehrheitsbesitz der MRH Mineralöl-Rohstoff-Handel GmbH. Sollte die Probebohrung erfolgreich verlaufen, ist eine Förderung über zehn bis 15 Jahre geplant, die bis zu 500 Millionen Kubikmeter Gas liefern könnte—genügend, um den Gasbedarf von 15.000 Haushalten zu decken. Doch die lokale Bevölkerung und Umweltgruppen fürchten Umweltschäden, insbesondere für das Trinkwasser, sowie negative Auswirkungen auf Immobilienpreise und Tourismus.

