Ubisoft: Trials-Macher RedLynx droht radikaler Schrumpfkurs und Mobile-Zwang
Die Konsolidierungswelle bei Ubisoft rollt unaufhaltsam weiter und fordert ihr nächstes prominentes Opfer. Ein neuerlicher Sturm zieht über dem globalen Studio-Netzwerk des französischen Publishers auf und trifft nun mit voller Wucht das finnische Entwicklerstudio RedLynx, die gefeierten Schöpfer der physikbasierten Stunt-Rennspielserie Trials. Ein interner „Restrukturierungsvorschlag“ sieht nicht nur den potenziellen Abbau von rund 60 Arbeitsplätzen vor, sondern würde das traditionsreiche Studio auch zu einer radikalen Kehrtwende zwingen: weg von Multiplattform-Entwicklungen, hin zu einem reinen Fokus auf den Mobile-Markt.
Der eiserne Besen der Effizienz
Als offizielle Begründung für diesen drastischen Einschnitt führt Ubisoft die globalen Bestrebungen an, das Unternehmen zu vereinfachen, Kosten zu senken und eine stärkere Priorisierung sowie Effizienz im weltweiten Studio-Netzwerk zu etablieren. Hinter diesen schmallippigen Konzernfloskeln verbirgt sich jedoch ein Beben, das die Grundfesten von RedLynx erschüttert. Bereits am 30. Oktober sollen kollektive Verhandlungen mit der Belegschaft beginnen, eine Einigung wird bis Ende des Folgemonats erwartet. Noch handelt es sich um einen Vorschlag, doch der eingeschlagene Kurs scheint unumkehrbar.
Vom Konsolen-Thron zum kleinen Bildschirm
Die Details des Plans zeichnen das Bild einer fundamentalen Neuausrichtung. Das Studio, das sein Renommee auf Konsolen und dem PC erwarb, soll sich fortan auf „kleine Bildschirme spezialisieren“. Dies bedeutet im Klartext die Übernahme von Smartphone-Projekten. Ubisoft formuliert es als eine Optimierung der Ressourcen, um die einzigartige Expertise des Studios bestmöglich zu nutzen – beginnend mit zwei bereits in Entwicklung befindlichen, aber noch unangekündigten Mobile-Titeln. Celine Pasula, die Geschäftsführerin von Ubisoft RedLynx, sprach von „schwierigen Entscheidungen“, die man treffen müsse, und erkannte das Gewicht dieser Ankündigung für die betroffenen Teams an.
Das Erbe der Stunt-Pioniere
Dieser Strategiewechsel wiegt umso schwerer, wenn man die beeindruckende Historie des Studios betrachtet. 2011 von Ubisoft akquiriert, war RedLynx über Jahre das Aushängeschild für süchtig machende und herausfordernde Geschicklichkeitsspiele. Titel wie Trials Evolution und Trials Fusion setzten Maßstäbe. Auch in jüngerer Vergangenheit bewies das Team seine technische Versiertheit, etwa bei der Portierung von Star Wars Outlaws auf die Nintendo Switch 2 an der Seite von Massive Entertainment. Diese Degradierung vom hochkompetenten Multiplattform-Unterstützer zum reinen Mobile-Entwickler fühlt sich für viele wie ein Abgesang auf eine Ära der Kreativität an und fügt sich in die größere, konzernweite Umstrukturierung ein, zu der auch die Gründung von Vantage Studios zur Bündelung der Hauptmarken gehört.


