Antrittsbesuch

Wadephul in Israel: Zwischen Staatsraison und großer Sorge

11. Mai 2025, 14:48 Uhr · Quelle: dpa
Der neue Außenminister versichert beim Antrittsbesuch in Jerusalem: Israels Sicherheit bleibt deutsche Staatsraison. Er findet aber auch deutliche Worte an die Netanjahu-Regierung. Es ist ein Spagat.

Jerusalem (dpa) - Der neue deutsche Außenminister Johann Wadephul ruft die israelische Regierung eindringlich auf, wieder in ernsthafte Verhandlungen über einen Waffenstillstand im Gazastreifen einzusteigen. Mit Blick auf das seit März verschärfte militärische Vorgehen gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seinem israelischen Amtskollegen Gideon Saar in Jerusalem: «Ich bin nicht sicher, ob so alle strategischen Ziele Israels erreicht werden können, ob dies langfristig der Sicherheit Israels dient.»

An Saar gerichtet ergänzte der Minister: «Deswegen appellieren wir für einen Wiedereinstieg in ernsthafte Verhandlungen über einen Waffenstillstand. Einen Waffenstillstand, der auch den Weg für die dauerhafte Versorgung der Menschen in Gaza ebnet.» Dort komme seit 70 Tagen keine humanitäre Hilfe mehr an, die große menschliche Not verschärfe sich jeden Tag.

Treffen mit Netanjahu 

Im Anschluss kam Wadephul mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zusammen. Das Verhältnis seiner Vorgängerin Annalena Baerbock (Grüne) zu Netanjahu galt zuletzt als zerrüttet - es soll auch einmal laut geworden sein zwischen beiden. 

Der Besuch Wadephuls steht vor dem Hintergrund der in dieser Woche anstehenden Feiern zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel vor 60 Jahren. Am Nachmittag wollte Wadephul in Ramallah im Westjordanland den palästinensischen Ministerpräsidenten Mohammed Mustafa treffen. 

Wadephul : Kein völkerrechtswidriges Verhalten

Wadephul zeigte Verständnis für den israelischen Ansatz, dass Hilfslieferungen den Menschen und nicht der islamistischen Terrororganisation Hamas dienen sollten, die diese in der Vergangenheit auch missbraucht habe. Deutschland werde das Vorgehen Israels pragmatisch und flexibel unterstützen.

Auch von UN-Seite gab es Kritik an den israelischen Versorgungsplänen für den Gazastreifen. Darüber werde er an diesem Dienstag in Berlin mit UN-Generalsekretär António Guterres sprechen, kündigte Wadephul an. «Es geht jetzt wirklich darum, für die Menschen etwas zu erreichen. Und indem die israelische Regierung diesen Schritt jetzt geht, ist auch vollkommen klar, dass man hier ein völkerrechtswidriges Verhalten nicht vorwerfen kann.» 

Voraussetzungen für Friedenslösung deutlich gemacht

Ungewöhnlich deutlich machte Wadephul deutsche Vorstellungen für eine Friedenslösung zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen klar. Gebraucht werde eine politische Lösung für den Wiederaufbau des großflächig zerstörten Gebiets ohne die Hamas, von der keine Bedrohungen für Israel mehr ausgehen dürfe. Der arabische Wiederaufbauplan mit einer starken Rolle der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) sei dafür ein guter Ausgangspunkt.

Klar sei auch, dass der Gazastreifen Teil der palästinensischen Gebiete bleiben müsse, betonte Wadephul. Er sei sich mit Saar einig gewesen, dass die Palästinenser dort von «niemandem gezwungen werden, dieses Gebiet zu verlassen». Die Präsenz der israelischen Armee werde von vorübergehender Natur sein - auch darüber habe Einigkeit bestanden. Kritiker befürchten, Israel strebe eine dauerhafte Besetzung oder eine Vertreibung der Palästinenser an. Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hatte zuletzt mit einer Zerstörung des Gazastreifens und Vertreibung der Einwohner gedroht.

Gegen völkerrechtswidrigen Siedlungsbau

Wadephul machte sich für eine Zweistaatenlösung als «beste Chance für ein Leben in Frieden, Sicherheit und Würde für Israelis wie für Palästinenser» stark. Diese dürfe «weder durch ein Vorantreiben eines völkerrechtswidrigen Siedlungsbaus, noch durch eine vorzeitige Anerkennung eines Palästinenserstaates» verbaut werden, warnte er. Mit Zweistaatenlösung ist ein unabhängiger palästinensischer Staat gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existiert. Netanjahu lehnt eine solche Lösung ab, ebenso wie die Hamas.

Wadephul in Yad Vashem: Gegen Antisemitismus aufstehen

In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem legte Wadephul zum Gedenken an die von Nazi-Deutschland ermordeten sechs Millionen Jüdinnen und Juden einen Kranz nieder. Er rief dazu auf, «gemeinsam gegen Antisemitismus aufzustehen und auf der Basis der unteilbaren Menschlichkeit die Zukunft zu gestalten».

45 000 Erinnerungsstücke an den Holocaust

In Yad Vashem lässt sich Wadephul ein fünfstöckiges, vor einem Jahr eröffnetes Regallager zeigen, in dem etwa 45 000 Artefakte zusammengetragen wurden, die vom Leid der Opfer zeugen. Darunter sind private Gegenstände wie der Koffer von Selma Sara Vellemann aus Bremen, eine Singer-Nähmaschine, Dokumente. Eine Puppe mit rotem Kleidchen wird gezeigt, die zehn Jahre alte Regina hatte sie bei der Flucht ihrer Familie aus Deutschland dabei. 

Minister besichtigt Batterie des Raketenabwehrsystems Arrow 3

In Begleitung von Saar demonstrierten die Israelis Wadephul eine aktive Batterie des Luftverteidigungssystems Arrow 3 (deutsch: Pfeil). Der Minister erhielt eine Einführung in das System, das künftig auch von Deutschland eingesetzt werden soll. Der «Pfeil» kann Raketen in bis zu über 100 Kilometern Höhe zerstören, also außerhalb der Atmosphäre und im beginnenden Weltraum. Arrow 3 soll in Deutschland an drei verschiedenen Standorten stehen.

Treffen mit Angehörigen von Hamas-Geiseln

Direkt nach der Ankunft am Samstagabend war Wadephul in Tel Aviv mit Angehörigen von Geiseln zusammengekommen, die von der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen festgehalten werden. Nach jüngsten Angaben von Netanjahu sind im Gazastreifen 21 Geiseln sicher noch am Leben. Unter den verbliebenen Geiseln soll noch eine hohe einstellige Zahl sein, die auch eine deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Es ist dem Vernehmen nach aber unklar, ob sie noch am Leben sind oder nicht.

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11.05.2025 · 14:48 Uhr
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