Aufstieg der AfD

Umfragehoch für AfD - Wer regiert Ende 2026 in Magdeburg?

04. September 2025, 13:46 Uhr · Quelle: dpa
Alice Weidel und Tino Chrupalla
Foto: Michael Kappeler/dpa
«An der AfD wird man nicht mehr vorbeiregieren können», meint Alice Weidel. (Archivfoto)
Die AfD führt in aktuellen Umfragen in Sachsen-Anhalt mit 39 Prozent. Wie sich dies auf die mögliche Regierungsbildung auswirkt, bleibt spannend.

Magdeburg/Berlin (dpa) - Rekordhoch in Sachsen-Anhalt, Spitzenwert im bundesweiten ARD-«Deutschlandtrend»: Die AfD kann ihre Position in diesem Spätsommer vielerorts nicht nur festigen, sondern ausbauen, wie aktuelle Umfragen zeigen. Die Gründe dafür dürften vielfältig sein. 

Die Partei profitiert wohl auch von der Unzufriedenheit von Menschen, die sich in ihren Dörfern verlassen fühlen, ohne Arzt, ohne Geschäft, vor allem im Osten. Und vom Unmut etwa über Armutsmigration und Verwahrlosung im öffentlichen Raum, wie sie auch in nordrhein-westfälischen Städten immer wieder beklagt wird. Dass die Bundesregierung ihre Problemlösungskompetenz an mancher Stelle erst noch unter Beweis stellen muss, könnte ihr zusätzlich in die Hände spielen. 

Es ist allerdings ein einsamer Aufstieg, denn bis heute schließen alle im Bundestag vertretenen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD von Tino Chrupalla und Alice Weidel aus. Die Grünen unternehmen diese Woche einen erneuten Vorstoß, um im Bundestag eine Mehrheit für die Prüfung eines AfD-Verbotsantrags zu finden. 

Ostdeutsche Bundesländer

In Sachsen-Anhalt kommt die AfD ein Jahr vor der Landtagswahl in einer neuen Umfrage auf 39 Prozent. In der Sonntagsfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag von «Magdeburger Volksstimme», «Mitteldeutsche Zeitung» und Mitteldeutschem Rundfunk wird die Partei damit klar stärkste Kraft - weit vor der CDU mit 27 Prozent. 

Auf dem dritten Platz liegt demnach aktuell die Linke mit 13 Prozent. Die SPD würde mit sieben Prozent ihr Rekordtief von der vergangenen Landtagswahl noch unterbieten, wenn am Sonntag gewählt würde. Das BSW käme auf sechs Prozent. Nicht im Landtag vertreten wären die Grünen (drei Prozent) und die FDP. 

Damit würden sich die Kräfteverhältnisse im Landtag deutlich ändern: Für eine Regierungsbildung ohne die AfD wäre die CDU auf ein Brombeer-Bündnis mit SPD und Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) angewiesen und müsste auch mit der Linken kooperieren. Das aber dürfte schwierig werden. Die CDU schließt bisher jede Zusammenarbeit mit den Linken aus, und auch BSW-Chefin Sahra Wagenknecht hat bereits grundsätzlich klargestellt: «Wir stehen nicht als Teil einer profillosen Allparteienkoalition zur Verfügung, deren einziger gemeinsamer Nenner ist, gegen die AfD zu sein.» 

In Sachsen-Anhalt würde laut Umfrage dennoch weiterhin eine Mehrheit der Befragten eine CDU-geführte Landesregierung bevorzugen. Rund 47 Prozent sprachen sich dafür aus – 37 Prozent für eine AfD-geführte Regierung. Aktuell regiert ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP. Die Co-Vorsitzende der AfD, Alice Weidel, freut sich. «An der AfD wird man nicht mehr vorbeiregieren können - nicht nur in Sachsen-Anhalt!», kommentiert sie die Umfrageergebnisse auf der Plattform X.

Mit den Umfragewerten baut die AfD ihren Vorsprung im Osten Deutschlands weiter aus: In Mecklenburg-Vorpommern, wo ebenfalls im nächsten Jahr gewählt wird, sah eine Umfrage die AfD bereits im April als stärkste Kraft vor der SPD. In Sachsen und Thüringen, wo erst 2029 wieder gewählt wird, lag die AfD im Sommer zuletzt mit jeweils 35 Prozent deutlich vor der CDU. In Brandenburg sah eine Juni-Umfrage die AfD mit 32 Prozent vor der SPD. 

Die Entwicklung scheint dem Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke recht zu geben. Der Partei-Rechtsaußen wollte die Partei schon als Fundamentalopposition mit eigenem Machtanspruch aufstellen, als frühere Bundesvorsitzende wie Frauke Petry oder Jörg Meuthen noch dafür warben, die AfD als liberalkonservativen Koalitionspartner für Union und FDP zu positionieren.

Kommunalwahlen in NRW

Solche Zustimmungswerte für die AfD sind in den westlichen Bundesländern, von einigen lokalen Besonderheiten abgesehen, bislang nicht denkbar. Dennoch: Auch in Nordrhein-Westfalen, wo am 14. September Kommunalwahlen anstehen, stellen sich inzwischen viele die bange Frage, ob womöglich ein Rechtsruck droht, ganz besonders im Ruhrgebiet. 

«Vor allem in strukturschwachen Regionen mit industriellem Niedergang – wie Gelsenkirchen oder Duisburg – hat die AfD gute Chancen, ihre Ergebnisse auszubauen und sich dauerhaft zu verankern», sagte Politikwissenschaftler Oliver Lembcke von der Uni Bochum Ende August. Die AfD sei für viele «ein Resonanzraum für Enttäuschung und Wut über eine Politik, die als untätig gegenüber lokalen Problemen wahrgenommen wird – besonders im Bereich Integration». In der NRW-Metropole Köln sind Probleme mit Müll, Drogenkonsum und sozialer Verwahrlosung in der Innenstadt ein zentrales Wahlkampfthema.

AfD sitzt Schwarz-Rot im Nacken

In der Sonntagsfrage des ARD-«Deutschlandtrends» hat die AfD derweil einen neuen Höchstwert erreicht. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würden laut der Umfrage 25 Prozent der Befragten für die AfD stimmen. Den bisherigen Höchstwert von 24 Prozent hatte die Partei hier im August und April dieses Jahres erreicht. 

Stärkste Kraft bleiben im «Deutschlandtrend» aber CDU/CSU mit 27 Prozent - unverändert im Vergleich zum Vormonat. Die SPD legt um einen Prozentpunkt zu und kommt auf 14 Prozent, dahinter Grüne mit 11 (+1) und Linke mit 10 Prozent (unverändert). Das BSW (4 Prozent, +1) und die FDP (3 Prozent, -1) würden demnach beide den Einzug in den Bundestag verpassen. 

Auseinandersetzung mit dem Verfassungsschutz

Dass die Partei aus Sicht des Inlandsnachrichtendienstes in den vergangenen fünf Jahren deutlich radikaler geworden ist, scheint immer weniger Wählerinnen und Wähler zu stören. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte Anfang Mai mitgeteilt, dass es die AfD fortan als gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstufen werde. Wegen einer Klage der AfD gegen diesen Schritt legte die Behörde die Einstufung aber bis zur gerichtlichen Klärung auf Eis. 

Sein Ministerium äußere sich wegen des laufenden Verfahrens grundsätzlich nicht zum künftigen Umgang mit der Partei, sagt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, wenn man ihn auf die Partei anspricht. Gleichzeitig betonte der CSU-Politiker am Mittwoch erneut in einem Interview bei Sat.1: «Ich persönlich habe allerdings überhaupt keinen Zweifel daran, dass wir es hier mit einer rechtsextremistischen Partei zu tun haben.»

Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Umfragen spiegeln das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang.

Wahl / Umfrage / Sachsen-Anhalt / Deutschland
04.09.2025 · 13:46 Uhr
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