Goldpreis auf Höhenflug: Edelmetalle im Anlegerfokus
Die beeindruckende Rallye des Goldpreises setzt sich angesichts kräftiger Zuflüsse in Goldfonds und der Aussicht auf weiter sinkende Zinssätze mit unvermindertem Tempo fort. Am Dienstag kletterte der Preis für eine Feinunze Gold um 44 US-Dollar auf das Rekordhoch von 3.791,10 Dollar. Auch in Euro erreichte Gold einen neuen Höchststand von 3.210,24 Euro je Unze. Bereits zu Wochenbeginn hatte das Edelmetall neue Bestmarken erzielt.
Auch Silber verzeichnete einen beachtlichen Preisanstieg. Mit einem Anstieg auf 44,34 Dollar je Unze wurde am Dienstag der höchste Stand seit 14 Jahren erreicht. Im bisherigen Jahresverlauf ist der Silberpreis bereits um über 50 Prozent gestiegen, während Gold mehr als 40 Prozent zulegte. Die Erwartung sinkender Zinsen in den USA, wie kürzlich von der US-Notenbank Fed signalisiert, gilt als einer der Haupttreiber dieses Trends. Edelmetalle bieten selbst keine Zinsen, weshalb sie bei fallenden Zinsen anderer Anlageformen an Attraktivität gewinnen.
Langfristig sehen Analysten des Frankfurter Bankhauses Metzler auch die verstärkten Goldkäufe von Zentralbanken als Preistreiber. Diese versuchen, unabhängiger vom US-Dollar zu werden und stocken daher ihre Goldreserven auf. Die Experten verweisen zudem auf nachhaltige Inflationssorgen als weiteren Faktor, der die Goldnachfrage ankurbelt.
Besonderes Interesse erfahren derzeit Goldfonds (ETFs), die physisches Gold halten und an Börsen gehandelt werden. Der Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank merkte an, dass laut einer Statistik der Nachrichtenagentur Bloomberg am vergangenen Freitag ein Zufluss von fast 27 Tonnen in Gold-ETFs verzeichnet wurde – der stärkste Anstieg seit Anfang 2022. Dies gibt dem Goldpreis zusätzlichen Rückenwind, so Fritsch.
Die Dollarschwäche, ausgelöst durch die Zinssenkungsaussichten in den USA, unterstützt zudem den Goldpreis. Da Gold überwiegend in Dollar gehandelt wird, begünstigt ein schwächerer Dollar die Nachfrage, da das Edelmetall günstiger wird.
Analysten der Dekabank betonen, dass sich das Anlegerverhalten verändert hat: Finanzmittel, die bei Unsicherheit traditionell in deutsche Bundesanleihen oder US-Staatsanleihen geflossen wären, werden heute verstärkt in Gold investiert. Geopolitische Risiken und die Handelsstreitigkeiten der USA tragen ebenso zur verstärkten Goldnachfrage bei. Commerzbank-Experte Fritsch sieht in den anhaltenden Attacken des US-Präsidenten auf die Unabhängigkeit der Fed einen weiteren Nachfrageimpuls und hält einen weiteren Anstieg des Goldpreises für möglich.

