Warum Inder Deutschlands neue Topverdiener sind
Indische Beschäftigte an der Spitze der Einkommensskala
Eingewanderte Inder sind in Deutschland die Topverdiener unter allen Zuwanderungsgruppen. Laut einer Kurzanalyse des arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft verdienen vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer aus Indien durchschnittlich 5393 Euro brutto im Monat. Zum Vergleich: Deutsche Vollzeitbeschäftigte kamen Ende 2024 im Schnitt auf 4177 Euro.
Keine andere Einwanderungsgruppe erreicht ein ähnlich hohes Einkommensniveau. Auf den weiteren Plätzen folgen Zuwanderer aus den USA und aus Österreich, deutlich dahinter liegen unter anderem chinesische Beschäftigte mit durchschnittlich 4888 Euro Monatsverdienst.
Warum indische Zuwanderer besonders gut verdienen
Der entscheidende Faktor liegt in der Berufsstruktur. Ein außergewöhnlich hoher Anteil indischer Arbeitnehmer ist in naturwissenschaftlich-technischen Berufen tätig. Rund 30,7 Prozent der 25- bis 44-jährigen vollzeitbeschäftigten Inder arbeiten in sogenannten MINT-Berufen – etwa als Informatiker, Ingenieure oder Naturwissenschaftler.
Gerade in diesen Bereichen ist der Fachkräftemangel besonders ausgeprägt. Entsprechend hoch ist die Verhandlungsmacht qualifizierter Beschäftigter. Indische Fachkräfte im Alter zwischen 25 und 45 Jahren verdienen in akademischen MINT-Berufen im Schnitt 6172 Euro brutto im Monat. Der Arbeitsmarkt honoriert hier Qualifikation, Spezialisierung und Knappheit.
Fachkräftezuwanderung verändert den deutschen Arbeitsmarkt
Die Einkommensspitze der indischen Zuwanderer ist Teil eines größeren Strukturwandels. Seit 2012 wirbt die Bundesregierung gezielt um qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten, insbesondere für akademische Berufe in Technik, IT und Naturwissenschaften. Der Hintergrund ist klar: eine alternde Gesellschaft, der ökologische Umbau der Wirtschaft und der digitale Strukturwandel.
Während die Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Deutscher zwischen 2012 und 2024 um 7,6 Prozent wuchs, nahm die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte im selben Zeitraum um mehr als 150 Prozent zu. In akademischen MINT-Berufen ist der Effekt noch deutlicher: Dort stieg die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte um mehr als 226 Prozent, bei Drittstaatsangehörigen sogar um über 370 Prozent.
Indische Fachkräfte als Wachstumstreiber
Besonders stark ist der Zuwachs bei indischen Beschäftigten. Ihre Zahl in akademischen MINT-Berufen stieg zwischen 2012 und 2024 von 3750 auf 32.847 – ein Plus von fast 776 Prozent. Keine andere Herkunftsgruppe verzeichnet eine vergleichbare Dynamik.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Hochschulzuwanderung. Die Zahl indischer Studierender an deutschen Hochschulen hat sich innerhalb eines Jahrzehnts vervielfacht. Gleichzeitig ist ihre Bleibebereitschaft hoch: Rund zwei Drittel der Studierenden aus Indien geben an, nach dem Abschluss in Deutschland arbeiten zu wollen.
Mehr Innovation durch qualifizierte Migration
Die wirtschaftlichen Effekte reichen über den Arbeitsmarkt hinaus. Auch in der Forschung und Entwicklung wird der Einfluss sichtbar. Nach Auswertungen der IW-Patentdatenbank hat sich die Zahl der Patentanmeldungen von Erfindern mit indischen Wurzeln in deutschen Unternehmen zwischen 2000 und 2022 verzwölffacht.
Indische Zuwanderer tragen damit nicht nur zur Entlastung des Arbeitsmarkts bei, sondern stärken langfristig Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Der Einkommensvorsprung ist Ausdruck dieses strukturellen Beitrags – und ein Hinweis darauf, welche Art von Zuwanderung künftig besonders gefragt sein wird.


