Grafik-Pracht im Schatten der Republik: Bright Memory-Macher enthüllen düsteren neuen Shooter
Wer an visuelle Feuerwerke aus Ein-Personen-Entwicklungsstudios denkt, landet fast zwangsläufig bei FYQD-Studio. Nach dem Sci-Fi-Spektakel Bright Memory: Infinite schlägt der Entwickler nun jedoch eine gänzlich andere Richtung ein. Vergiss für einen Moment futuristische Katanas und Dämonen aus anderen Dimensionen – das nächste Projekt entführt dich in eine Zeit, die in der Videospielhistorie bisher sträflich vernachlässigt wurde: das Jahr 1912, die turbulente Geburtsstunde der Republik China. Die ersten veröffentlichten Bilder sind dabei nicht weniger als atemberaubend und versprechen eine Atmosphäre, die man förmlich schneiden kann.
Wenn das Chaos regiert: Ein Tanz im Zwielicht
Das Setting wirkt wie ein düsterer Film Noir, der in den Gassen einer zerfallenden Dynastie spielt. Der Entwickler beschreibt die Prämisse als eine Ära des Aufruhrs und der kollabierenden Ordnung. Es ist keine strahlende Heldenreise, die hier angeteasert wird, sondern ein brutaler Überlebenskampf im Halbschatten. Rivalisierende Banden beherrschen das Straßenbild, während Gewalt und Verschwörungen wie ein schleichendes Gift die Gesellschaft durchdringen.
Aktuell liegt der Fokus der Entwicklung noch stark auf der künstlerischen Ausgestaltung und dem Motion Capture. Das lässt darauf schließen, dass FYQD-Studio nicht nur grafisch, sondern auch in puncto Animationen neue Maßstäbe für Indie-Produktionen setzen will. Die gezeigten Screenshots suggerieren eine fast schon greifbare Textur der Umgebung – feuchtes Kopfsteinpflaster, dichte Nebelschwaden und eine Beleuchtung, die das „Chiaroscuro“-Prinzip meisterhaft auf die Engine überträgt.
Radikaler Stilbruch: Realismus statt Fantasie?
Der vielleicht überraschendste Aspekt ist der Perspektivwechsel. Während der Vorgänger als rasanter Ego-Shooter konzipiert war, wechselt das neue Projekt in die Third-Person-Ansicht. Das deutet auf ein Gameplay hin, das mehr Gewicht auf die physische Präsenz des Charakters in dieser feindseligen Welt legt. Es wirkt alles geerdeter, bodenständiger – weit entfernt von den übernatürlichen Eskapaden eines Bright Memory.
Doch Vorsicht vor falschen Erwartungen: Auf der Plattform Bilibili stellte der Entwickler unmissverständlich klar, dass wir hier keine Geschichtsstunde erwarten dürfen. Die Handlung ist rein fiktiv; historische Ereignisse dienen lediglich als stimmungsvolle Kulisse für die Action, ohne Anspruch auf faktische Korrektheit. Es ist eine Bühne für Schusswechsel, nicht für politische Dokumentationen. Wann genau wir uns in dieses Abenteuer stürzen dürfen, steht noch in den Sternen, besonders wenn man bedenkt, welch lange Reise der Vorgänger bis zum finalen Release hinter sich hatte.


