Diskussion um die Unabhängigkeit der US-Notenbank nach Ernennung von Stephen Miran
Stephen Miran, der neu ernannte Gouverneur der US-Notenbank Federal Reserve, verteidigt seine Forderung nach aggressiveren Zinssenkungen. Bei der jüngsten Fed-Sitzung plädierte Miran für eine Absenkung der Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt, im Gegensatz zur von der Fed angestrebten Senkung um einen Viertelprozentpunkt. In einem Interview betonte Miran, dass seine Entscheidung unabhängig von politischem Druck getroffen wurde, obwohl Präsident Donald Trump seine Ernennung unterstützt hatte. Die schnelle Bestätigung Mirans sowie die Versuche der Trump-Regierung, Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen, haben zu Bedenken hinsichtlich der Autonomie der Zentralbank geführt.
Miran betont jedoch weiterhin seine Unabhängigkeit und hält politische Einflussnahme für unbegründet. Er stellte klar, dass er seine Entscheidungen auf Grundlage ökonomischer Analysen treffe und nicht im Auftrag des Präsidenten handle. Trump hatte die Federal Reserve mehrfach zu aggressiveren Zinssenkungen gedrängt und versucht, die siebenköpfige Führungsriege mit eigenen Kandidaten zu besetzen. Dies führte bei der letzten Fed-Sitzung zu erhöhter politischer Anspannung.
Der leitende Volkswirt von EY-Parthenon, Gregory Daco, warnte, dass politischer Einfluss die Glaubwürdigkeit der Fed beeinträchtigen und somit deren Flexibilität bei der Politikgestaltung einschränken könnte. Er wies darauf hin, dass historische Erfahrungen zeigen, dass politische Einflussnahme auf Zentralbanken zu suboptimalen wirtschaftlichen Ergebnissen führen kann.
Zusätzlich äußerte sich auch Fed-Chef Jerome Powell vorsichtig zu den potenziellen inflationsfördernden Effekten von Zöllen, die allerdings eher als einmalige Preisverschiebung statt als langfristiger Inflationsschub erwartet werden. Am Rande der Debatte plant Miran, in einem bevorstehenden Vortrag seine Position zu erläutern und hofft, andere Gouverneure von der Notwendigkeit eines aggressiveren Ansatzes zu überzeugen.

