Brüssel im Kampfmodus: EU nimmt Deutsche Börse und Nasdaq ins Visier
In einem spannenden und hochbrisanten Verfahren hat die EU-Kommission ein förmliches Kartellverfahren gegen die Deutsche Börse und die US-amerikanische Nasdaq eingeleitet. Die beiden Schwergewichte der Finanzwelt stehen unter Verdacht, europäische Wettbewerbsregeln verletzt zu haben, indem sie sich bei Geschäften mit Finanzinstrumenten abgesprochen haben sollen.
EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera äußerte in Brüssel, dass die Untersuchung klären soll, ob die Deutsche Börse und die Nasdaq bei der Notierung, dem Handel und dem Clearing bestimmter Finanzderivate kooperiert haben, um den Wettbewerb zu vermeiden. Die Kommission befürchtet, dass Marktsegmente aufgeteilt, Preise abgestimmt und geschäftlich sensible Informationen ausgetauscht wurden, was ein enormes Risiko für den Binnenmarkt darstellt.
Die Deutsche Börse hat bereits auf die Vorwürfe reagiert. Eine Sprecherin des Dax-Konzerns betonte den konstruktiven Dialog mit der Europäischen Kommission, jedoch befände sich das Verfahren noch in einer frühen Phase. Trotz der Unsicherheiten zeigte sich das Unternehmen zuversichtlich und vertraut auf die stichhaltige Verteidigung durch externe Rechtsberater.
Die EU-Kommission plant, die Untersuchung mit Priorität weiterzuführen, obwohl noch keine Schlussfolgerungen über das Ergebnis gezogen werden können. Sollten die Vorwürfe bestätigt werden, drohen den Börsenbetreibern empfindliche Strafen von bis zu zehn Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes. Allein die Deutsche Börse würde eine solche Strafe teuer zu stehen kommen.
Eine Kooperation aus 1999 zwischen Eurex und der Helsinki Stock Exchange, nun Teil der Nasdaq, ist ebenfalls im Fokus der Untersuchungen. Diese Absprachen wurden seinerzeit offen mit der EU-Kommission erörtert und sollten den Wettbewerb fördern. Doch nun überprüft Brüssel die Auswirkungen dieser damals vereinbarten Zusammenarbeit erneut kritisch.
Bereits im September 2024 traf die EU-Kommission eine unangemeldete Untersuchung bei beiden Unternehmen. Dabei ging es ebenfalls um Finanzderivate, die es Akteuren ermöglichen, auf Marktbewegungen zu spekulieren oder ihre Geschäfte abzusichern. Trotz des drohenden Sturmwetters in Brüssel bleibt die Deutsche Börse standhaft und entschlossen, ihre Position für faire Marktwettbewerbsbedingungen zu wahren.

