Bund bietet Ländern Milliarden-Plus für Flüchtlingshilfe

24. September 2015, 17:49 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Unmittelbar vor dem Flüchtlingsgipfel im Kanzleramt hat der Bund eine deutliche Aufstockung seiner Finanzhilfen für die Länder in Aussicht gestellt. Im laufenden Jahr sollen den Ländern nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zwei Milliarden Euro bereitgestellt werden.

Das weäre eine Verdoppelung der bisherigen Zusage. Im nächsten Jahr wolle der Bund seine Hilfe von den zuletzt zugesagten drei Milliarden Euro auf nunmehr «gut vier Milliarden Euro» erhöhen, verlautete am Donnerstagnachmittag aus Verhandlungskreisen in Berlin. Die genaue Höhe der Zahlung für 2016 stehe noch nicht endgültig fest.

Der Beginn der Gespräche über die Neuausrichtung der deutschen Asyl- und Flüchtlingspolitik verzögerte sich deutlich, da die Vorbesprechungen länger dauerten als geplant. Bund und Länder wollten bei dem Spitzentreffen ein umfangreiches Paket zur Bewältigung der Flüchtlingskrise beschließen. Es geht zum einen um die künftige Verteilung der Kosten zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Der Gipfel berät außerdem über ein Paket mit zahlreichen Gesetzesänderungen.

Als dauerhafte Beteiligung des Bundes an den Kosten war vor dem Treffen im Gespräch, dass Berlin pro Asylbewerber und Monat 670 Euro an die Länder überweist. Die Höhe der Bundeshilfe über die Pro-Kopf-Pauchale hängt auch entscheidend von der Dauer der Asylverfahren ab - und damit von der Frage, wie lange Länder und Kommunen Flüchtlinge unterbringen.

Die Ministerpräsidenten der Länder hatten zuvor den Druck auf die Bundesregierung erhöht, bei ihren Finanzhilfen deutlich nachzulegen. Mehrere Regierungschefs bezifferten die notwendige Unterstützung des Bundes bei der Flüchtlingshilfe im nächsten Jahr auf 4 bis 6 Milliarden Euro.

Nach einem zwischen den 16 Ländern abgestimmten Forderungskatalog soll der Bund ab 1. Januar 2016 einen Teil der Kosten für den Zeitraum der Registrierung bis zur Erteilung des Asylbescheids durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge tragen. So heißt es laut «Ruhr Nachrichten» in dem Länder-Papier, das dem Blatt vorlag: «Für das Jahr 2016 erhalten die Länder eine Abschlagszahlung, die über die Umsatzsteuer verteilt wird.»

Bei durchschnittlich 800 000 Asylbewerbern und sechs Monaten Verfahrensdauer ergebe sich ein Betrag von 3,21 Milliarden Euro. Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge müsse der Bund einen gesonderten Monatsbeitrag von 5000 Euro je Fall übernehmen, forderten die Ministerpräsidenten. Demnach sollte der Bund auch die Kosten für Abschiebungen übernehmen sowie jährlich 350 Millionen zur Schaffung von Erstaufnahmeeinrichtungen.

Bei der Erstaufnahme will der Bund die Länder stärker entlasten als bisher geplant. Neben den zugesagten 40 000 Erstaufnahmeplätzen, die der Bund direkt schafft, könnte er für weitere 40 000 Plätze eigene Liegenschaften bereitstellen und die Kosten für die Herrichtung übernehmen. Das geht aus einem Entwurf für das Abschlusspapier des Flüchtlingsgipfels hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

Die Einrichtung der übrigen Plätze werde der Bund «finanziell angemessen unterstützen». Bund und Länder wollen bis Mitte 2016 insgesamt 150 000 zusätzliche und winterfeste Unterbringungsplätze für Asylbewerber in Erstaufnahmeeinrichtungen schaffen.

Merkel hatte am Morgen in einer Regierungserklärung gesagt, neben der Bewältigung aktueller, auch finanzieller Fragen gehe es längerfristig um die Eingliederung Hunderttausender Flüchtlinge in Deutschland. So müssten Asylsuchende die Bereitschaft zur Integration mitbringen. Wichtig seien auch deutlich schnellere Asylentscheidungen und eine schnellere Rückführung nicht asylberechtigter Menschen.

Das geplante Gesetzespaket sieht unter anderem vor, Albanien, Kosovo und Montenegro als weitere «sichere Herkunftsstaaten» einzustufen, Asylbewerber künftig länger in Erstaufnahmeeinrichtungen zu halten und ihnen dort überwiegend Sachleistungen zu gewähren. Für bestimmte Flüchtlingsgruppen sind auch rigide Leistungskürzungen vorgesehen.

Die Regierung will das Asyl-Paket im beschleunigten Verfahren durch Parlament und Bundesrat bringen und zieht dafür die Kabinettssitzung in der kommenden Woche vor. Die Ministerrunde soll bereits am Dienstag und nicht wie üblich am Mittwoch tagen, erklärten am Donnerstag Sprecher von Regierung und Bundesinnenministerium.

Migration / Flüchtlinge / Bund / Länder / Deutschland
24.09.2015 · 17:49 Uhr
[9 Kommentare]
Thorsten Frei (Archiv)
Berlin - Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) hält mögliche Gespräche mit Russland über einen Frieden in der Ukraine für eine Frage des richtigen Timings und der engen Abstimmung mit Partnern. "Ich glaube, für alles muss es den richtigen Zeitpunkt geben", sagte Frei am Freitag in der RTL/ntv-Sendung "Frühstart" auf die Frage, ob der Kanzler Wladimir […] (01)
vor 28 Minuten
Turmdrehkran als 3D-Drucker: Weltpremiere aus Australien könnte den Hochbau verändern
Türmdrehkrane gehören seit Jahrzehnten zum festen Bild jeder größeren Baustelle. Der australische Robotik- und 3D-Druckhersteller Luyten aus Melbourne hat nun etwas grundlegend Neues vorgestellt: den Ascend, den weltweit ersten Turmdrehkran, der gleichzeitig als robotischer 3D-Betondrucker arbeitet. Das System kann Gebäude bis zu 100 Meter Höhe direkt […] (00)
vor 12 Stunden
KI-Firma Anthropic
San Francisco (dpa) - Der OpenAI-Rivale Anthropic bringt eine Pause bei der Entwicklung leistungsstarker Künstlicher Intelligenz ins Gespräch. «Wir glauben, dass es gut für die Welt wäre, die Option zu haben, die Entwicklung besonders fortgeschrittener Modelle zu verlangsamen oder zu pausieren», hieß es in einem Blogeintrag des KI-Entwicklers. Ziel […] (00)
vor 10 Minuten
The 7th Guest Remake – ab sofort für PC und Konsolen
Vertigo Games hat heute bekannt gegeben, dass  The 7th Guest Remake  ab sofort für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S erhältlich ist. Die Nintendo-Switch-Version wird zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Der Launch-Trailer kann hier angesehen werden:   Über The 7th Guest Remake Fast drei Jahrzehnte, nachdem das Original die Anfänge des […] (00)
vor 1 Stunde
James Handy mit 81 Jahren getötet
Der langjährige Film- und Fernsehschauspieler wurde laut Polizeiangaben in Los Angeles Opfer eines tödlichen Messerangriffs. Der US-Schauspieler James Handy ist im Alter von 81 Jahren ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei von Los Angeles wurde der Darsteller am Mittwochmorgen in Tarzana im San Fernando Valley durch eine Stichverletzung tödlich verletzt. Als Tatverdächtiger wurde der 44- […] (00)
vor 1 Stunde
French Open
Paris (dpa) - Ein Halbfinale gegen Alexander Zverev war für Jakub Mensik in diesem dramatischen Moment der ersten French-Open-Woche meilenweit entfernt. Der 20 Jahre alte Tscheche hatte zwar gerade den Matchball in der zweiten Runde verwandelt, doch der mehr als viereinhalbstündige Kraftakt bei 31 Grad forderte seinen Tribut: Mensik sackte auf dem Platz […] (02)
vor 4 Stunden
Trump zieht Zügel an: Keine Iran-Einigung in Sicht – Militär droht als Plan B
Verhandlungen festgefahren – Trump wechselt die Strategie Nach Wochen zäher Diplomatie ohne Fortschritt hat US-Präsident Trump deutlich gemacht, dass ihm die Geduld ausgeht. Die Verhandlungen mit dem Iran zur Beendigung der eskalierenden Konflikte befinden sich in einer kritischen Phase. Trump signalisierte öffentlich, nicht in "Eile" zu sein, was […] (00)
vor 53 Minuten
Entwicklung der globalen Kernkraftkapazität
Herisau, 05.06.2026 (PresseBox) - Laut Prognosen könnte die weltweite Kernkraftkapazität bis 2050 rund 1.446 GWe erreichen. Früher ging man von 1.200 GWe aus. Anzeige/Werbung - Dieser Artikel wird verbreitet im Namen von Premier American Uranium Corp. und Uranium Royalty Corp., mit der die SRC swiss resource capital AG bezahlte IR-Beraterverträge unterhält. […] (00)
vor 1 Stunde
 
Haus des Wirtschaftsrates (Archiv)
Berlin - Der Wirtschaftsrat der CDU bewertet den Referentenentwurf für das […] (01)
Protest für AfD-Verbot (Archiv)
Berlin - Die Union hat die SPD vor einer neuen Debatte über ein Verbotsverfahren […] (02)
Karin Prien (Archiv)
Berlin - Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) kritisiert die EU- […] (03)
Einbürgerungsurkunde und Reisepass
Berlin (dpa) - Seit 2021 sind in Deutschland mehr als 50.000 Menschen eingebürgert […] (00)
Andoni Iraola
Liverpool (dpa) - Der FC Liverpool wird künftig von Andoni Iraola trainiert. Wie der […] (01)
Nubert – High-End-Klangsteuerung mit Streaming-Komfort
Nubert erweitert sein Elektronik-Portfolio und präsentiert auf der High End Vienna […] (00)
FIFA greift EA FC 26 direkt zur WM an, aber ganz anders als erwartet
FIFA ist zurück im Gaming. Nach dem Ende der jahrelangen Partnerschaft mit EA Sports […] (00)
Primetime-Check: Mittwoch, 3. Juni 2026
Wie erfolgreich ist «Aktenzeichen XY… Ungelöst» im ZDF? Punktet VOX weiterhin mit seiner Doku- […] (00)
 
 
Suchbegriff