Kassel Airport: Ein Verlustgeschäft mit Potential?

Der Kassel Airport kämpft seit seiner Eröffnung 2013 mit kontinuierlichen finanziellen Verlusten. Im Jahr 2024 belief sich das Defizit laut dem Hessischen Finanzministerium auf knapp fünf Millionen Euro, und auch für 2025 wird ein ähnlicher Fehlbetrag erwartet. Die Situation verschärfte sich durch den Verlust der einzigen stationierten Maschine von Sundair im Jahr 2024 und fehlende Linienflugverbindungen im aktuellen Winter. Geplante Kooperationen mit alternativen Airlines gestalten sich als schwierig.
Dennoch bekennt sich das Land Hessen, mit einem Anteil von 68 Prozent Hauptgesellschafter, weiterhin zum Kassel Airport. Auch die Stadt und der Kreis Kassel sowie die Gemeinde Calden sind als weitere Gesellschafter von der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Flughafens überzeugt. Laut jüngster Studie des Zentrums für Recht und Wirtschaft des Luftverkehrs hat der Flughafen seit seiner Eröffnung erhebliche wirtschaftliche Impulse für Nordhessen gesetzt. Insgesamt sind über 3.400 Arbeitsplätze und eine Bruttowertschöpfung von 291 Millionen Euro mit dem Flughafen verbunden.
Das Finanzministerium hebt die Bedeutung des Flughafens als Wirtschaftsmotor hervor, der Kaufkraft in der Region hält und die Ansiedlung von Unternehmen fördert. Auch das Steueraufkommen von 72,6 Millionen Euro im Jahr 2023 spricht für die wirtschaftliche Aktivität rund um den Flughafen. Für jeden investierten Euro wird ein Steuerrückfluss von 3 bis 4 Euro erzielt, was eine hohe Umwegrentabilität für das Land Hessen bedeutet.
Der 64 Hektar große Gewerbepark am Kassel Airport verspricht weitere Zukunftsperspektiven. Dank seiner zentralen Lage eignet sich der Standort für Entwicklungen im Bereich des elektrischen Fliegens oder für den Betrieb von Drohnen.
Doch Kritik bleibt. Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler sieht die ursprünglichen Erwartungen nicht erfüllt. Der Flughafen sollte Nordhessen infrastrukturell besser mit der Welt verbinden, was angesichts fehlender Flugverbindungen gescheitert ist. Zudem steht der Kassel Airport in Konkurrenz zu besser aufgestellten Flughäfen wie Paderborn.
Die hohe Investition von 271 Millionen Euro hinterlässt Zweifel, ob die Mittel nicht sinnvoller in anderen regionalen Projekten hätten eingesetzt werden können. Der Flughafen, ursprünglich als Dreh- und Angelpunkt des Luftverkehrs in der Region geplant, wird heute mehr durch seine Funktion als Unternehmensstandort definiert. Mit Passagierzahlen von lediglich 83.000 im Jahr 2024 bleibt der Kassel Airport weit hinter den einst prognostizierten Zielen zurück.

