Bayer: Zwischen Hoffnungsschimmern und milliardenschweren Belastungen
Bayer muss erneut tief in die Tasche greifen, um die Rechtsstreitigkeiten in den USA rund um Glyphosat und PCB zu bewältigen. Trotz jüngst verkündeter Erfolge im Pharmasegment und optimistischerer Prognosen für das Geschäftsjahr bleiben die Herausforderungen für den DAX-Giganten beträchtlich. Der Spagat zwischen Gerichtssälen und Wachstumsstrebungen sorgt für eine Achterbahnfahrt, die selbst erfahrene Investoren staunen lässt.
Die Aktien reagierten am Freitagmorgen positiv und erholten sich um etwa fünf Prozent von den letzten Verlusten, selbst in einem schwachen Gesamtmarktumfeld. Dabei befeuerte die Meldung einer gesteigerten Umsatz- und Gewinnerwartung Aufwind. Bayer korrigierte seine Prognosen für 2025 auf währungsbereinigte 46 bis 48 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 9,7 bis 10,2 Milliarden Euro.
Gleichzeitig lasten neue Rückstellungen für die anhaltenden US-Rechtsstreitigkeiten auf dem Unternehmen. Die zusätzlichen Belastungen betragen zwischen 2,5 und 3,5 Milliarden Euro bis 2025, wobei der Schwerpunkt weiterhin auf Glyphosat und dem seit langem verbotenen PCB liegt. Im zweiten Quartal mussten in diesem Zusammenhang bereits 1,7 Milliarden Euro verbucht werden.
Die 2018 getätigte Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto durch Bayer, die von den damaligen CEO Werner Baumann initiiert wurde, hat sowohl Herausforderungen als auch Verluste in Milliardengröße mit sich gebracht. Hierbei spielt die Debatte um mögliche Krebsrisiken von Glyphosat eine zentrale Rolle. Mit dem Übergang zur Führung durch Bill Anderson und seinem umfassenden Organisationsumbau gibt es allerdings auch Anzeichen von operativer Besserung im Unternehmen.
JPMorgan-Analyst Richard Vosser zeigt sich angesichts der jüngsten Entwicklungen zwiegespalten: Während die operative Leistung Bayers beeindruckt, trüben die fortlaufenden Rechtsbelastungen das Gesamtbild. Bayer hofft nun auf politische Veränderungen und ein klares Urteil des US Supreme Court zu den Warnhinweisen für Glyphosat, um in den kommenden Jahren Rechtsklarheit zu erlangen.
Kläger stehen mit unterschiedlichen Urteilen von Bundesgerichten im Konflikt, während die US-Umweltbehörde EPA weiterhin an der Sicherheit von Glyphosat gemäß geltender Vorschriften festhält. Die richterliche Klärung durch den Supreme Court könnte jedoch noch bis Mitte 2026 auf sich warten lassen.

