Control Resonant: Neue Einblicke zeigen, woher Remedys düsteres Sequel seine unheimlichste Inspiration schöpft
Remedy Entertainment hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass ihre Spielwelten nicht aus dem Nichts entstehen, sondern aus einer tief verwurzelten Liebe zu Literatur, Film und dem Abseitigen des Übernatürlichen. Control Resonant, der heiß ersehnte Nachfolger des gefeierten Erstlings, führt diese Tradition fort – und die Einflussquellen, die Remedy jetzt offenbart hat, sind so fesselnd wie die Spiele selbst.
Eine Ahnenliste des Unheimlichen
Remedy hat in einem neuen Video die literarischen und filmischen Wurzeln von Control Resonant beleuchtet, und die Auswahl ist so eigenwillig wie aufschlussreich. Neben dem offensichtlichen Vorbild Akte X – wo statt Außerirdischen paranormale Phänomene im Mittelpunkt stehen – hat Jeff VanderMeers Romanserie Southern Reach maßgeblich zur Atmosphäre des Spiels beigetragen. Viele dürften die Verfilmung des ersten Bandes kennen: Annihilation, der 2018 von Alex Garland inszenierte Kinofilm, der mit seiner beunruhigenden Fremdartigkeit Kritiker wie Zuschauer gleichermaßen in seinen Bann zog. Wer Southern Reach kennt, weiß, worum es geht – eine Welt, in der das Vertraute aufhört, vertrauenswürdig zu sein. Genau dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Control-Universum.
Roadside Picnic und das Erbe des Stalker
Besonders bemerkenswert ist die Nennung von Roadside Picnic, dem 1971 erschienenen sowjetischen Science-Fiction-Roman von Arkadi und Boris Strugatzki. Das Buch handelt von einer Erde nach einem außerirdischen Kurzbesuch, der Zonen hinterlassen hat, in denen die Gesetze der Physik aufgehört haben zu gelten – eine Prämisse, die sich unschwer in Control wiedererkennen lässt. Roadside Picnic inspirierte Andrei Tarkowskis Meisterwerk Stalker aus dem Jahr 1979 und bildet darüber hinaus die Grundlage für GSC Game Worlds S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl. Damit spannt Control Resonant einen beeindruckenden kulturellen Bogen – von russischer Nachkriegsliteratur über sowjetisches Autorenkino bis hin zum modernen Videospiel. Das ist kein Zufall, sondern programmatisch: Remedy arbeitet bewusst in der Tradition des sogenannten New Weird, jener literarischen Strömung, die das Fantastische nicht erklärt, sondern unbegreiflich lässt.
Manhattans Ende und Dylans Bürde
Inhaltlich knüpft Control Resonant dort an, wo der erste Teil endete – nur düsterer. Das Eindämmen des Hiss durch das Federale Kontrollbüro ist gescheitert, Manhattan steht kopf, und die Welt befindet sich am Rand des Abgrunds. Direktorin Jesse Faden ist verschwunden, und es liegt an ihrem Bruder Dylan, die Situation zu wenden. Wer den ersten Teil gespielt hat, kennt Dylan als ambivalente Figur – diese Komplexität scheint Remedy nun vollständig auszuschöpfen. Control Resonant erscheint für PlayStation 5, Xbox Series X/S, PC und Mac – ein konkreter Erscheinungstermin innerhalb des angekündigten Jahres 2026 steht noch aus, doch angesichts der Tiefe, mit der Remedy bereits jetzt seine Inspirationsquellen offenlegt, dürfte das Warten mehr als lohnenswert sein.


