Evonik im Gegenwind: Spezialchemiekonzern ringt mit anhaltenden Herausforderungen
Der Spezialchemiekonzern Evonik steht vor einem herausfordernden Schlussquartal, während die Nachfrage bis Jahresende schwach bleiben dürfte. Diese Einschätzung wurde am Dienstag bei der Präsentation der endgültigen Zahlen für das dritte Quartal bestätigt. Langwierige Belastungen durch die US-Zollpolitik, eine stagnierende europäische Wirtschaft und die anhaltende Krise im chinesischen Immobiliensektor setzen der gesamten Branche zu. Aufgrund dieser Umstände sah sich Evonik-Chef Christian Kullmann bereits im September gezwungen, die Prognose für das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für 2025 zu senken - von zuvor 2,1 Milliarden Euro im letzten Jahr auf rund 1,9 Milliarden Euro.
Schon während des Sommers hatte der Vorstand das untere Ende der ursprünglich erwarteten Bandbreite von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro ins Auge gefasst. Im Zeitraum von Juli bis September verzeichnete Evonik einen Umsatzrückgang von zwölf Prozent auf 3,4 Milliarden Euro, während das operative Ebitda im Tagesgeschäft bei 448 Millionen Euro lag, was einem Rückgang von etwas mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Der Gewinnrückgang kam hauptsächlich durch eine sinkende Absatzmenge zustande, obwohl die Verkaufspreise weitgehend stabil gehalten werden konnten. Unter dem Strich ergab sich für die Anteilseigner ein Verlust von 106 Millionen Euro im Gegensatz zu einem Gewinn von 223 Millionen Euro im Vorjahr. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hatte das im MDax gelistete Unternehmen ein Sparprogramm ins Leben gerufen, das planmäßig voranschreitet.
Ziel ist es, die jährlichen Kosten bis Ende 2026 um 400 Millionen Euro zu reduzieren. Der Konzern verzeichnet bereits erste Effekte durch gestraffte Managementstrukturen und verringerte Personalkosten. Bis Ende des Jahres sollen 90 Prozent der Bereiche in ihre neue Struktur überführt werden.
Analyst Sebastian Satz von der Citigroup bewertet den operativen Gewinn im dritten Quartal als leicht über den zuletzt gesunkenen Markterwartungen. Dennoch betrachtet er den Geschäftsmixt als schwächer als erwartet, insbesondere da die Hauptgeschäftsbereiche schlechter abschnitten. Zweifel bestehen hinsichtlich der Wirksamkeit der eingesetzten Sparmaßnahmen, was sich auch in der im Vergleich zu anderen Chemiewerten schwachen Kursentwicklung der letzten Monate widerspiegelt.
Die Evonik-Aktie, die in den letzten Monaten schwächelte, fiel zunächst am Dienstagmorgen stark, konnte sich aber anschließend erholen und schnitt mit einem kleinen Minus von etwa einem halben Prozent besser ab als der allgemein schwache deutsche Aktienmarkt. Im laufenden Jahr haben die Evonik-Papiere etwa 14 Prozent an Wert verloren, während der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Chemicals ein Minus von gut sechs Prozent verzeichnete.

