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Biontech wagt den nächsten Milliarden-Sprung – nicht mit Impfstoffen, sondern im Kampf gegen Krebs

05. November 2025, 19:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Biontech wagt den nächsten Milliarden-Sprung – nicht mit Impfstoffen, sondern im Kampf gegen Krebs
Foto: InvestmentWeek
Mehr als 20 laufende klinische Studien in Phase 2 und 3, aber bisher kein zugelassenes Krebsmedikament. Die regulatorischen Hürden bleiben hoch.
Biontech baut seinen Innovation Hub aus, um Krebs mit mRNA zu bekämpfen. Nach Pandemiegewinnen zielt das Unternehmen auf patientenspezifische Therapien ab.

Keine Zeit für Nostalgie – der Kampf um das Nach-Corona-Geschäft hat begonnen

Wer dieser Tage das Industriegebiet Mainz-Hechtsheim betritt, sieht graue Hallen, LKW-Laderampen und Forstapparate. Zwischen ihnen ein Bau, der sich erst beim zweiten Blick verrät: ein hellgrüner Streifen an der Fassade, eine Sicherheitsschleuse, Scanner wie am Flughafen.

Im Inneren: Biontechs „Innovation Hub“.
Nicht zu verwechseln mit einer Forschungslaborshow für Besucher – dies ist das Herzstück der neuen Unternehmensstrategie. Hier entstehen mRNA-Moleküle, die keinen Virus bekämpfen sollen, sondern Krebszellen. Individuell, patientenspezifisch, in einer Form, die es so in der Onkologie noch nie gab.

Die Pandemiegewinne sind da längst Vergangenheit. 2021 schwamm Biontech im Geld, 2025 kommt die betriebswirtschaftliche Ernüchterung:
Rückläufige Impfstofferlöse, steigende Forschungskosten, geplantes Jahresminus.

Doch statt auf Defensive umzuschalten, beschleunigt Biontech.

Ein Labor, das wie ein Finanz-Statement funktioniert

Im Innovation Hub liegt der Fokus nicht mehr auf Masse (wie bei Impfstoffen), sondern auf Präzision. Jedes mRNA-Molekül wird in einer Art Reinraumchoreografie hergestellt: pipettieren, messen, sequenzieren, reinigen, testen. Viele dieser Proben wiegen weniger als ein Sandkorn.

Was hier entwickelt wird, sind keine Standardmedikamente.
Sie sind maßgeschneiderte Krebstherapien.

„Unsere Vision ist eine Therapie, die exakt auf den Tumor eines Patienten zugeschnitten ist“,
sagt Michael Wenger, einer der Verantwortlichen für die klinischen Krebsprogramme bei Biontech.

Personalisierte Medizin. Produktionszeit: wenige Wochen. Ziel: die körpereigenen Abwehrzellen dazu bringen, Tumore zu erkennen und gezielt zu zerstören.

18 Produktkandidaten, 20 laufende Studien – und ein Datum, das alles entscheidet

In der Pharmabranche gelten Zulassungen als neue Währung. Wer ein zugelassenes Krebsmedikament besitzt, wird automatisch zum Schwergewicht. Biontech arbeitet deshalb parallel auf mehreren Ebenen:

1. Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC)
Partner: DualityBio (China) – klinische Phase gegen Gebärmutterkrebs, Gespräche mit US-Arzneibehörde FDA laufen.

2. Immuntherapien (Checkpoint-Inhibitoren)
Partner: Bristol Myers Squibb – Vorauszahlung:
700 Mio. € Cash, bevor ein Produkt auf dem Markt ist.

3. Individuelle mRNA-Krebstherapie
Aus Tumorgewebe wird eine „molekulare Signatur“ extrahiert, die mRNA wird darauf basierend produziert. Kein Patient bekommt dieselbe Therapie wie ein anderer.

Das Ziel ist nicht weniger als der Bruch mit dem bisherigen Modell von Krebstherapie:
Weg vom „Schleudern aufs gesamte Immunsystem“, hin zum chirurgischen Angriff im molekularen Maßstab.

„Es wird nicht ein Mittel geben, das jeden Tumor heilt“

Während andere Biotech-Unternehmen mit dem Begriff „Durchbruch“ inflationär umgehen, formuliert Biontech bewusst vorsichtig.

„Wir sind nicht so vermessen zu glauben, dass es ein Medikament gibt, das jeden Krebs heilt“,
sagt Wenger.

Der Satz ist typisch Biontech: wissenschaftlich nüchtern, ohne Pathos – und dennoch von radikalem Anspruch.

Die Strategie lautet:
Kombination statt Wunderpille.

Krebs ist kein Gegner. Krebs ist ein Systemfehler des Körpers.
Und Systeme knackt man nicht mit einem Werkzeug, sondern mit einem Werkzeugkasten.

Milliarden im Rücken, aber nicht unendlich Zeit

Biontech sitzt auf 16,7 Milliarden Euro Liquidität – ein Polster, wie es nur wenige junge Pharmaunternehmen jemals hatten. Doch Geld löst keine Zeitprobleme.

  • Studien dauern Jahre
  • Patientenrekrutierung ist schwierig
  • Kombinationstherapien erhöhen regulatorische Komplexität

Gleichzeitig sinken die Erlöse aus dem Covid-Impfstoff schneller als erwartet. In Deutschland lag die Impfquote der über 60-Jährigen in der letzten Saison bei nur 20,9 %. Ein gigantischer Markt verdampft – und Biontech kann nicht darauf warten, dass er zurückkommt.

Deshalb der strategische Befreiungsschlag:

Übernahme von Curevac.
Der einstige mRNA-Konkurrent wird eingegliedert – Know-how, Patente und Köpfe inklusive.

Das ist kein Zukauf.
Das ist ein Positionswechsel innerhalb der Branche.

Biontech spielt nicht mehr Start-up – es spielt Big Pharma

Mit jedem Schritt entfernt sich Biontech weiter von der Rolle des wissenschaftlichen Underdogs. Das Unternehmen macht, was große Pharmakonzerne tun:

  • Pipeline breiter aufstellen
  • regulatorische Beziehungen vertiefen
  • strategische Übernahmen durchführen
  • riskante Langzeitforschung priorisieren

Der Unterschied:
Biontech ist bereit, Verluste in Kauf zu nehmen, um ein Jahrzehnt Forschung zu beschleunigen.

Ein Ende ohne Floskel

Corona war Zufall.
Krebs ist Absicht.

Während die Welt über Impfquoten diskutiert, arbeitet in Mainz ein Team an einer medizinischen Zeitenwende. Wenn 2026 eine Zulassung kommt – und sie könnte kommen –, dann wird der Innovationshub in Mainz-Hechtsheim nicht nur der Ort sein, an dem ein Impfstoff entstand.

Sondern der Ort, an dem der Versuch begann, Krebs personalisiert zu besiegen.

Und das wäre größer als jeder Pandemieerfolg zuvor.

Finanzen / Unternehmen / BioNTech / Krebs / mRNA-Therapie
[InvestmentWeek] · 05.11.2025 · 19:00 Uhr
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