Bayer sucht nach Klärung im Glyphosat-Streit: Ein Hoffnungsschimmer aus Washington
Der deutsche Chemie- und Pharmariese Bayer hat erneut den US Supreme Court angerufen, um die anhaltenden Rechtsstreitigkeiten um das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat endlich zu klären. Nachdem Bayer einen geeigneten Fall gefunden hatte, wurde nun eine Überprüfung des "Durnell"-Falls beantragt. Dieser Schritt wurde von Bayer bereits angekündigt, doch der konkrete Zeitpunkt war lange ungewiss. Der Konzern erhofft sich durch ein Grundsatzurteil der höchsten US-Richter, eine weitgehende Eindämmung der andauernden Klagewelle.
Der Hintergrund der Auseinandersetzung sind widersprüchliche Urteile von Bundesberufungsgerichten über angebliche Krebsrisiken durch glyphosathaltige Produkte. Im Kern steht die Frage, ob das Bundesrecht über Warnhinweise beim Verkauf von Pestiziden den Gesetzen der Einzelstaaten vorzugehen hat. Die US-Umweltbehörde EPA hat Glyphosat als unbedenklich eingestuft, sofern es korrekt angewendet wird und erteilte Produkthinweise ohne Warnungen.
Bayer verweist auf ein früheres Bundesgerichtsurteil im Fall "Schaffner", das zugunsten des Konzerns ausfiel. Hingegen stützte sich das 2023 ergangene Geschworenenurteil im Fall "Durnell" auf die Annahme, dass im US-Bundesstaat Missouri eine Warnung vor Krebsgefahren erforderlich sei – eine Auffassung, die die EPA nicht teilt. Nach einer abgelehnten Berufung und einer Zurückweisung durch das Missouri Supreme Court kann Bayer jetzt den Weg zum US Supreme Court bestreiten.
Ob und wann die Richter den Fall annehmen, bleibt offen. Bayer setzt jedoch darauf, dass spätestens bis Ende Juni eine Entscheidung über die Fallannahme getroffen wird, was ein Urteil bis zur Sommerpause 2026 ermöglichen könnte.
Der Glyphosat-Konflikt begann für Bayer 2018 mit der milliardenschweren Übernahme von Monsanto. Seither hat das Unternehmen durch Klagen und Vergleiche bereits viele Milliarden an Kosten getragen. Von rund 181.000 angemeldeten Ansprüchen wurden bisher circa 114.000 beigelegt. Neben dem rechtlichen Weg hat Bayer in jüngerer Vergangenheit auch politische Bemühungen zur Gesetzesänderung auf Bundesstaatsniveau verstärkt.

