Der Weltenrichter in Seoul: Ex-Präsident Yoon Suk Yeol vor wegweisendem Urteil
In Südkorea schaut die Welt gebannt auf den dramatischen Höhepunkt eines der aufsehenerregendsten Gerichtsverfahren der letzten Jahre. Der ehemalige Präsident Yoon Suk Yeol steht im Zentrum der juristischen Auseinandersetzungen und erwartet in Kürze sein Urteil. Nachdem der heute 65-Jährige im Dezember 2024 unerwartet das Kriegsrecht ausrief, muss er sich nun wegen Aufstands vor dem zentralen Bezirksgericht in Seoul verantworten. Die Richter haben bei einem Schuldspruch nur eingeschränkte Wahlmöglichkeiten: Es stehen lebenslange Haft, lebenslange Haft mit Zwangsarbeit oder die Todesstrafe zur Debatte. Die Staatsanwaltschaft plädierte Mitte Januar auf die härteste Strafe.
Als Yoon in den Abendstunden des 3. Dezembers 2024 das Kriegsrecht verkündete, versetzte er das Land in eine langanhaltende Staatskrise. Der konservative Ex-Staatsanwalt verkündete in einer Fernsehansprache, es sei notwendig, die freiheitliche Ordnung des Landes vor der vermeintlichen Gefahr durch kommunistische und nordkoreanische Sympathisanten in der Opposition zu schützen, veröffentlichte jedoch keine Beweise für seine Behauptungen.
Der ehemalige Präsident instruierte militärische Sondereinheiten, um die Nationalversammlung in Seoul abzuriegeln. Der Plan scheiterte krachend: Bereits nach wenigen Stunden hob das Parlament in einer Eilsitzung das Kriegsrecht auf. Yoon wurde seines Amtes enthoben und angeklagt.
Die Sonderstaatsanwaltschaft, geführt von Cho Eun Seok, forderte Mitte Januar in einem eindringlichen Plädoyer die Todesstrafe. Sie argumentierte, dass Yoon das Kriegsrecht akribisch geplant habe, um der Verfassung Schaden zuzufügen. Sein Handeln habe "enormen Schaden und großes Leid für Staat und Gesellschaft" verursacht. Zudem warf man ihm vor, dass er keine Reue gezeigt und sich bei der Öffentlichkeit nie entschuldigt habe.

